Die Daumen fliegen über die Tasten, tippen, vibrieren fast, sehen aus, als erlitten sie eine Art kontrollierten Spasmus. Die Besitzer der Daumen dagegen wirken konzentriert, aber auf relaxte Art und Weise: Ganz offensichtlich gehört das SMS'en für sie - ähnlich wie Atmen oder Laufen - zu den ganz normalen körperlichen Verrichtungen, über die sie nicht groß nachdenken müssen. Die meisten sind junge Schnösel, die sich für die Kameras in ihre besten Hawaihemden geworfen haben. Und Kameras gibt es satt vor Ort, denn es geht um einen Weltrekord.
Tatort und -zeit: Singapur am Sonntag. Die Finalisten aus einem Feld von ursprünglich 180 Teilnehmern, die Singapurs Telefongesellschaft SingTel für die dortige SMS-Meisterschaft zusammen gebracht hat, sitzen bereit, ihre Sportgeräte in den Händen. Die Konkurrenz ist hart, viele der anwesenden Tipper gehören zu den versiertesten SMS-Schreibern der Welt. Gleich mehrere sollten am Ende den bis Sonntag bestehenden Weltrekord von bisher 67 Sekunden für die 160 Zeichen lange Standard-Wettkampf-SMS einstellen.
Und die geht so: "The razor-toothed piranhas of the genera Serrasalmus and Pygocentrus are the most ferocious freshwater fish in the world. In reality they seldom attack a human."
Das ist interessant, das weiß man ja nicht so einfach: Piranhas haben durch zahlreiche Hollywood-Trashfilme ja ein dermaßen mieses Image.
So ähnlich wie SMS'er, die den tippunwilligen Handybesitzer immer wieder zu irgendwelchen Antworten auf irgendwelche doofen Nachrichten nötigen ("Ich sitze jetzt im Bus, wann bist du da?"). Für die 23-jährige Studentin Kimberly Yeo hat es sich allerdings ausgezahlt, ihre Umwelt immer fleißig zugetextet zu haben: Stetes Training machte ihre Daumen zu den schnellsten der Welt.
Sie tippte am Sonntag den Wettkampfsatz in sensationellen 43,24 Sekunden und gewann rund 12.000 Euro. Ihr ärgster Konkurrent, Ashley Tan, blieb ihr hart auf den Knöcheln und brauchte nur zwei Zehntelsekunden länger. Der Kampf in der Weltspitze der Daumensportler bleibt also spannend, die aktuellen Weltranglistennotierungen sind dem jeweils aktuellen Guiness-Buch der Rekorde zu entnehmen.
Genau da möchte auch der Australier James Trusler, der bisherige Weltrekordhalter, bald wieder stehen. Gegenüber dem "Guardian" zeigte er sich geschockt, dass sein Weltrekord dermaßen deutlich eingestellt wurde. Jetzt werde er das Training aufnehmen, um die Weltspitze zurück zu erobern.
Kein Wunder, hängt für Trusler doch eine Menge ab vom Titel: Zwar ist er immer noch Amateur, doch hat ihm der Weltmeister-Titel schon erheblichen Ruhm eingebracht. Im WWW präsentiert er sich inzwischen sogar mit einer eigenen SMS-Trainings-Software.
Da hört der Spaß natürlich auf, da will man den wichtigen Titel natürlich zurück haben. Allerdings, merkte er an und lieferte damit eine Erklärung für die Sensation von Singapur, tippe man im Warmen deutlich schneller. Wenn er also seinen nächsten Rekordversuch unternähme, was wahrscheinlich in Großbritannien stattfinden werde, dann bestehe er auf einem beheizten Wettkampfraum. Das ist bestimmt kein Problem, und die ganze Englisch sprechende Welt drückt Trasler die Daumen.
Frank Patalong
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