Dass man in Videospielen virtuell Entsetzliches tun kann, ist bekannt. Besonders die "Grand-Theft-Auto"-Reihe (GTA) ist immer wieder als Beispiel für simulierte Grausamkeit zitiert worden, weil man darin praktisch jeden virtuellen Bewohner einer Stadt auf verschiedenste Weise umbringen kann.
Seit Jahren werden die GTA-Spiele deshalb heftig kritisiert, in den USA dürfen sie nur an Jugendliche über 17 verkauft werden. Jetzt hat auch Hillary Clinton die ekligeren Seiten der Serie entdeckt: "Kinder spielen ein Spiel, dass sie ermutigt, mit Prostituierten zu schlafen und sie dann zu ermorden", teilte Clinton vergangene Woche mit. Man habe es mit einer "stillen Epidemie der Medien-Desensibilisierung" zu tun, so die Senatorin weiter.
So still offenbar, dass auch die Gattin des Ex-Präsidenten erst ziemlich spät davon hörte. Denn den mehr als geschmacklosen aber nicht zur Spiel-Story gehörenden Hurenmord konnte eine Spielfigur erstmals in "Grand Theft Auto III" begehen - und das kam bereits 2001 auf den Markt. Die Idee, Kritik an gewalttätigen Spielen für politische Zwecke zu instrumentalisieren, ist sogar noch älter: Sie stammt von dem demokratischen Senator Joseph Lieberman, der schon im Jahr 1994 gegen die Fantasy-Prügelei von "Mortal Kombat" wetterte - obwohl die blutigen Pixel damals noch viel grober waren.
Clinton will jetzt für 90 Millionen Dollar eine Untersuchung der Auswirkungen von Videospielen auf kindliche Gemüter starten. In den USA wird vermutet, dies sei ein erster Schritt auf dem Weg, sich für die Präsidentschaftskandidatur zu empfehlen.
Realer Mord wegen eines virtuellen Schwerts
Sehr reale Gewalt hat ein Spiel kürzlich in China ausgelöst - aber dabei ging es wohl eher um die wütende Rache eines gekränkten Gamer-Kumpels als ums Ausleben virtuell erworbener Killerinstinkte. Der Täter ist auch kein irregeleiteter Teenager: Vor einem Gericht in Shanghai wird derzeit der Fall des 41-jährigen Qiu Chengwei verhandelt. Laut der Anklage stach er seinem Bekannten Zhu Caoyuan mit einem Messer in die Brust, weil der sein virtuelles Schwert verkauft hatte. Den "Dragon Sabre" aus dem Online-Fantasyspiel "Legend of Mir III" hatte Qiu gemeinsam mit einem Freund erspielt. Zhu hatte das Pixelschwert als Leihgabe erhalten und es dann online für umgerechnet etwa 680 Euro verkauft.
Qiu meldete den Vorfall als "Diebstahl" bei der Polizei, aber die informierte ihn darüber, dass virtuelle Objekte nicht vom chinesischen Gesetz geschützt werden. Obwohl Zhu anschließend versprach, das Geld zu ersetzen, erstach ihn Qiu in einem Wutanfall, nur um sich kurz darauf der Polizei zu stellen. Er habe nie die Absicht gehabt, den Mann zu töten. Im schlimmsten Fall könnte ihm für seine Tat dennoch die Todesstrafe drohen.
In der boomenden Welt der chinesischen Onlinespiele werden Rechtsstreitigkeiten um virtuelle Güter immer häufiger. Spielebetreiber in der Hochburg Shanghai planen deshalb inzwischen eine gemeinsame Anlaufstelle für Eigentumsquerelen. "Wenn ein Cyberwaffen-Diebstahl stattfindet, können sich die Spieler an einen Operator wenden, der das Problem dann den Umständen entsprechend regeln wird", sagte ein Sprecher der neu gegründeten Organisation der Zeitung "China Daily". Bleibt zu hoffen, dass die Streitigkeiten der heißblütigen Gamer aus dem Reich der Mitte so in Zukunft unblutig beigelegt werden können.
"Weiterkämpfen, auch wenn sie verwundet sind"
Wenn es nach dem US-Unternehmen VirTra Systems geht, wird auch die Game-Hardware bald die Möglichkeit haben, sich gegen gewalttätige Spieler zur Wehr zu setzen. Die Firma hat für das US-Militär einen Schießerei-Simulator entwickelt, der zurückballert. "Sie müssen sich durch den Schmerz durcharbeiten und weiterkämpfen, weil es das ist, was sie tun müssen - weiterkämpfen, auch wenn Sie verwundet sind", erklärte Unternehmenssprecher Steve Haag gegenüber der Australischen Zeitung "Sidney Morning Herald" die reichlich extreme Form von Force-Feedback.
Wenn ein Spieler einen Gegner nicht rechtzeitig tötet, kann der zurückschießen - und der Simulator verabreicht dem langsamen Revolverhelden einen kräftigen Elektroschock in der Hüftgegend. "Es ist so stark wie eine Betäubungswaffe", sagte Haag, "es wirft Sie um". Haag glaubt, dass auch Freizeit-Gamer gerne mit Elektroschocks für ihre Fehler bestraft werden wollen. Er prophezeite, dass ein ähnliches System schon bald auch regulär auf den Markt kommen werde: "Das ist das ultimative Shooter-Videospiel."
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