Von Holger Dambeck
Bei der Premiere der Testnummer gestern Abend drehten die Macher die Verstärker voll auf. Gitarrenriffs jagten durch den Saal, auf der Bühne im Hannoveraner "Capitol" stieg Nebel auf. Die Performance war passend gewählt: "ACDC" heißt das neue Entertainmentjournal der Münchner Verlagsgruppe VNU. Was klingt wie eine Rockerpostille, soll in Wirklichkeit "Deutschlands höchstwertiges Computermagazin für digitale Unterhaltung" sein - so steht es zumindest in der 24-seitigen Leseprobe.
Das Konzept von "ACDC" ist nicht wirklich neu: "Schrauben ist out, Genießen ist in", heißt es auf Seite 3. Die "faszinierende digitale Welt von ihrer besten Seite zeigen" - das verspricht Chefredakteur Thomas Jannot. Vor ihm haben das schon einige andere versucht. Unter anderem der Heise-Verlag aus Hannover, der sein IT-Lifestyle-Magazin "Emos" schon nach der ersten Nummer mangels verkaufter Auflage wieder einstellte.
Erfolgreicher operieren da schon der "Computerbild"-Ableger "Audio Video Foto" und das Nürnberger Konkurrenzblatt "SFT". Beide verkaufen sich gut am Kiosk, was allerdings vor allem daran liegen dürfte, dass jedem Heft eine Video-DVD beiliegt - zum Heftpreis von derzeit nur 3 Euro. Bei DVD-Preisen, die normalerweise zwischen 15 bis 25 Euro liegen, ist klar, worin der Kaufanreiz besteht.
Auch "ACDC" setzt auf den Lockvogel DVD: Jedem Monat soll es einen kompletten Spielfilm oder Soundtrack geben. Warum die Filmindustrie bei diesem Verramschen ihrer nach eigener Aussage so wertvollen Filme überhaupt mitmacht, bleibt deren Geheimnis. Auch wenn häufig die englische Originaltonspur fehlt, beim Verbraucher kommt die Botschaft an, dass eine Video-DVD höchstens ein paar Euro wert ist. Vielleicht stimmt das ja auch?
Gestalt und Gehalt
Optisch und inhaltlich ähnelt die in Hannover verteilte Leseprobe eher "SFT" oder dem sechsmal jährlich erscheinenden "PC Welt"-Ableger "Digital World" als "Audio Video Foto". Edles Papier, modernes, großzügiges Layout und aufwendig in Szene gesetzte Hardware sollen Berührungsängste mit der Technik verringern. Das Titelbild erinnert auf den ersten Blick an ein Hochglanz-Automagazin, es zeigt jedoch tatsächlich ein PC-Gehäuse.
Statt ausführlicher Tabellen mit Testergebnissen bekommt der Leser im Heftinnern nur ein paar Balkendiagramme zu sehen, deren genaue Entstehung die "ACDC"-Redaktion für sich behält - ähnlich wie bei "SFT". Das mag für den Leser einfach sein, sorgt aber eben mitunter auch für leise Zweifel: Haben die das tatsächlich gemessen? Und falls ja, wie eigentlich?
Was die Glaubwürdigkeit angeht, hat "Computerbild - Audio Video Foto" wohl weiter die Nase vorn - hier sind Tests und Messungen vergleichsweise ausführlich dokumentiert. Allerdings muss der Leser bei dem Springerblatt mit einem altbackenen Layout und billigem Papier vorlieb nehmen.
Andererseits: Wer sein neues IT-Spielzeug vor allem nach dem Design kauft, den interessieren Klirrfaktoren, Frequenzgänge oder Datenraten nur am Rande. Insofern können es auch gern weniger Tabelle sein, wenn seriös getestet wird.
In der Titelstory geht es um Media-PCs für zu Hause - vier Geräte hat die Redaktion ausgewählt, darunter ein offenbar sehr lauter Medion-Rechner und ein Mac mini mit zusätzlicher externer TV-Karte. Ironischerweise empfiehlt die Redaktion am Ende des Artikels sogar, sich "bei etwas handwerklichem Geschick" einen Media-PC selbst zu bauen. Ganz so out, wie anfangs behauptet, scheint das Schrauben dann doch nicht zu sein.
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