Cola und Pop, das gehört zusammen, nicht erst seit Pepsi in den Achtzigern versuchte, Coca Cola mit Hilfe von Michael Jackson das Wasser abzugraben. Heute findet Pop nicht zuletzt im Internet statt: Die musikbegeisterte Jugend tauscht, an der Plattenindustrie vorbei, Songs über P2P-Börsen, zieht sich den Soundtrack für die nächsten Tage aus dem Netz.
Ein bisschen hat es gedauert, bis man bei den Colaproduzenten auf den Gedanken kam, dass dieser Markt sich doch werbewirksam mit der eigenen Marke verbinden ließe. Bei Coca Cola war man am schnellsten, seit Januar ist MyCokeMusic.com online, eine Webseite auf der man sich für 99 britische Pence das Stück Songs herunterladen kann.
Bei der Konkurrenz, dem klaren Vorbild iTunes, kostet ein Stück nur 99 US-Cent, ist also unter dem Strich um einiges billiger (allerdings auch ohne Mehrwertsteuer-Anteil). Daneben ist die iTunes-Software mit Microsoft-Systemen ebenso kompatibel wie mit Macs. Bei MyCokeMusic gibt es Windows Media Files, und die können nur mit dem Mediaplayer von Microsofts Windows abgespielt werden, Mac-User müssen draußen bleiben. Immerhin lassen sich auch die bei Coca Cola gezogenen Stücke auf Audio-CDs brennen.
Musik im Deckel
Bei Pepsi hat man die Bemühungen des Konkurrenten zweifellos mit Interesse beobachtet. Jetzt hält man mit einer ganz anderen Strategie dagegen: In den USA gibt es seit dem 1. Februar Pepsiflaschen zu kaufen, in deren Deckel man Codes finden kann, die für jeweils ein kostenloses iTunes-Stück gut sind. Auf der Webseite eingegeben, gestatten die Buchstabenkombinationen den Download eines beliebigen Songs. Pepsi erhofft sich einen Image steigernden Werbeeffekt - und natürlich gesteigerte Verkaufszahlen für die Flaschen mit dem Bonusdeckel. In jedem dritten steckt ein Code, zwei Drittel der gelben Verschlusskappen sind Nieten. Hundert Millionen Songs will Pepsi insgesamt verschenken.
Die Ankündigung führte zu einiger Aufregung, besonders in den notorisch hardware-patriotischen Kreisen der Mac-Gemeinde. Auf der dem Apple-Player gewidmeten Seite iPod Garage gibt es inzwischen eine Karte, auf der Gäste Läden eintragen können, in denen sie die Flaschen mit den iTunes-Deckeln gefunden haben.
Seit einer Woche wirbt nun Jon Gales, ein findiger Mac-Benutzer, auf seiner Webseite für eine höchst simple Methode, Pepsis Lieder-Lotterie zu überlisten: Man kippe die Flasche um fünfundsechzig Grad, spähe schräg von unten in den Deckel und merke sich den dort verzeichneten Code. Falls man das Wort "again" lesen kann, hat man eine Niete erwischt und sollte zur nächsten Flasche greifen.
Nicht die erste "analog gehackte" Werbeaktion
In Hackerkreisen löste der am vergangenen Dienstag ins Netz gestellte "analog-Hack" der ansonsten bisher ungehackten iTunes-Seite große Freude aus. Slashdot.com, ein Forum für Open Source Programmierer, berichtete über den Trick - und Gales Website brach prompt unter dem Ansturm der Interessierten zusammen. Inzwischen ist die Seite wieder online.
Tatsächlich ist der Einfall, schräg unter den Deckel zu linsen, alles andere als neu. Bei einer früheren Promotion-Aktion kamen etwa amerikanische Fans der Koffeinlimonade "Mountain Dew" durch den schiefen Blick zu einem Freigetränk. Die "Sicherheitslücke" die der analog-Hack nutze, habe "schon bei früheren Soft Drink Versionen" bestanden, witzelte man auf der Hacker-Mailingliste "Bugtraq". In der iPod Garage macht man sich über den analog-Hacker gar lustig, ein Diagramm mit einer Coca Cola statt einer Pepsi Flasche zeigt, "wie man bei der iTunes-Geschenkaktion garantiert nie gewinnt".
Das letzte Pepsi-Problem mit einer Werbeaktion entstand 1999, als man in Werbespots für das Sammeln von Punkten auf Flaschenetiketten unter anderem einen Harrier-Jet auftauchen ließ. Ein gläubiger Pepsitrinker brachte 700.000 Dollar zusammen, um insgesamt 70.000 getrennt verkaufte Coupons zu erwerben. Pepsi war damals nicht bereit, ihm dafür ein Senkrechtstarter-Flugzeug zur Verfügung zu stellen - und bekam vor Gericht recht.
Als prophetisch erwies sich der Werbespot, mit dem Pepsi während des Superbowl auf die iTunes-Aktion aufmerksam machen wollte: Von der Plattenindustrie als Piraten verklagte Jugendliche traten auf, um für die Freebee-Songs zu werben. "Wir werden weiter Musik aus dem Netz laden", sagte da eine Teenagerin in die Kamera "und es gibt nichts, was irgendjemand dagegen tun könnte".
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