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15.03.2004
 

Menschenhandel

eBay stoppt Versteigerung vietnamesischer Frauen

Was kostet eine Frau, Herkunftsland Vietnam, lieferbar nach Taiwan? Mindestens 4400 Euro: Da lag der Startpreis dreier zynischer Menschenauktionen bei eBay. Am Wochenende beendete die Auktionsfirma den Zauber und übergab alle Daten den Behörden: Gegen den Menschenhändler wird ermittelt.

"Drei, zwei, eins: meins!" wirbt eBay und zeigt im bunten Reigen sehr verschiedene Menschen, die mit Leidenschaft steigern und offenbar alle fündig werden. Wie im richtigen Leben, denn tatsächlich gibt es fast nichts, was man auf den internationalen Plattformen des weltgrößten Internet-Auktionshauses nicht findet. Aus dem Anbieten und Suchen von Secondhand-Schnäppchen ist längst eine virtuelle Wirtschaft erwachsen, aus der nicht wenige Menschen in aller Welt ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Immer wieder aber kippen Auktionen auch ins Schlüpfrige ab, und eBay hat seine liebe Not, da hinterher zu kommen. Kein Wunder, sind doch allein in Deutschland zu jedem gegebenen Zeitpunkt mehrere Millionen Artikel im Angebot. Weltweit, sagt eBay, sind es an einem durchschnittlichen Tag 21 Millionen Artikel, täglich gehen drei Millionen Auktionen zu Ende, während drei Millionen neue beginnen. Das, so eine eBay-Sprecherin, könne man vollständig beim besten Willen nicht überblicken.

Also setzt eBay auf die Mithilfe der eigenen Kunden, die wirklich eine Menge anrüchiger Auktionen melden, sowie auf einen hausinternen Sicherheitsdienst, der sensible Bereiche zwar ständig, aber zwangsläufig trotzdem nur stichprobenartig überwacht.

Was erlaubt ist, hat eBay in den AGBs und in detaillierten Online-Tutorials verewigt. Im Rahmen jedes Auktionsauftrages erfolgt zudem die Bitte und Mahnung, das Angebot dahingehend zu prüfen, ob es mit den Geschäftsbedingungen vereinbar ist.

Drei vietnamesische Frauen nach Taiwan zu verkaufen fiel eindeutig nicht in diese Kategorie. Rund zehn Tage gelang es einem Anbieter, dieses menschenverachtende Angebot in den Tiefen der eBay-Taiwan-Seite zu verbergen. Dann führten Hinweise von eBay-Kunden und einer Organisation amerikanischer Taiwanesen am Wochenende zur Stornierung.

"Einen eindeutigeren Fall einer Auktion, die bei eBay nicht erlaubt ist, kann man sich kaum denken", kommentierte ein Konzernsprecher den Vorgang. eBay habe nicht nur die Auktion gestrichen und das Nutzerkonto des Anbieters storniert, sondern auch seine Daten an die Ermittlungsbehörden weitergegeben.

Zu vermeintlichen Menschenauktionen kommt es immer wieder einmal bei eBay. Die meisten dieser Fälle, versichert der Konzern, seien allerdings schlechte Scherze. Im Fall der Vietnamesinnen-Auktion gehen die Behörden allerdings nicht von einem Scherz aus: Taiwan gilt als einer der zentralen Angelpunkte im internationalen Handel mit Zwangsprostituierten.

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