Von Alexandra Knape
Hamburg - Der Breitbandmarkt ist stürmisch. Ein Angebot jagt das andere. "Warum-Warten-Wochen", heißt die Werbeaktion bei AOL. Bei T-Online spricht man von den DSL-Sturzflugpreisen. GMX gibt sich dagegen nüchterner: "DSL komplett von GMX".
Den armen Nutzer, der sich durch die verschiedenen Angebote wühlen muss, scheint man dabei fast außer Acht zu lassen. "Die Angebote sind verwirrend", wettert Carl Mühlner, seines Zeichens Deutschland-Chef von Tiscali, im Gespräch mit manager-magazin.de.
AOL bewerbe nur Preisvorteile, aber der Leser wisse nicht, von welcher Basis er beim Nachrechnen ausgehen müsse. So verspreche das Unternehmen 150 Stunden gratis Surfen. Das gelte jedoch nur für den ersten Monat. "Die angebliche Preisersparnis ist für uns nicht erkennbar und erscheint konstruiert."
Auch bei GMX sieht Mühlner einige Haken. "Hier wird ein kostenloses Modem angepriesen, doch das wird nur bei bestimmten Verträgen vergeben." Mit anderen Worten: auf das Kleingedruckte kommt es an. Kleine Sternchen in den Anzeigen wiesen die Beworbenen auf die Vertragsbedingungen hin.
Kosten steigen im zweiten Jahr
"Wer nicht aufmerksam liest, kann leicht hinters Licht geführt werden", so der Manager. Zudem stiegen die Preise nach dem ersten Jahr zum Teil deutlich an. So sei ein DSL-Volumentarif mit 5000 MB bei 1&1 Internet im zweiten Jahr um gut 50 Euro teurer als im ersten Vertragsjahr. Bei Freenet betrage der Unterschied sogar fast 60 Euro. Als Grund gibt der Manager an, dass beispielsweise Surfguthaben, die die Unternehmen im ersten Jahr noch zur Verfügung stellten, wegfielen.
Tiscali selbst gibt sich indes gern "lupenrein". Dabei hat der Konzern auch so einige Turbulenzen hinter sich. Derzeit plant das italienische Unternehmen, sich von einer Vielzahl seiner Auslandsengagements zu trennen. In Deutschland wolle Tiscali aber bleiben, so Mühlner.
Am harten Preiskampf um Breitbandkunden, der hier zu Lande herrscht, will sich das Internetunternehmen jedoch nicht massiv beteiligen. Seit eineinhalb Jahren verharre der Preis für eine DSL-Flatrate bei 15,90 Euro, sagt Mühlner. Nutzer müssen jedoch - wie Tests ("Capital") ergeben haben - damit rechnen, dass die Verbindungsgeschwindigkeit bei der Nutzung von Tauschbörsen auch schon mal auf ISDN-Niveau rutschen kann.
"Ich denke, wir tun uns keinen Gefallen, wenn wir die Kunden mit vertrackten Angeboten umwerben. Letztendlich verschrecken wir sie noch", sagt Mühlner. So sei die Wachstumsrate für Breitbandanschlüsse in Deutschland auch nicht so rapide in die Höhe geschnellt wie noch vor einigen Monaten prognostiziert.
Die Zahlen geben im Recht: In einem aktuellen Bericht der EU belegt Deutschland auch tatsächlich den letzten Platz unter den 15 alten EU-Ländern. Zählt man die jüngst beigetretenen Länder hinzu, rutscht Deutschland sogar auf Platz 23.
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