Wer günstig einen Schrank sucht, der zehn Jahre lang in einem Finanzamt Steuerakten ein sicheres Zuhause bot, sollte es vielleicht einmal auf zoll-auktion.de versuchen. Dahinter steht ein Betreiber, der seine Behördenherkunft nicht verleugnet: "Koordinierende Stelle Internet" des Zolls mit Sitz bei der Zoll- und Verbrauchsteuerabteilung der Oberfinanzdirektion Koblenz in Neustadt an der Weinstraße lautet der sperrige, offizielle Titel.
Der Name spricht die Verwaltung an. Immerhin 250 Behörden bundesweit von Polizei, Wasser- und Schifffahrtsämtern bis zu Finanzämtern bringen über die zoll-auktion.de ausrangierte Autos oder PCs unters Volk.
"Eine Art eBay im Kleinen für die öffentliche Hand" nennt Bundesfinanzminister Hans Eichel die Auktionsseite. Im vergangenen Jahr versteigerte der Zoll hier insgesamt 12.700 Artikel. Neben von Behörden ausgemusterten Dingen kommt noch Beschlagnahmtes und Gepfändetes unter den Hammer.
Das Portal ähnelt anderen Auktionsplattformen, seit einiger Zeit ist auch ein automatischer Bietagent mit von der Partie. "Wir haben auch schon ein Angebot von eBay bekommen, die unsere Auktionen in ihren Bereich integrieren wollten", berichtet der zuständige Sprecher Gero Heimroth. Doch der Zoll müsse eine eigene Plattform betreiben, betont er, weil für den Verkauf beschlagnahmter oder gepfändeter Artikel spezielle Vorschriften gelten. "Wir müssen eine Auktion jederzeit anhalten können, wenn ein Schuldner vielleicht doch noch bezahlt", erklärt Heimroth im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.
Heimroth ist zufrieden mit dem Geschäft auf seiner Seite: "Bisher ist noch kein einziger Artikel liegen geblieben." Je Artikel verzeichnen die Betreiber durchschnittlich 10 Gebote. Details zu den erzielten Gesamteinnahmen machte Heimroth nicht. Am umsatzstärksten dürften aber die Autos sein, immerhin wurden 2003 insgesamt 1400 an den Mann gebracht. Ob man als Käufer in einem Behörden-Pkw oder einem beschlagnahmten Auto durch die Gegend fährt, lässt sich in der Regel am beschreibenden Text erkennen.
Zurzeit lockt ein klassisch roter Ferrari mit 428 PS und fast fünf Litern Hubraum. Der Mindestpreis liegt bei 38.500 Euro. Der Sportwagen sei nach der Pfändung eines Steuersünders zum Zoll gekommen, so Heimroth. Geboten hat bislang noch niemand.
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