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BigBrotherAward Ausgezeichnete Schnüffler

2. Teil: Im zweiten Teil: Alle Preisträger im Kurzüberblick. Weiter...

Überblick: Die Preisträger 2004

Neben solchen erschreckenden Fällen zeichnen die BB-Awards auch immer wieder die Indiskretion im Detail aus: Viele kleine Verletzungen der Privatsphäre kommen auf leisen Füßen daher, werden kaum wahrgenommen, werden nach anfänglicher Irritation ignoriert und akzeptiert.

Das gilt vor allem für solche, die gleich als Gesetz daher kommen.

Ulla Schmidt: Datenschutzfreundliche Technik "nicht berücksichtigt"?
DDP

Ulla Schmidt: Datenschutzfreundliche Technik "nicht berücksichtigt"?

"Gewinnerin" des BigBrotherAwards in der Kategorie "Gesundheit und Soziales" ist in diesem Jahr Ministerin Ulla Schmidt. Ihr Ministerium habe mit dem GKV-Modernisierungsgesetz ("Gesundheitskarte") für eine massive "Verschlechterung des Datenschutzes für die Patienten" gesorgt. Laudator Werner Hülsmann in seiner Rede: "Diese datenschutzrechtlichen Risiken hätten durch die Verwendung moderner und datenschutzfreundlicher Technik einschließlich der Pseudonymisierung vermieden werden können. Diese Möglichkeiten sind von ihr nicht berücksichtigt worden."

Einen gedankenlosen Umgang mit Überwachungstechnik warfen die Organisatoren auch dem Rektor der Uni Paderborn, Nikolaus Risch, als Preisträger in der Kategorie "Regionales" vor. Mit Videoüberwachung in Computerräumen und Hörsälen einen Schutz vor Diebstählen erreichen zu wollen, sei ein "Irrtum": "Dafür gibt es Schlösser, Seile, Metallbügel. Videokameras sind teuer und passiv. Sie zeichnen nur auf und diese Aufzeichnungen können eventuell nach getaner Tat als Beweismaterial verwendet werden."

Zugleich aber bedeuteten sie eine ständige Verletzung der Privatsphäre und trügen das Risiko des Missbrauchs. Der Bielefelder Netzkünstler padeluun in seiner Laudatio: "Welcher Student möchte sich schon in der Nase popelnd bei einem Privatsender in 'Die dümmsten Studierenden der Welt' wieder finden?"

Adressverkäufer, Panikmacher, heimliche Schnüffler

Der Tchibo direct GmbH werfen die Organisatoren in der Kategorie "Verbraucherschutz" vor, gegen die eigenen Beteuerungen, persönliche Daten von Kunden vertraulich zu behandeln, zu verstoßen. Alvar Freude in seiner Laudatio: "Tatsächlich aber werden angereicherte Adressen der Tchibo-direct-Kundinnen und -Kunden über die Arvarto / AZ direct auf dem Adressenmarkt angeboten."

Dass die Bundesagentur für Arbeit für ihre Hartz IV-Fragebögen in der Kategorie "Behörden und Verwaltung" ausgezeichnet werden würde, hätte man sich denken können: "inquisitorisch" seien die, zudem solle die datenschutzrechtliche Überarbeitung trotz Kritik nicht vor 2005 erfolgen.

In der Kategorie "Technik" wird sich die Firma Canon wohl eher nicht über den Preis ärgern, lenkt er doch die Aufmerksamkeit auf eine Technologie, die sich gegenüber Sicherheitsbehörden als echtes Bonbon verkaufen lässt: Canon habe ein Verfahren entwickelt, jede Kopie aus einem Farbkopierer mit einem individuellen, mit dem bloßen Auge nicht sichtbaren "Wasserzeichen" zu versehen.

Laudator Frank Rosengart: "Leider hat Canon vergessen, einen entsprechenden Hinweis auf den Geräten anzubringen. Der Kunde wird über diese Datenspur auf der Kopie nicht informiert - nicht einmal der Käufer des Gerätes. Auch in der Anleitung für den Benutzer befindet sich kein Hinweis darauf. Deshalb will die BigBrotherAward-Jury mit diesem Technik-Award darauf öffentlich aufmerksam machen. Denn was in Sachen Canon auf teure und damit seltene Farbkopierer beschränkt ist, tritt gerade seinen Weg in die Wohnzimmer an: Die 'Süddeutsche Zeitung' von gestern, 28. Oktober, meldet, dass im November in den USA auch für handelsübliche Laserdrucker im Privatkundenbereich Verfahren vorgestellt werden, die jedem Gerät individuell zurückverfolgbare Druck-Merkmale zuweisen."

Zypries: Ausgezeichnet wegen Nicht-Reagierens

In der Kategorie "Kommunikation" geht der Preis in diesem Jahr an das Unternehmen Armex und sein Kinderortungssystem "Track your Kid". Um die Technik zu verkaufen, nutze das Unternehmen "diffuse Ängste von Eltern aus und gibt ihnen ein Instrument in die Hand, das Kinder nicht zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern, sondern zu willigen Untertanen einer Kontrollgesellschaft erzieht."

Brigitte Zypries: Steht weiter hinter dem Lauschangriff
MARCO-URBAN.DE

Brigitte Zypries: Steht weiter hinter dem Lauschangriff

Im wichtigen Bereich "Politik" schließlich geht die diesjährige Negativ-Auszeichnung wegen des "Festhaltens am Großen Lauschangriff" an Justizministerin Brigitte Zypries. Fredrik Roggan in seiner Laudatio: "Anstatt das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes am 3. März diesen Jahres ernst und zum Anlaß zu nehmen, auf den Großen Lauschangriff zu verzichten, hält sie weiter am Großen Lauschangriff als Instrument der Strafverfolgung fest. Tatsächlich dient der Große Lauschangriff weniger der realen Verbrechensbekämpfung, als vielmehr der Einschüchterung von Menschen."

Die BigBrotherAwards werden in aller Regel in Abwesenheit der "Ausgezeichneten" vergeben.

Frank Patalong
Die Liste der Preisträger und die Manuskripte der Laudatoren lagen der Redaktion vorab vor.

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