US-Parlamentarier in Washington arbeiten gerade an Gesetzen, die Peer-to-Peer-Netzwerken den Garaus bereiten sollen. Ihnen geht es dabei vor allem darum, das Tauschen von Filmen, Musik und Software zu stoppen.
Doch mancher Politiker bekommt nun möglicherweise weiteres Futter, um gegen KaZaa und Co vorzugehen. Thad Anderson, ein Jurastudent aus Queens im Bundesstaat New York, nutzt die Tauschbörsen nämlich nun auch, um brisante Regierungsdokumente über die Folterungen im Bagdader Gefängnis Abu Ghureib oder die Geschäfte der umstrittenen US-Firma Halliburton unters Volk zu bringen. Halliburton wurde von der amerikanischen Regierung mit dem Wiederaufbau der Ölindustrie im Irak beauftragt - ganz ohne eine sonst übliche Ausschreibung.
"Download For Democracy" nennt Anderson sein Konzept. "P2P-Tauschbörsen haben ihr politisches Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft, solange sie keinen signifikanten Einfluss auf das Land oder Wahlen haben", schreibt der Netzaktivist auf seiner Website.
Die ehrenamtlich betriebene Seite hält derzeit PDF-Dateien von mehr als 600 Regierungsdokumenten bereit. Diese stammen entweder von staatlichen Servern oder von politischen Initiativen, die sorgsam zusammengetragene und ihnen zugespielte Dateien im Web anbieten.
Als Beispiel für den großen Nutzen von P2P-Börsen nennt Anderson die Dokumente der von Vizepräsident Dick Cheney geleiteten "Energy Task Force". Präsident George W. Bush hatte die Energiekommission 2001 ins Leben gerufen, um Leitlinien für eine nationale Energiepolitik entwickeln zu lassen. Die in Auszügen veröffentlichten Dokumente enthüllen, wer wirklich an dem Energiekonzept schrieb: US-Energiekonzerne, deren Positionspapiere teilweise wortwörtlich übernommen wurden.
Anderson brauchte vier Stunden und geschätzte 2000 Klicks, um sämtliche bei der Umweltschutzorganisation "Natural Resources Defense Council" gespeicherten PDFs herunterzuladen. Bei Tauschbörsen wie KaZaa oder Limewire genügt nun der Suchbegriff "outragedmoderates.org", um die zusammengetragenen Dateien auf einen Schlag auf den eigenen Rechner zu kopieren.
Politisch sieht sich Anderson zwar eher auf der Seite der Demokraten. Er legt jedoch Wert darauf, unabhängig zu sein, wie es auch der Name seiner Website ausdrückt. "Outraged Moderate" heißt so viel wie aufgebrachter Unabhängiger. Den Grund seines Aufgebrachtseins benennt der Jurastudent ohne Umschweife: "Bushs Politik widerspricht allem, was ich darüber gelernt habe, wie Amerika sein sollte."
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