Die irische Gruppe U2 ist noch immer eine der erfolgreichsten Bands der Welt. Ende Oktober erscheint mit "How to Dismantle an Atomic Bomb" ihr erstes echtes neues Album seit vier Jahren - in der Zwischenzeit gab es nur Best-of-Veröffentlichungen. Universal, die Plattenfirma der Band, rührt die PR-Trommel entsprechend laut: die Industrie braucht große Seller.
Einige Aufmerksamkeit bei den Fans dürfte da ein Merchandizing-Artikel der edleren Art ernten: die Veröffentlichung des Albums auf einem speziellen "U2-iPod".
Branchenanalysten sehen darin ein "Signal". Gemeint ist die "Unterstützung" des Prinzips Download, trotz aller Apple-iTunes-Erfolge noch immer eine Mini-Nische im Musikmarkt. Immerhin können die Download-Charts für Einzelsongs mittlerweile zahlenmäßig mit dem Singleverkauf konkurrieren. Das aber sagt vielleicht mehr darüber aus, wie rückläufig deren Verkaufszahlen noch immer sind: In Deutschland reicht es seit langem, wenige Hundert Alben oder Singles pro Woche zu verkaufen, um sich in den Charts zu plazieren.
Kein Wunder also, dass die Industrie nach immer neuen Vertriebswegen sucht. Naheliegend ist die Vermarktung von Musik auf diversen Speichermedien, denn auch die werden immer billiger.
In Deutschland warb vor kurzem die schwäbische Punkband Wizo mit einer Albumveröffentlichung auf einem billigen USB-Stick. In einer Musik-Warenwelt, in der sich das Produkt auf eine stets lösch- und kopierbare Datei reduziert, ist das nahe liegend. In der Branche wird seit langem über das hausgemachte Problem geklagt, die eigene Ware so "entwertet" zu haben. Fieberhaft sucht die Industrie darum nach Wegen, der Ware Musik neuen Sexappeal zu verleihen - warum nicht, indem man sie an innovative Technik bindet?
Auch U2 und Apple gehen so einen Weg, mit einem in diesem Fall weit höherwertigen Trägermedium. Apple will die Aktion noch nicht kommentieren, hatte dagegen augenscheinlich gehofft, den PR-Stunt bis zum 26. Oktober unter der Decke halten zu können. Am Dienstag nächster Woche will Apple-Chef Steve Jobs zusammen mit dem U2-Sänger Bono und Gitarist The Edge vor die Presse treten und die Sonderedition vorstellen.
Musik für unterwegs
Neue Wege geht auch EMI und hat sich dafür das neue Greatest-Hits-Album des Engländers Robbie Williams gewählt. Das wird nicht nur auf CD erscheinen, sondern als erstes Album weltweit auch auf einer Memory Card.
Die lässt sich sowohl mit diversen Laptops und Computern lesen und abspielen, als auch mit einigen MP3-fähigen Handys und anderen mobilen Geräten. Danny Van Emden von EMI Media sieht darin den "nächsten logischen Schritt": "Das Handy ist das eine Gerät, von dem wir wissen, dass die Fans unseres Künstlers es immer dabei haben."
Folglich sei die Memory-Card-Veröffentlichung auch mehr als nur ein Werbegag. Das glaubt auch Kevin Gillan vom britischen Carphone Warehouse, über das die Karten vermarktet werden sollen: "Wir halten mit Musik vorbespielte Memory Cards für den nächsten Schritt, den generellen Hunger der Konsumenten nach mobilem Content zu befriedigen." Zu deutsch: Es gäbe eine Nachfrage nach Musik auf kleinen, wiederbespielbaren Datenträgern.
Das ist mit Sicherheit auch eine Frage des Preises. Im IT-Markt ist es längst so, dass Hardware über Dienstleistung oder Software verkauft wird: An das 0-Euro-Handy hat man sich längst gewöhnt, und PCs oder DVD-Player als Beigabe zu diversen Produkten sind auch keine Seltenheit. Im Extremfall gibt es zum Handy noch ein Mountainbike - oder nun bald Musik nach Wahl?
Die Williams-Memory-Card geht im November für rund 30 englische Pfund in den Handel, was selbst gemessen an den überteuerten britischen CD-Preisen deutlich teurer ist als der Kauf eines Albums auf CD. Das aber mag sich mit weiter fallenden Preisen für Speichermedien ändern: In naher Zukunft mag es eine reine Frage des Blickwinkels sein, ob man gerade ein Pop-Album auf digitalem Trägermedium ersteht, oder sich ein von der Musikindustrie querfinanziertes billiges Speichermedium kauft, auf dem sich eben auch Musik befindet.
Frank Patalong
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