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17.02.2005
 

Ausgezeichnet

Turing-Preis geht an Internet-Pioniere

Über 30 Jahre ist es her, dass Robert Kahn und Vint Cerf im Auftrag der Pentagon-Behörde Darpa das Internetprotokoll TCP/IP entwickelten. Jetzt werden sie dafür mit dem Turing-Preis ausgezeichnet - der höchsten Auszeichnung für Informatiker und IT-Ingenieure.

Cerf, durch seine Arbeit in zahlreichen Internet-Gremien wie beispielsweise der von ihm gegründeten Internet Society ISOC bis heute eine bekannte Figur, zeigte sich völlig überrascht von der Nachricht.

Gerechnet hatte er wohl wirklich nicht damit, denn noch nie zuvor hatte die Association for Computing Machinery (ACM), die den "Turing-Award" seit 1966 jährlich vergibt, ein "Netzwerk-Thema" mit einem Preis bedacht. Cerf in einer ersten Reaktion: "Dieser Preis ging stets an Leute, die sich mehr mit den fundamentalen Grundlagen der Informatik befassen. Es ist eine unfassbare Ehre, in die Liste dieser früheren Preisträger aufgenommen zu werden."

Kahn und Cerf gehören zweifellos zu den Vätern des Internet. Ihre 1973 und 1974 entwickelten Protokolle IP und TCP, kombiniert zu TCP/IP bis heute Grundlage der Netzwerkkommunikation im Internet, machten spätere Entwicklungen wie das WWW erst möglich. Kahns und Cerfs Arbeit fällt in die frühen Jahre der Netzwerkentwicklung, die noch maßgeblich vom amerikanischen Verteidigungsministerium initiiert und finanziert wurde.

Robert Kahn

Robert Kahn
CNRI

Robert Kahn

Robert Kahn ließ sich Ende der sechziger Jahre von seinem damaligen Arbeitgeber, der renommierten Forschungsschmiede MIT beurlauben, um für eine vom Pentagon bezahlte Firma an der Schaffung des Arpanet mitzuwirken, einer der Keimzellen des späteren Internet.

1972 wechselte der zur Darpa, einer vom Pentagon ausgegründeten Unterbehörde, deren Aufgabe in der Förderung potenziell rüstungsrelevanter Forschung bestand und besteht. Nach ersten öffentlichen Demonstrationen des Arpanet bekam Kahn den mit einer Milliarde US-Dollar höchstdotierten Forschungsauftrag, der bis dahin je für ein IT-Projekt ausgegeben wurde. Ein direktes Resultat dieser Forschungsarbeit war die Definition des TCP/IP-Protokolls, das auf Ideen Robert Kahns zurückgehen soll.

Kahn verließ die Darpa 1986 und gründete die gemeinnützige Corporation for National Research Initiatives (CNRI), die sich die Förderung der Forschung zur Verbesserung der Informations-Infrastruktur auf die Fahnen geschrieben hat. Kahn ist nach wie vor Vorsitzender der CNRI.

Vint Cerf
AP

Vint Cerf

Vint Cerf

In der Öffentlichkeit weit bekannter als der Entwickler und Entscheider Kahn ist sein damaliger Assistent Vinton Cerf (von dessen Nachnamen sich das eigentlich unpassende Wort "Surfen" für die Bewegung im Internet herleiten soll). Cerf stieß erst im Frühjahr 1973 zur TCP/IP-Entwicklergruppe, soll zur Vollendung der Protokolle aber maßgebliche Beiträge geleistet haben. Wie Kahn wechselte auch Cerf nach einigen Jahren Auftragsarbeit direkt auf die Lohnliste der Darpa, die er erst 1982 wieder verließ.

In den Folgejahren trug Cerf zur Entwicklung des ersten kommerziellen E-Maildienstes bei und machte Karriere auf der Entscheiderebene von MCI Digital Information Service, wo er bis heute unter Vertrag steht.

Der Weiterentwicklung des Internet blieb er ebenfalls verbunden, engagierte sich ehrenamtlich im Rahmen der Adressverwaltung Icann und verschiedener Organisationen, von denen er eine der bekanntesten 1992 selbst gegründet hatte: Die Internet Society ISOC ist eine international anerkannte Nicht-Regierungsorganisation, die sich darum bemüht, die Internet-Infrastruktur weiter zu entwickeln, ihre technischen Standards zu definieren.

Der Turing-Preis wird am 11. Juni in San Francisco offiziell übergeben. Benannt ist der Preis nach dem britischen Mathematiker Alan Turing, der als einer der Väter der Computertechnik gilt.

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