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19.03.2004
 

Beamten-Versteigerung

Polizei, Politik und Playmobil

Von Marcus Franken

Die Auktion eines Playmobil-Männchens bei eBay gerät zum politischen Protest: Weil sich Polizisten in der Produktbeschreibung vom missbrauchten, unterbezahlten Beamten wiedererkannten, erfolgte der Zuschlag schließlich bei für so ein Figürchen außergewöhnlich hohen 550 Euro. Weitere Beamtenversteigerungen könnten folgen.

Zuschlag bei 550 Euro: Ein ganz normaler, unterbezahlter, geschundener, leicht lädierter Staatsbeamter
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Zuschlag bei 550 Euro: Ein ganz normaler, unterbezahlter, geschundener, leicht lädierter Staatsbeamter

Man weiß ja nie, was in einem Polizisten so vor sich geht. Zumal wenn er aus Plastik ist und nicht mehr als sieben Zentimeter misst. Doch nach der Verpflanzung aus dem Kinderspielzeug einer Frankfurter Polizisten-Familie muss der kleine Playmobil-Kerl sich schon ziemlich verloren vorgekommen sein, als er sich zwischen GSG9-Uhren, Fußfesseln und Grünen Kondomen in der Polizei-Devotionalien-Ecke bei eBay wiederfand.

Dafür durfte er einmal erleben, was Polizisten aus Haut und Knochen nie passiert: Von allen geliebt zu werden. Nach zehn Tagen, 40.000 Besuchern und 122 Geboten wurde er am Donnerstag erlöst. Zum Super-Freedom-Preis von 550 Euro.

Natürlich hatte Herr O. aus Frankfurt am Main "nie mit so einer Resonanz gerechnet", als er seinen als Witz getarnten Notruf aus der gepeinigten Seele eines Polizeibeamten losließ:

"Im Auftrag eines Freundes, der bei einer großen Landesregierung beschäftigt ist und einen Ausverkauf betreibt", lügt O. in der Angebotsbeschreibung des Playmobil-Polizisten, "bieten wir nun auch erstmals hier über eBay den ersten aus einer Reihe von kleinen Polizeibeamten an: Bei dem kleinen Kerlchen handelt es sich um einen herkömmlichen, kleinen Beamten, wie er überall zu finden ist."

Das Bild zu Auktionsnummer 3902201929 zeigt ein rührendes Playmobilgesicht mit über die Ohren gerutschtem Plastikhelm, Signalkelle und einem Funkgerät, das jedem Baseballschläger Angst machen würde. Die Ausrüstung ist veraltet. Auch das Äußere sei "leider etwas abgegriffen", meint O. und erklärt, dass der Mini-Mann "die meiste Zeit im Regen stehengelassen wurde und sich niemand findet, der ihm ein neues Outfit spendieren will oder sich sonstwie um ihn kümmert."

Und weiter: "Der kleine Beamte ist vielseitig verwendbar, extrem belastbar (ein weiteres Bild zeigt ihn unter Ziegelsteinen) und wurde bisher äußerst genügsam gehalten: Weihnachts- und Urlaubsgeld sind nicht notwendig. Man kann ihn mit kleinen Steinen, Dreck und Farbe bewerfen, beschimpfen, diffamieren oder einfach nur herumschieben. Das Obermaterial ist so beschaffen, dass fast alles an ihm abperlt."

Doch in Wahrheit rauchen Polizisten nicht nur milde Sorte, weil das Leben hart genug ist. Sie sind auch milde Sorte. Äußerlich mag manches abperlen. "Wie es innen aussieht können wir leider nicht sagen", bleibt O. in seinem Angebot noch diskret.

Polizist 3902201929: "...ins Herz geschlossen"

Doch Tausenden Polizeibeamten, Bundesgrenzschützern und Beamten des Bundeskriminalamtes ist das Herz hier so übergegangen, dass sie den Kollegen O. in über 200 E-Mails beglückwünschten: "Genauso (wie der Playmobil-Mann) fühlen sich im Moment viele von uns. Ausgenutzt, allein gelassen, schlecht ausgerüstet und überfordert."

...und belastbar ist er auch
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...und belastbar ist er auch

Ein Polizeiseelsorger bestätigt O., dass "viele KollegInnen von Ihrem Text angesprochen sind und das kleine Kerlchen ins Herz geschlossen haben." Angeblich liegt inzwischen auch Fritz Behrens, dem Innenminister von NRW, die Akte 3902201929 auf dem Tisch.

Geboten wurde wie bei einer Prominenten-Auktion. Der Preis (sonst zahlt man 16 Euro für das Playmobil SuperSet "Polizei Spurensicher" inklusive Hund, Pistole und Bankräuber) stieg schnell über 100 Euro.

Unter den Bietern war auch Stephan Hartmann aus Niederlehme bei Berlin. Hartmann vertreibt in seinem Internetshop für "Maritime Dekorations- & Geschenkartikel" normalerweise Knotentafeln, Fischernetze, Muscheln, Seesterne - eben alles, was man sich vom Ostsee-Urlaub mit nach Hause bringt. Die Geschäfte gehen so gut, dass Hartmann am Ende 550 Euro für den Playmobil-Mann bezahlt. "Ich bin Polizei-Fan", sagt Hartmann.

Den kleinen Playmobil-Polizisten will O. (der aus beamtenrechtlichen Gründen nicht mit vollem Namen genannt werden möchte) Ende März öffentlich an Stephan Hartmann überreichen. Der Erlös geht an einen "gemeinnützigen Verein mit Polizeibezug". Weitere Versteigerungen von Lehrern, Soldaten und Verwaltungsbeamten sind geplant. Ob sich der Erfolg wiederholen lässt, ist unklar.

Für einen Finanzbeamten, sagt jedenfalls Hartmann, würde er nichts bieten.

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