"Höre hier den Original-Mitschnitt des 112-Notrufs. Die Schüsse, die Schreie, den Mord. Sieh die Polizeifotos, aufgenommen nach dem Mord am Tatort. Sieh, wie das Opfer in einer Blutlache liegt. ... 15 knallharte, nichts verhüllende, Original-Polizeifotos" - der Text auf der Website des verurteilten Mörders Martin K. könnte reißerischer kaum sein.
Der holländische Verbrecher, der bereits zum zweiten Mal wegen Mordes im Gefängnis sitzt, bietet auf seiner Website Texte, Fotos und Tonmitschnitte seiner Taten an. Wer einen Blick auf die teils grausamen Fotos werfen möchte, muss zahlen. Für 1,84 Euro pro Minute vermarktet Martin K., der Stotterer, wie er wegen seines Sprachfehlers in der niederländischen Presse genannt wird, seine Gewalttaten.
Viele Menschen reagierten empört, Juristen konnten das schaurige Geschäft mit den Tatfotos jedoch vorerst nicht stoppen. Die Aufnahmen stammen aus den Ermittlungsakten, auf die Verurteilte in den Niederlanden Zugriff haben.
Ein Freund erstellte die Website, auf der der Täter unverhohlen mit seinen Taten prahlt. Die Wortwahl ist bewusst primitiv. "Lies hier, wie Peter G. zusammengeschlagen wird und warum der Hausarzt ihm nicht helfen wollte, kein Taxifahrer ihn zum Krankenhaus bringen wollte und warum die Polizei mir später dankte für diese Abrechnung", heißt es etwa in der Beschreibung seines ersten Mordes - ausgeführt mit einem Barhocker.
Der zweite Mord, begangen mit einem Revolver Kaliber 38, ist auf 15 Polizeifotos dokumentiert. Die Aufnahmen zeigen das Haus von innen und außen, in dem die Tat stattfand und den Ermordeten, wie er mit dem Kopf in seiner Blutlache liegt. Der Zugriff auf die Fotos ist nur per Dialer-Programm oder Anruf bei einer 0190er Nummer möglich. Der ebenfalls angebotene Mitschnitt eines Anrufs der Freundin des Erschossenen bei der Polizei enthält nur Rauschen. Angeblich sollen darin Schreie der Frau und Schüsse zu hören sein.
Martin K. inszeniert sich als schillernder Krimineller und führt online auch ein Tagebuch, in dem er aus dem Knast berichtet. Selbst für Werbebanner ist gesorgt. Sie trommeln für einen Begleitservice, an dem Martin K. selbst beteiligt ist. Unter der Adresse vlindersescort.nl werden Prostituierte vermittelt - auf Wunsch auch an Häftlinge im Gefängnis. In den Niederlanden hat jeder Inhaftierte das Recht, ein Mal pro Monat Besuch ohne Aufsicht zu empfangen.
Die Verbrecher-Website sorgte für heftige Kontroversen in den Niederlanden. In Internetforen zeigten sich die Menschen geschockt. Der Fall ist bisher einmalig. Anwälte prüfen, ob die Aktion überhaupt legal ist. Piet Straub, ein ehemaliger Polizist, sah zunächst wenig Chancen, gegen die Website vorzugehen. "Wenn es die Ermittlungsakten von jemand anders gewesen wären, dann wäre es strafbar." Nur wenn der Mörder die Seite hinter Gittern auf einem Gefängnis-Computer erstellt hätte, gebe es eine Handhabe gegen ihn. Möglicherweise können nur die Angehörigen des Ermordeten das Geschäft mit den Polizeifotos stoppen.
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