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Unkenruf Auch Frauen klauen

2. Teil: Das Piraterie-Problem ist weder technisch, noch juristisch zu lösen. Aber ist der drohend erhobene Zeigefinger die Lösung - und ist er überhaupt nötig? Weiter...

Längst weiß die Industrie auch, dass es gerade nicht die von ihr so publikumswirksam immer wieder bemühten geklauten aktuellen Blockbuster sind, die von Surfern in P2P-Börsen gesucht werden. Online ziehen Filmfans mit Vorliebe Filme, die sie in keiner Videothek bekommen und oft auch gar nicht kaufen können und TV-Serien, weil man die als Sammler halt gern vollständig hat.

In Deutschland kommt für Trekkies oder "Six-Feet-Under"-Fans das Motiv hinzu, dass sie (wenn sie des Englischen mächtig sind) eben nur ungern über ein Jahr auf eine mies synchronisierte deutsche Version warten, wenn die Dateien doch im Web bereit liegen. Wem, fragen sich Serien-Fans, tun sie denn schon weh - und man komme ihnen da nicht mit den immer wieder zitierten Werbeeinnahmen der Fernsehsender: Erstens sehen wahre TV-Freaks ihre Lieblingsserien so oft, wie sie angeboten werden, zweitens zappen sie bei der Werbung doch sowieso weg - so die gängigen Gegenargumente.

Verpuffende Kampagne

Dabei dürfte gerade diese Form des "Film-Ziehens" selbst vor Gerichten heiß diskutiert werden: Analoge wie digitale Kopien aus dem Free-TV sanktioniert das neue Urheberrecht nämlich durchaus. Gong, auf zur nächsten Runde: Muss dieses Free-TV nun in Deutschland ausstrahlen, um die Kopie zur erlaubten Privatkopie zu machen?

Kult sind dagegen mittlerweile die weithin beliebten Werbespots gegen die Piraterie. Kinder, die sich darauf freuen, dass sie ihrem Papa nur noch viermal Happy Birthday vorsingen müssen, bis er wieder aus dem Knast kommt, sprechen den Humor der Brenn-Spaßgesellschaft durchaus an.

Ob man der mit einer Kampagne wie "Hart aber gerecht" ein anderes Verhalten anerziehen kann, erscheint jedoch fraglich. Wer Blockbuster-DVDs für vier Euro auf dem Parkplatz kauft, weiß, dass damit jemand Geld verdient, der keines verdienen sollte. Aber das allgemeine, republikweit verbreitete "Du, ich hab da einen tollen Film zuhause. Nicht gesehen? Ich zieh Dir mal ne Kopie!" ist damit nicht zu unterbinden. Dafür, siehe oben, kauft man sich schließlich einen Brenner.

Und der kostet die Industrie nicht nur virtuelle Umsätze, er schafft auch neue Märkte.

Innerhalb weniger Jahre hat sich Deutschland in ein Land von Cineasten verwandelt. Wo Menschen reiferen Alters früher zweimal im Jahr ins Kino gingen, kaufen sie jetzt im Supermarkt noch immer überteuerte DVDs, die sie als (übrigens weit billigere) Videos stehen ließen.

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Film-Sammlungen sprießen selbst auf Regalen, auf denen noch nie ein Buch stand und neben Büchersammlungen, denen nie ein Video nahe gekommen ist. Mitunter stehen da zwischen hundert Privat- oder Raubkopien nur zehn Kauf-DVDs. Aber - Hose runter und Hand aufs Herz - sind das nun hundertmal Umsatzverlust, oder zehnmal Umsatz, wo vorher keiner war?

Ein bisschen mehr gesunder Menschenverstand, bitte!

Das aktuelle Problem der Musik- und Filmindustrie begann nicht mit Napster, sondern mit Einführung der CD: Seitdem verkauft die Branche mit jedem Produkt ein Masterband zur Produktion perfekter Kopien. Auch an den Maschinen und Rohlingen zum Brennen dieser Kopien verdient die Branche, wenn auch weniger als am eigentlichen Produkt.

Dass sie sich gegen das illegal gewerbliche Kopieren dieser Produkte wehrt, ist völlig legitim. Dass sie ihren eigenen Kunden nun aber vermitteln will, dass diese ihr Geld zwar für Neutechnologien ausgeben, die dann aber nicht nutzen sollen, ist niemandem zu vermitteln.

Recht hin oder her: Die Existenz der durchaus respektierten Straßenverkehrsordnung wird nie verhindern, dass Menschen nachts um drei Uhr menschenleere Straßen überqueren werden. Das Unrechtsbewusstsein spielt dabei mitunter seltsame Spielchen: Wenn man auf vier Rädern unterwegs ist, sind die Ampeln auch nachts roter als zu Fuß. Der Polizist weiß, wie er ganz pragmatisch damit umzugehen hat: Den sündigenden Fußgänger ignoriert er, den Autofahrer, der mehr Schaden verursachen kann, hingegen nicht. Recht so, sagt da selbst der Sünder.

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