In der japanischen Hauptstadt gibt es seit einiger Zeit ein paar Leute mehr, die seltsame Dinge tun. Nein, es geht nicht um Männer, die getragene Unterwäsche am Automaten kaufen. Und auch nicht um Kids, die in Spielhöllen wild auf Trommeln hämmern, um den Gegner K.O. zu schlagen. Es geht um Menschen, die zielgerichtet durch die Straßenschluchten hasten und zwischendurch immer wieder ihr Mobiltelefon konsultieren.
Das Display zeigt ihnen einen vereinfachten Stadtplan und bunte Objekte, denen sie hinterher jagen. Sie spielen Mogi, ein Handyspiel, dass es seit etwa einem Jahr für die Stadt Tokio gibt. Jeder Mitspieler hat einen Namen und ein eigenes Bildchen, das im Stadtplan eingeblendet wird.
Die Übersichtskarte gibt's im Web und auf dem Handy. Ziel ist, bestimmte über die Stadt verteilte Schätze einzusammeln. Doch die Schätze sind rein virtuell, sie existieren nur in den Karten im Handydisplay oder auf der Mogi-Homepage. Sobald ein Spieler sich bis auf etwa 400 Meter einer virtuellen Sonnenblume nähert, gilt sie als eingesammelt und ändert ihre Farbe.
Weil das bloße Sammeln kaum jemand hinterm Ofen hervorlockt, veröffentlicht Mogi täglich, wöchentlich und monatlich eine Bestenliste. Jeder aufgelesene Schatz bringt Punkte. Hat man alle zehn verschiedenen Objekte einer Sammlung zusammen - etwa alle zehn Blumen, dann gibt's noch mal einen extra Bonus.
Weil es kaum möglich ist, alle Schätze einer Sammlung allein aufzustöbern, dürfen die Spieler auch untereinander tauschen oder im Team spielen. Die lauffaulen Gamer verfolgen das Gerenne des Fußvolks von zu Hause an ihrem PC. Sie können ihre Teammitglieder sogar mit kurzen Textnachrichten zu neu aufgetauchten Schätzen navigieren.
Das Spiel erfordert spezielle Handys mit einer integrierten GPS-Funktion, denn nur diese kann den Aktiven die genaue Richtung anzeigen, in die sie laufen müssen. Laufen gehört übrigens nicht unbedingt zur besten Spielstrategie. "Unsere besten Spieler in Tokyo sind die, die mit dem Auto fahren", berichtet Mathieu Castelli, der Erfinder des Handy-Games. "Sie spielen, wenn sie an einer roten Ampel stehen und bei allen anderen Stops", sagte er dem Internetmagazin Wired. Die beiden erfolgreichsten Spieler seien ein Lieferant, der Mogi-Schätze einsammelt, während er Tatami-Matten an Kunden in der Stadt ausfährt, und ein 32jähriger Lkw-Fahrer.
Kostenlos ist die Hightech-Schnitzeljagd nicht. 315 Yen - umgerechnet 2,50 Euro - kostet der Spaß monatlich. Hinzu kommen die Handykosten, für jedes empfangene und gesendete Datenpaket muss extra gezahlt werden.
Mogi gehört zu den so genannten Location based Games - eine Spielsparte, der mancher eine große Zukunft prophezeit. Die Sozialwissenschaftlerin Amy Jo Kim nannte Mogi sogar "das mobile Spiel der nächsten Generation". Grund sei die Tatsache, dass Mogi auf Sammeln und Handeln setze statt auf Kämpfen. "Es ist geschlechtsneutral und damit wirklich passend für die Zielgruppe." Das gilt übrigens auch für das klassische Quartett, nur das kann man eben nicht unterwegs allein im Auto spielen.
Holger Dambeck
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