Im Blödelfilm "Coneheads" (1993) macht der psychopathische Einwanderungsbehörden-Beamte Gorman Seedling Karriere, weil er auf die "geniale" Idee kommt, illegal eingewanderte Mexikaner mit explosiven Implantaten unter der Haut wieder über die Grenze zu schicken. Kommen sie zurück, gehen sie in Flammen auf - was die Kosten der Überwachung, Verfolgung und Abschiebung auf die reinen Endsorgungskosten reduziert und zugleich "die anderen", die den Grenzübertritt noch nicht versucht haben, abschreckt. Aus seiner Sicht ist das Problem damit gelöst.
Mit einer solchen Idee wäre der Mann reif für einen BigBrotherAward: Den vergibt in Deutschland der Bielefelder Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs FoeBuD zusammen mit dem Chaos Computer Club (CCC), der Deutschen Vereinigung für Datenschutz (DVD), der Humanistischen Union (HU), dem Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FifF), dem Förderverein Informationstechnik und Gesellschaft (FITUG) sowie der Internationalen Liga für Menschenrechte.
Alljährlich hinterfragen sie heimliche wie hoch offizielle Projekte danach, wie nah wir der Welt der Big Brothers schon gekommen sind, in der "gute" Ideen zur Überwachung und Ausforschung ohne moralische Bedenken und Rücksicht auf Rechtslage oder die beobachteten Menschen umgesetzt werden. Am Ende steht die Auszeichnung von "Daten-Kraken" in acht Kategorien - und mitunter finden sich darunter Fälle, die dem Seedling-Wahnsinn schon ziemlich nahe kommen.
Ärgern darf sich in diesem Jahr beispielsweise die Lidl Stiftung & Co. KG in der Kategorie "Arbeitswelt". Daran, mit Videokameras dauerüberwacht zu werden, haben sich Mitarbeiter vieler Firmen mittlerweile gewöhnt. Doch das Konzept "gugg mal, ob da einer lacht oder gerade gar nichts macht" ist ja längst nicht ausgereizt.
Lidl, behaupten die Organisatoren des Preises, habe sich da mit besonders pfiffigen Ideen hervorgetan: Angebliche, gegen das Arbeitsrecht verstoßende heimliche Videoüberwachungen in deutschen Filialen sind dabei weit weniger originell, als die pragmatische Lösung für das Menstruationsproblem bei tschechischen Mitarbeiterinnen.
Lidls Angestellten in Tschechien stünden genau definierte Pausenzeiten zu, erklärte Laudatorin Rena Tangens am Freitag in Bielefeld, Toilettengänge außerhalb der Pausen seien nicht vorgesehen. Dieser starre Rythmus aber widerspräche ganz offensichtlich den körperlichen Bedürfnissen weiblicher Angestellter zur Zeit der Regelblutung.
Ein Problem, das für Lidl in Tschechien anscheinend leicht zu lösen war: Menstruierende Kassiererinnen wurden einfach mit einem Stirnband gekennzeichnet und erlangten so das Recht, auch zwischen den offiziellen Pausenzeiten die Toilette aufsuchen zu dürfen. Eine preiswürdige Idee, fanden die Organisatoren des BigBrotherAwards - auch, wenn Lidl die Praxis inzwischen aufgab, nachdem die "Stirnband-Lösung" beim so genannten "Sozialen Dialog" der EU in Brüssel zur Sprache gebracht worden war.
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