Von Frank Patalong
Yahoo gehört zu den wenigen wirklichen Marken, die die so genannte New Economy hervorgebracht hat. Selbst Menschen, die absolut nichts mit dem Internet zu tun haben, haben mit einiger Wahrscheinlichkeit den Namen schon einmal gehört.
Bekannter als Yahoo ist heute wohl nur noch die Webmarke Google - aber an so etwas ist man bei Yahoo ja gewöhnt: Das Web-Unternehmen der ersten Stunde hatte immer einen Konkurrenten vor sich, der bekannter oder angeblich besser war als Yahoo. Was Yahoo jedoch gegenüber den meisten dieser Konkurrenten des letzten Jahrzehnts auszeichnet, sind zwei Dinge: Die Firma hat Boom wie Börsen-Crash überlebt - und Yahoo macht Gewinn.
Begonnen hat die Geschichte von Yahoo im April 1994 mit der legendären Linksammlung der Studenten David Filo und Jerry Yang. In der grauen Orientierungslosigkeit des entstehenden WWW sammelten sie lohnende Adressen, und weil das auch ihr Umfeld mächtig interessierte, landeten die Listen bald schon Online. Damit war der Keim für den ersten Web-Katalog gepflanzt, und schon die Log-Zahlen der ersten Monate zeigten Yang und Filo, dass man daraus wohl ein Geschäft machen könnte.
Yahoo ging also 1995 als rein handgepflegter Katalog an den Start, als eines der ersten Angebote überhaupt, das von Anfang an Werbemöglichkeiten offerierte. Schnell folgten zwar auch Crawler-Suchmaschinen, doch die waren noch relativ dumm: Die von einer wachsenden Redaktion gepflegten Links erwiesen sich als weit zuverlässiger.
Schnell aber wurde Yahoos Stärke auch zu seiner größten Schwäche: Wenig mehr als ein Jahr schaffte es Yahoo, synonym für das Suchen im Web zu stehen. Als die Webseiten begannen, sich schneller als Hefepilze zu vermehren, kam Yahoo mit dem Indexieren nicht mehr mit. Bereits 1996 konkurrierten Unternehmen wie Lycos, Inktomi und Altavista um die technologische Marktführerschaft.
Spätestens im Sommer 1997 wurde offenbar, dass Yahoo gegen Windmühlen kämpfte. In Deutschland brüstete sich das Unternehmen, eine Redaktion mit acht Surfern und einer "Leadsurferin" zu betreiben, die alle Verlinkungsvorschläge vor der Aufnahme in den Katalog zu prüfen hatten. Zum gleichen Zeitpunkt musste sich Altavista mit seinen zu diesem Zeitpunkt rund 40 Millionen erfassten Webseiten bereits erstmals dem Kampf um die gerade errungene Marktführerschaft stellen - Hotbot und Lycos kratzten am Lack, das Entwicklungstempo der Webtechnik sorgte für Stress. Dass Yahoo weltweit noch immer mehr Besucher (und darum auch höhere Werbeeinnahmen) verbuchte, verdankte die poppige Marke ihrem Image, ihrem früh etablierten Bekanntheitsgrad und ihrem wachsenden Werbeetat.
Gedruckt: In den USA ging Yahoo 2002 als Magazin an den Kiosk
Das Portal-Konzept: Prinzip Wundertüte
Den Firmenlenkern war klar, dass sie es mit einem reinen Webkatalog nicht mehr lange schaffen würden, eine Spitzenposition in der Web-Wirtschaft zu halten. Yahoo begann - und auch in dieser Hinsicht war die Firma Vorreiter und Trendsetter - zum "Portal" anzuwachsen, durch Expansion, Ankauf und Kooperation zusätzliche Dienstleistungen anzubieten.
Bei Yahoo waren das nicht nur Postdienste, ein Shop und ein keimendes Nachrichtengeschäft (irgendwann in ihrer Entwicklung glaubten alle Suchdienste, zu "Medienhäusern" mutieren zu können), sondern auch der Bruch mit dem eigenen Markenkern: Neben die Katalogsuche, die in ihrer Bedeutung immer weiter abnehmen sollte, trat das freie Suchen im Web. Und weil Yahoo eine solche Technik gar nicht entwickelt hatte, mietete man sich einfach beim Marktführer ein: Wer Ende 1997 per Yahoo im Web wühlte, benutzte eigentlich Altavista. Gemerkt hat das kaum einer.
Spätestens da hatte Yahoo seine wahre Linie gefunden: Die Flexibilität, auch mit angemieteter Tech-Kompetenz einfach einmal neue Geschäftsfelder auszuprobieren und die beizubehalten, die sich auszahlten.
Und zwar - anders als bei der Konkurrenz - in barer Münze, nicht in Blütenträumen. Kein Wunder, denn anders als die Hinterherläufer des so genannten Dotcom-Booms Ende der Neunziger war Yahoo längst ein Unternehmen, das seine Bilanzen im Auge behalten musste. Den Börsengang, der sensationelle 848 Millionen Dollar in die Kassen spülte,
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