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Aus dem Archiv geholt Surfen wie 1996

2. Teil: Im zweiten Teil: Mehr über die Inhalte der frühen SPON-Versionen. Vom sondierenden Experiment zur professionellen "Online-Tageszeitung". Weiter...

Auch wenn man das heute kaum glauben mag, galt SPIEGEL ONLINE in dieser Form damals als wegweisend und prägte gestalterisch wie inhaltlich zahlreiche Medienangebote im Web. Das Angebot umfasste Artikel aus dem SPIEGEL, aber auch immer mehr exklusiv "für Online" produzierte Inhalte.

Startseite von 1996: "Nicht jeder, der überholt, kommt besser ans Ziel"
SPIEGEL ONLINE

Startseite von 1996: "Nicht jeder, der überholt, kommt besser ans Ziel"

Neben Artikeln waren dies nicht zuletzt Serviceangebote wie das über Jahre hoch populäre Medien-Linkverzeichnis (wirklich nützlich auch in Bezug auf deutsche Web-Adressen wurden Yahoo und Altavista ja erst im Laufe der Jahre 1996/1997) sowie diverse Experimente mit einfach strukturierten Datenbanken. Für eine kurze Weile verheizte die Redaktion ihre wertvolle Arbeitskraft an Fleißaufgaben wie Politik- oder Kultur-Terminkalendern, weil man das WWW zwischenzeitlich und irrtümlich vor allem für ein Servicemedium hielt. Doch wie vielen SPON-Lesern brachte es etwas, vorab davon zu erfahren, dass es im Innenministerium um 11 Uhr eine Pressekonferenz geben würde? Ein Irrweg auf der Suche nach dem richtigen Profil. Dabei war eigentlich naheliegend, worauf sich SPIEGEL ONLINE konzentrieren musste: Nachrichten und ihre Hinterfragung.

Mit dem Jahreswechsel 96/97 ging dann ein Slogan um die Welt, der selbst hartnäckige Schläfer weckte: "Content is King!" Das WWW war dabei, von einer freien Publikations-Plattform für jedermann auch zum Vertriebsmedium und zur Vermarktungsplattform für mediale Inhalte zu werden. Und zum heißesten Nachrichtenmedium.

All das, sagt Gründungs-Chefredakteur Foerster heute, war im ersten Relaunch von "SPON" bereits in seinen Grundzügen angelegt.

Das Angebot bemühte sich, mit einer - aus heutiger Sicht umständlichen - Seitennavigation Ordnung zu schaffen. Neben die "Zweitverwertung" von Inhalten des gedruckten SPIEGEL traten zunehmend exklusive Online-Inhalte, die sich langsam thematisch wie stilistisch vom gedruckten SPIEGEL entfernten. Das in der Navigation darzustellen, war gar nicht so leicht: Es entstand die "Online-World", aus der später die "Netzwelt" werden sollte - das erste SPIEGEL-ONLINE-eigene Ressort.

Der Seitenaufbau sah Werbung vor, und tatsächlich lief der Verkauf viel versprechend an. "An Online-Anzeigen gab es '96 bislang 175 Buchungen und 70 Reservierungen", berichtete das Branchenblatt "kress report" im März 1996, "alles Werbung mit Sprungstellen zum Internet-Angebot der Werbekunden."

Getrieben von Nachrichten: Page-Impressions bei SPIEGEL ONLINE von März 1995 bis Juli 2004
SPIEGEL ONLINE

Getrieben von Nachrichten: Page-Impressions bei SPIEGEL ONLINE von März 1995 bis Juli 2004

Ja, das zog: Mit "Sprungstellen" ließen sich Werbekunden beeindrucken! Aber für die hatte SPIEGEL ONLINE ja noch mehr zu bieten: Aus dem Stand war es gelungen, mit dem neuen, für kommerzielle Nutzungen aufgebohrten Angebot direkt an die Pole Position unter Deutschlands wenigen Online-Publishern zu stürmen. Das Geheimnis des SPON-Erfolges? Niemand hatte mehr Leser.

Im März 1996 meldete der SPIEGEL eine erste Bilanz aus zwei Jahren Online-Experimenten. So steigerte sich die Zahl der monatlichen "Visits" von Lesern von 52.000 im Januar 1995 auf beeindruckende 213.000 im Februar 1996. Und weil jeder Leser im reichhaltigen Angebot stöberte, ergab sich daraus eine wiederum höhere Zahl von Seitenaufrufen. Bei Beginn der Zählung im März 1995 waren dies 174.000 "Klicks" oder später "logs", im Februar 1996 aber schon 807.000.

Auch in solchen Zahlen spiegelt sich die Geschichte des Webs, des Online-Publishing und des SPIEGEL im WWW. Im Juli 2004 zählte SPIEGEL ONLINE rund 39 Millionen Visits und 200 Millionen Seitenaufrufe. Vor zehn Jahren unvorstellbare Zahlen.

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