Ein PC-Drucker kann heute ungemein viel: Still und leise zaubern feinste Düsen in Null-komma-Nix Schriften, Grafiken und sogar Fotos aufs Papier. Und zumindest für seine Hersteller kann er sogar Geld drucken - sozusagen. Denn die Preise für Nachfülltinten übersteigen mitunter den Kaufpreis der Maschine, sorgen für einen steten, erklecklichen Geldstrom in die Kassen der Canons, HPs, Epsons, Lexmarks und anderen.
Man ahnt ja kaum, wie kostbar die feuchte Farbe ist: Die Hersteller berechnen sie mit ähnlichen Preisen wie sonst nur Parfüm. Ein Liter Farbe für einen HP Deskjet oder Officejet (z.B. 450, 5550, 6110) beispielsweise kostet im Sonderangebot knapp 1764 Euro und ist damit rund 10 Prozent günstiger als ein Liter Chanel No. 5 - aber es ist ja auch eine vergleichsweise günstige Tinte.
Kein Wunder, dass es vor allem die Tinte ist, die etwa Hewlett-Packard über das Verkaufssegment "Imaging and Printing" im letzten Jahr rund 30 Prozent der Konzernumsätze in die Kassen spülte - aber rund drei Viertel der Profite.
So was will man sich nicht vom Brot nehmen lassen, wie HP nun vor einem amerikanischen Gericht beweist: Der IT-Riese verklagte in Wisconsin zwei Anbieter von Nachfülltinten. Aus verständlichen Gründen, wie Gary Peterson vom Marktforschungsunternehmen GAP gegenüber CNet meinte: "Nachfülltinte ist für alle Hersteller ein großes Problem. Schätzungsweise 10 bis 15 Prozent aller verkauften Patronen sind 'Nachfüller'."
Ein Problem sieht der Verbraucher in der Regel eher in den Preisen der Originalpatronen und ist sich in dieser Hinsicht ungewöhnlich einig mit einer Instanz, die sich sonst kaum je so großer Popularität erfreut: mit der EU-Kommission. Seit letztem Jahr untersuchen die Wettbewerbs-, aber offenbar auch Verbraucherhüter den Markt mit Verdacht auf "Tinten-Wucher". Noch bevor sie zu einem abschließenden Urteil gekommen ist, kündigte die Kommission schon die Absicht an, die Hersteller ab 2006 dazu zu verpflichten, nur noch Drucker anzubieten, in denen auch Nachfüllpacks zum Einsatz kommen können.
HP versichert denn auch, dass es bei dem US-Prozess nicht um eine grundsätzliche Schlacht gegen Nachfüller gehe: Das eine Unternehmen habe gegen die Wettbewerbsregeln verstoßen, indem es nachgefüllte Patronen fälschlich als "neu" verkauft habe. Signifikanter dürfte jedoch die zweite Klage sein: HP behauptet, dass die von der Firma InkCycle vertriebene Nachfülltinte drei Patente von HP verletze. Auch so ließe sich das Mitbewerberfeld dann ausdünnen, denn es wird nicht ausgeschlossen, dass die beanstandete Tinte auch von anderen Nachfüllern benutzt wird.
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