Herr Burke, wie kommt man auf die Idee, sich 150 Service-Packs schicken zu lassen?
Burke: Es begann damit, dass ich am Ende meiner Bestellung versehentlich den Zurück-Button anklickte. Nur um heraus zu finden, was passieren würde, klickte ich auf "Reload" und wies Internet Explorer an, das Formular erneut zu laden - und zu meiner Überraschung funktionierte das. Meine Bestellung bekam eine neue Bestellnummer zugewiesen. Da ich früher bei Kingston ComputerPlanet gearbeitet hatte, kam ich auf die Idee, denen eine nette Anzahl von SP2-CDs zukommen zu lassen. Als Werbemaßnahme für den Laden dachte ich, weil es bestimmt viele Menschen gibt, die den SP2 gerne installieren würden, aber den Riesen-Download scheuen und auch keine Lust darauf haben, wochenlang auf eine bestellte CD zu warten.
SPIEGEL ONLINE: Hat Microsoft irgendwie auf Ihre Aktion reagiert?
Burke: In keiner Weise. Ich habe nichts von denen gehört. Ich habe allerdings in deren Versandcenter angerufen und gefragt, ob die mir 1000 SP2-CD-Roms auf einen Schwung in einem Karton zuschicken könnten, statt die Dinger alle einzeln zu liefern. Die Sachbearbeiterin sagte, dass sie nicht glaube, dass so etwas möglich sei. Sie wolle das aber gerne mit ihrem Vorgesetzten bereden und gleich zurückrufen. Ich habe nie wieder von ihr gehört.
SPIEGEL ONLINE: Ihre Geschichte machte zuerst Anfang September die Runde, erst nur lokal, Ende September dann plötzlich rund um die Welt. Am Ende nahm der Serviceprovider das Forum, in dem sie diskutiert wurde, vom Netz.
Burke: Ja, das alles begann eigentlich mit den Bildern. Die hatte ich auf einem anderen Webserver gespeichert. Eines Tages bekomme ich eine E-Mail vom Net-Administrator dieser Firma, der mich darüber informierte, dass ihre Server zu der Zeit von einer starken Überlast betroffen seien, die auch die Dienste für andere Kunden beeinträchtige. Der Grund dafür seien massenhafte Zugriffe auf diese Fotos. Kaum überraschend nahmen sie die Bilder vom Web, um das Problem zu lösen. Also verschob ich sie zu einem anderen Serviceprovider, von dem ich dachte, dass der mit hohen Serverlasten wohl besser zurechtkommen würde. Ich wollte ja, dass die Leute im Forum die Bilder weiter sehen könnten. Dass der Provider in der letzten Woche gleich das ganze Forum vom Web nahm, ist mir erst durch ihre Nachfrage aufgefallen.
SPIEGEL ONLINE: Was machen Sie jetzt mit Ihren ganzen Service Packs?
Burke: Zwanzig davon habe ich behalten, um sie an Freunde und meine Kunden zu verteilen, den Rest habe ich Kingston ComputerPlanet überlassen.
SPIEGEL ONLINE: Andere scheinen Ihre Idee aufgenommen zu haben. Wissen Sie von Leuten, die sich den SP2 gleich massenweise bestellt haben?
Burke: Am Tag, bevor das Forum vom Netz genommen wurde, habe ich von einigen Leuten gelesen, die bis zu 30 Stück für sich bestellt hatten.
SPIEGEL ONLINE: Im Raum steht noch immer ihre launige Ankündigung, mit 3000 SP2-Zusendungen einen Rekord aufstellen zu wollen. Wollen Sie das immer noch durchziehen?
Burke: Ich denke nicht. Als ich die 150 zugestellt bekam, musste der arme Zusteller die Barcodes auf jedem Umschlag einzeln manuell einscannen und quittieren lassen. Den Mann will ich nicht damit bestrafen, dass er 3000 einscannen muss.
SPIEGEL ONLINE: Haben Sie keine Angst, dass Microsoft etwas gegen Sie oder solche Aktionen unternehmen könnte?
Burke: Das Online-Bestellsystem von Microsoft schränkt die Zahl der Service-Packs, die man bestellen kann, auf ein SP2-Paket pro Bestellvorgang mit kostenloser Zustellung ein. Aber nichts, was ich da gesehen oder gelesen habe, deutet darauf hin, dass es eine Obergrenze gäbe für die Zahl der Bestellungen, die man aufgibt. Also gehe ich mal davon aus, dass es nichts gibt, was verhindern könnte, dass jemand anderes dasselbe versucht wie ich.
Die Fragen stellte Frank Patalong
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