Wenn Marktforschungsunternehmen nach dem Web-Nutzungsverhalten der Bevölkerung fragen, interessieren sie gemeinhin drei Dinge: Wo führt das hin, lässt sich damit Geld machen - und wer wird verdrängt? Auch zwei aktuelle Studien zum Thema streifen all diese Aspekte, beschreiben aber unter dem Strich vor allem die mittlerweile unaufhaltsame "Karriere" eines ehemals neuen Mediums, das längst zum Massenmedium geworden ist.
So werde die durchschnittliche Internet-Nutzung in Deutschland in den kommenden sechs Jahren auf zwei Stunden tägliche Surfzeit steigen. Das ist eine Kernaussage der Studie "Deutschland Online 2 - Die Zukunft des Breitband-Internets" von Bertelsmann und T-Online, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Eine weitere, von SevenOne Media veröffentlichte Studie ergab, dass trotz steil steigender Internet-Nutzungskurven die klassischen Medien nicht verdrängt wurden.
Die Anzahl der schnellen Anschlüsse soll "Deutschland Online 2" zufolge von 4,2 Millionen 2003 auf etwa 17 Millionen 2010 steigen. Die Anbieter können mit anhaltend großem Wachstum rechnen. Das gesamte Breitband-Marktvolumen soll von etwa 2,04 Milliarden Euro auf knapp zehn Milliarden steigen. Das Volumen des Zugangs-Markts soll sich nach Auffassung der Zugangs-Anbieter von 1,8 Milliarden Euro 2003 auf 6,4 Milliarden 2010 erhöhen. Zugleich kostet es auch öfter Geld: Für 2010 erwarten die Experten, dass rund 38 Prozent der Inhalte kostenpflichtig sind. Zurzeit sind es 16 Prozent.
Umbrüche: "Online" umgeht den Handel
Breitband-User halten sich jetzt durchschnittlich 40 Minuten im Netz auf, deutlich länger als Nutzer, die auf klassische Weise hinein gelangen (16 Minuten). Am Ende des untersuchten Vorhersage-Zeitraums wird sich die Schere mit 118 zu 24 Minuten noch deutlich weiter geöffnet haben.
Bertelsmann und T-Online werteten die Ergebnisse ihrer Studie auch als Plus für den Standort Deutschland: "Die befragten Experten erwarten, dass die Arbeitsproduktivität in deutschen Unternehmen allein durch den konsequenten Einsatz des breitbandigen Internets bis zum Jahr 2007 um 7,6 Prozent gesteigert werden kann. Bis 2010 wird eine Produktivitätssteigerung um 13,5 Prozent prognostiziert."
Besonders die Musikbranche hat sich bereits durch die zunehmende Ausstattung mit Breitband-Anschlüssen "weit reichend verändert", melden die Unternehmen. Auch für Filme und "Gaming" werde der traditionelle Groß- und Einzelhandel weiter an Bedeutung verlieren, sagen sie voraus. Befragt wurden 134 Experten und 3036 Konsumenten.
Noch regiert die "Glotze"
Das Fernsehen ist bislang das meist genutzte Medium in Deutschland. Das ergab die Studie von Forsa für die Vermarkter der ProSiebenSat.1-Gruppe. Danach stieg die Fernsehnutzung seit 1999 von 146 auf 178 Minuten täglich, die Internet-Nutzung stieg aber im selben Zeitraum von neun auf 58 Minuten. Auch die Nutzungszeiten von Tageszeitung, Zeitschrift und Radio stiegen, woraus die Fachleute schlossen, dass "der rasante Aufstieg des Internets nicht zu einer Verdrängung der klassischen Medien geführt" habe. Auch sie stellen aber fest, dass bei Musik "dank des MP3-Booms das Fernsehen sogar überholt" wurde. Bei der Umfrage wurden seit 1999 insgesamt 8414 Personen zwischen 14 und 49 Jahren befragt.
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