Als Tonspion, Deutschlands prominentestes Angebot mit legalen kostenlosen MP3-Downloads, vor Jahresfrist zur ersten MP3-Nutzer-Befragung aufrief, beteiligten sich rund 1500 Menschen. Die Datenflut floss ein in die wissenschaftliche Studie "Die Zukunft der Musikindustrie" von Mark Friedrichsen, Daniel Gerloff, Till Grusche und Tile von Damm, deren Datenhunger damit aber längst noch nicht erschöpft ist.
Weiter soll es gehen, mit einer Anschlussbefragung, die seit einigen Tagen bei Tonspion bereitsteht. Wieder geht es um zwei zentrale Fragenkomplexe: Wie nutzen online-gewandte Musikfans Musik im Internet? Und welche Auswirkungen hat das auf das Kaufverhalten dieser Konsumenten?
Warum mitmachen?
Mit den Ergebnissen ihrer Untersuchungen wollen die Forscher der Musikindustrie Anregungen für ein "alternatives Medienmanagement für das MP3-Zeitalter" an die Hand geben - und das ist auch für P2P-Nutzer relevant. Denn so, wie es läuft, kann es nicht endlos weitergehen: Die Umsatzeinbrüche der Musikindustrie stellen die gesamte bisherige Verwertungs- und Refinanzierungskette in Frage. Ohne die aber bliebe auch den P2P-Börsen bald die Luft weg: Ohne guten Nachschub macht auch das Tauschen keine Freude.
Bisher reagiert die Industrie mit einer Strategie von Zuckerbrot und Peitsche: Noch in diesem Jahr wird auch in Deutschland die juristische Hatz auf P2P-Nutzer beginnen. Auf der anderen Seite schafft die Branche nun - nach jahrelangem Hickhack - immer mehr legale Download-Möglichkeiten. Im Rahmen der Cebit gibt sich kein geringerer als der Bundeskanzler Gerhard Schröder die Ehre, einen ersten Song von der gemeinsamen Download-Plattform der deutschen Musikindustrie Phonoline herunter zu laden.
Als Ehrengast und Banddurchschneider muss er diesen allerdings auch nicht bezahlen, denn ein Sonderangebot wird Phonoline nicht.
Da muss noch mehr geschehen, sind sich die MP3-Forscher sicher, da muss sich die Struktur der Musikindustrie selbst verändern. Das Argumentations- und Zahlenmaterial holen sie sich auch über ihre Online-Umfragen, und weil sie wissen, dass man "Onlinern" auch etwas bieten muss, gibt es kräftig was zu gewinnen: der Hauptpreis ist ein iRiver iHP100-MP3-Player im Wert von 389 Euro. Das Ausfüllen der Online-Befragung dauert etwa 10 Minuten. Die Kernergebnisse, versichert Daniel Gerloff, einer der Initiatoren der Studie, wird man in einigen Monaten auch bei SPIEGEL ONLINE lesen können.
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