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30.08.2004
 

US-Wahlkampf

Bushs Spam-Maschine

US-Präsident George W. Bush ruft seine Anhänger dazu auf, die Chefredaktionen amerikanischer Zeitungen mit regierungsfreundlichen E-Mails einzudecken. Als Hilfsmittel bietet Bushs Website einen Leserbriefgenerator, der in Sekundenschnelle wirtschaftspolitische Grundsatzreden zusammenstoppelt.

Leserbriefe wie dieser dürften zurzeit en masse in US-Redaktionen eintreffen:

Sehr verehrter Herr Chefredakteur!

Neue Arbeitsmarktzahlen sowie weitere volkswirtschaftliche Daten der vergangenen Monate zeigen, dass Amerikas Wirtschaft stark ist und noch stärker wird - und dass der Job- und Wachstumsplan des Präsidenten funktioniert. Nach Angaben des Arbeitsministeriums wurden im April 288.000 neue Stellen geschaffen. Insgesamt entstanden seit August 1,1 Millionen neue Jobs, mit Stellenzuwächsen in acht aufeinander folgenden Monaten. Amerika hat die Wahl: Die Wirtschaft kann weiter wachsen und dank der Politik des Präsidenten neue Jobs schaffen; oder wir können die Steuerlast amerikanischer Familien und mittelständischer Unternehmen erhöhen, die wirtschaftliche Erholung gefährden ..."

Webseite von George W. Bush: Phrasen dreschen leicht gemacht
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Webseite von George W. Bush: Phrasen dreschen leicht gemacht

Und so weiter. An sich sind politische Leserbriefe in Wahlkampfzeiten nichts Ungewöhnliches. Auch ist es durchaus üblich, dass Parteien oder Interessengruppen ihren Anhängern Musterbriefe zu Verfügung stellen, die der aktive Leser dann nur noch ausdrucken und abschicken muss.

Die Kampagnenmanager des amtieren Präsidenten haben dieses Werkzeug politischer Meinungsmache nun allerdings weiter verfeinert. Auf der Webseite der Bush/Cheney '04-Kampagne können mit der Berichterstattung ihrer örtlichen Zeitung Unzufriedene per Knopfdruck einen Brief aufsetzen, der die Vorzüge der Bush'schen Wirtschaftspolitik ausgiebig würdigt. Der Phrasengenerator bietet fünf verschiedene Textbausteine, die sich beliebig kombinieren lassen: Zur Arbeitsmarktpolitik, zu den gefährlichen Plänen John Kerrys, zur Qualifizierungsoffensive für Arbeitnehmer sowie zum Sechs-Punkte-Plan des Präsidenten.

Republikanern, die den Chefredakteur des örtlichen Blattes nicht kennen oder schon länger keine Zeitung mehr gelesen haben, hilft der Leserbriefgenerator ebenfalls weiter. Durch Eingabe der Postleitzahl gelangt man zu einer Auswahlseite, die alle relevanten Publikationen auflistet. Wer zum Beispiel einen zip code der Lower East Side in New York eingibt, bekommt eine Liste mit Zeitungen, die eine große Verbreitung aufweisen ("Wall Street Journal", New York Times", "Daily News" etc.) sowie eine Auswahl lokaler Publikationen (etwa "Village Voice", "Jewish Week" oder "Catholic New York"). Die Redaktionen, die den Leserbrief erhalten sollen, lassen sich per Mausklick einfach auswählen.

Wer lieber selber ein paar Zeilen schreibt, dem bietet www.georgewbush.com einige Schreibtipps. "Kommen Sie schnell auf den Punkt" steht da, oder auch "Bleiben Sie bei einem Thema". Vielleicht hätten die Autoren der vorgefertigten Wirtschaftsschnipsel diese Ratschläge selber beherzigen sollen.

Thomas Hillenbrand

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