Ein Provokateur und Kirchenrebell wollte Bischof Jacques Gaillot nie sein. Doch der Vatikan selbst machte ihn in einem der absurdesten Kapitel der Kirchenrechtsprechung für viele Menschen zu einem Märtyrer. Weil er nach Ansicht des Heiligen Stuhls von der katholischen Lehre abwich, wurde der engagierte und undogmatische Bischof von Evreux am 13. Januar 1995 in die Wüste geschickt - und zwar in die Diözese Partenia, die im 5. Jahrhundert unter dem Sand der Sahara verschwunden war. Zehn Jahre nach Gaillots Verbannung ist Partenia eine blühende Gemeinde - im Internet.
"Es war ein Prozess ohne Verteidiger, ein unwiderrufliches Urteil. In einer halben Stunde war alles zu Ende", erinnert sich Gaillot an die Verhandlung in Rom. Die vom Vatikan vorgeschlagene Entlassung unterschrieb er nicht. Deswegen wurde er zum Titularbischof der nur noch formal existierenden Wüstendiözese ernannt.
"Ich war nicht darauf gefasst. Ein Skandal ist das. Ich empfand es als eine Ungerechtigkeit. Eine Ungerechtigkeit, die viele trifft. Durch diese Absetzung kommen sich auch andere bestraft vor", erklärt er. Doch dann habe er sich gesagt: "Morgen beginnt die Zukunft, ein neues Leben fängt für dich an. Du darfst keine Zeit verlieren."
Mehr als 130.000 Cyber-Pilger monatlich
1996 rief Gaillot die Partenia-Homepage ins Leben. Heute existiert sie in sieben Sprachen, enthält unter anderem ein Gesprächsforum und Texte Gaillots. Jeden Monat kommunizieren mehr als 130.000 Menschen via Internet mit Partenia, wie Katharina Haller, eine Mitarbeiterin Gaillots, sagt. "Partenia ist keine Bewegung und keine Parallelkirche. Es ist zum Symbol geworden für Menschen, die ihren Platz in der Gesellschaft und Kirche nicht mehr haben", erklärt sie.
Der Ort Partenia befand sich in der Gegend von Setif in den Hochebenen des heutigen Algeriens. Man weiß praktisch nichts über die Diözese, weder über ihre Entstehung noch über ihre genaue geografische Lage. Es ist nutzlos, sich heute dorthin zu begeben, denn Partenia ist im Sand verschwunden - eine Diözese ohne Grenzen, wie Gaillot auf seiner Internetseite schreibt.
Stephan Köhnlein, AP
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