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Love Parade Urban Jungle Pack und virtueller Raver

Die Love Parade kommt in die Jahre. Da wollen doch zumindest die Medien auf dem neuesten Stand bleiben: Zwei Unternehmen schicken Cyberreporter mit hochmoderner Technik ins Gedränge.

Urban Jungle Pack Headset

Urban Jungle Pack Headset

Berlin - Im Gewirr der skurrilen Gestalten auf der diesjährigen Love Parade werden die beiden Neulinge kaum auffallen - trotz verkabelter Kamera auf dem Kopf und antennengespicktem Rucksack auf dem Rücken. Gleich zwei Cyberreporter eines Radiosenders und einer Elektronikfirma werden am Wochenende in Berlin versuchen, live Bilder, Töne und Texte vom Ort des Technospektakels direkt ins Internet einzuspeisen. Zahlreiche Medien, Computer-Firmen oder Sender haben daneben umfangreiche Internetseiten erstellt, um die Techno- Jünger vorab zu informieren, und die Daheimgebliebenen zu trösten. Im elften Jahr wird die Love Parade unaufhaltsam multimedial.

Mobile Online-Reporter zählen zu den Visionen in der Medienwelt, und die Love Parade ist ein ideales Testfeld dafür. "Urban Jungle Pack" heißt das zehn Kilo schwere Ding, mit dem der Jugendsender Radio Fritz an den Start geht. Der Reporter trägt eine mit Kamera und Minibildschirm ausgestattete Datenbrille, die mit Computer und Videorekorder im Rucksack verdrahtet ist. Mobilfunktechnik sorgt in dem von der Berliner Firma Art+Com entwickelten Gerät für die Datenübertragung, ein schwerer Akkugürtel für mehrstündige Kommunikationsbereitschaft. So bepackt will Moderator Holger Klein Interviews führen, Bilder senden und E-Mails beantworten.

Mit dem Urban Jungle Pack unterwegs

Mit dem Urban Jungle Pack unterwegs

Der Clou: Per Satellitennavigation kann man auf einer Karte im Internet verfolgen, wo sich der Reporter aufhält. "Für uns ist es ein Experiment, wir wissen nicht, wie es funktionieren wird", schraubt Lutz Schramm, Multimedia-Redakteur bei Fritz, die Erwartungen etwas herunter. Die Erfahrungen sind dennoch wertvoll: "Einer von vielen Fritz-Reportern könnte künftig so aussehen", sagt Schramm. Das sei beispielsweise sinnvoll bei Geschichten, bei denen Nähe und Interaktivität vermittelt werden müsse.

Auch die Elektronikfirma Conrad schickt einen "virtuellen Raver" ins Rennen, allerdings nur zum Filmen. Der Kameramann trägt die Webcam auf der Schulter, den Rest ebenfalls im Rucksack. Der Unterschied: Die Übertragung erfolgt durch schnelle Funktechnik. Damit können bessere Bilder übermittelt werden als es die Mobiltelefon-Technik des Fritz-Reporters erlaubt. Alle zehn Sekunden erscheint auf der Internetseite www.love.conrad.de ein neues Bild. Eine zweite, auf einem Truck installierte Kamera liefert weitere Bilder. Der passende Sound erklingt auf der Seite mit Hilfe der verbreiteten RealAudio-Technologie von Real Networks. Die Entwicklerfirma des "virtuellen Ravers" AME (Aigner Media + Entertainment) fühlt sich gut gerüstet: "Wir erwarten einen enormen Zugriff, vor allem aus dem Ausland", sagte Geschäftsführer Thomas Aigner.

Radio Fritz überträgt das Ereignis ebenfalls live per RealAudio in die heimischen Computer, ebenso die offizielle Internetseite der Love Parade. Dazu gibt es auf vielen Internetseiten Informationen zu Streckenführung, An- und Abreise, Zimmervermittlungen und sogar zu örtlichen Drogenberatungen. "Das Internet ist bestens geeignet, all denen einen Eindruck zu vermitteln, die nicht teilnehmen können: Teenagern, die nicht dürfen, oder Ältere, die sich nicht trauen", sagt Lutz Schramm. Doch eines bleibt: Wer den satten Sound liebt, muß hingehen.

(Kleine Anmerkung der Redaktion: SPIEGEL ONLINE übertrug schon letztes Jahr Live-Bilder von der Love Parade ins Internet...)

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