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13.04.2005
 

Generation JP2

Was für einen Papst hätten Sie denn gern?

Die Begeisterung der "Generation JP2" für den verstorbenen Papst Karol Wojtyla hat auch die Katholische Kirche überrascht. Der BDKJ-Diözesanverband Freiburg nutzt sie, Jugendliche in eine Diskussion um Papst und Kirche zu ziehen. Derweil wirbt ein angeblicher Fanclub im Web für Kardinal Ratzinger.

Kecke Kiste: So poppig kann Katholizismus sein

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"Santo subito!" riefen Jugendliche in Sprechchören, immer wieder unterbrach Applaus den Gottesdienst zur Beisetzung von Johannes Paul II: So manchem Kardinal soll das geradezu unheimlich gewesen sein. Kein Wunder, denn Hunderttausende feierten den verstorbenen Papst wie einen Popstar. Was das alles bedeuten könne beschäftigt seitdem Soziologen, Theologen und das Feuilleton.

Beim BDKJ-Diözesanverband Freiburg nutzt man die in dieser Form unerwartete Begeisterungswelle ganz pragmatisch: Das anstehende Konklave nimmt der Bund der Deutschen Katholiken, Dachverband der katholischen Jugendverbände, zum Anlass, die Diskussion mit der jugendlichen Zielgruppe zu suchen.

Ganz poppig kommt das daher. "Unser Papstwunsch" heißt die Aktion, bei der Jugendliche in einem Forum ihre Wünsche äußern sollen, wie der neue Papst denn "gestrickt" sein soll: "Der BDKJ will neuen Schwung in diesen Dialog bringen: Diskutiert mit uns über eure Hoffnungen, Erwartungen und Forderungen an den neuen Papst."

Der BDKJ selbst steht dabei für Reform-Positionen. "Die Begeisterung junger Menschen für den Glauben hängt nicht davon ab, wie charismatisch ein Papst ist", heißt es in einer Erklärung des BDKJ zur frechen Aktion. "Entscheidender ist, ob Jugendliche in ihrem persönlichen Umfeld Menschen erleben, die aus dem Glauben handeln und sie bei der Gestaltung ihres Lebens begleiten."

Und das habe viel mit Glaubwürdigkeit zu tun. "Wie muss sich unsere Kirche ändern?" fragen darum die Veranstalter und fordern unter anderem selbstbewusst die "Gleichberechtigung der Frau".

Entsprechend deftig steigt die Seite in die Diskussion ein. "Irgendwie", schreibt da "Zecke" in einer Diskussion über das Thema "Sex vor der Ehe", "ist das doch total weltfremd, was der alte Papst da gefordert hat. Was ist denn da schlimm dran, wenn man miteinander schläft? Vor allem: Mit Kondomen passiert ja eh nichts, oder?"

"Ich könnte mir aber auch gut vorstellen, dass es dich gar nicht gibt", antwortet darauf Forumsteilnehmer "müh", "und so ein schlaumeier von den machern der seite gedacht hat -oh ich schreib mal was provozierendes rein, es könnt ja jemand drauf anspringen."

Möglich und sehr, sehr medienerfahren ist das: Die "Generation JP II" mag "ihren" toten Papst begeistert betrauern - eine Generation von Skeptikern bleibt sie trotzdem. Noch allerdings ist wenig los im Forum, noch hält sich die Beteiligung junger Christen in engen Grenzen. Das allerdings dürfte sich in den nächsten Tagen ändern, denn zumindest eines zeichnet sich bereits deutlich ab: Nie zuvor wurde die ein Konklave begleitende Diskussion so "poppig" geführt wie heute. Tage vor dem Beginn der Papstwahl hat im Internet ein regelrechter "Konklave-Wahlkampf" begonnen.

Ratzinger-Fans im Web

Ratzinger-Fanclub: Werbung um Jugendliche mit Artikel über Religiösität bei Tolkien?
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Ratzinger-Fanclub: Werbung um Jugendliche mit Artikel über Religiösität bei Tolkien?

Schön zeigt das die Webseite des "Kardinal Ratzinger Fanclubs". Man ist versucht, nach Hinweisen zu suchen, ob das wirklich echt sein kann oder vielleicht Satire ist - zumindest das ZDF hält die Seite in einem aktuellen Bericht für authentisch. Doch Paradoxer geht es kaum noch: Machen dort wirklich "Fans" des als eisenhart konservativ geltenden Kardinals mit "T-Shirts und Bierseideln" Werbung für ihren Favoriten?

Mehr noch: Verträgt sich die Werbung für den Herrn mit dem Kardinalsring mit Artikeln über Religiösität im Herrn der Ringe? Ratzinger, der Gandalf des Glaubens?

Die wählenden Kardinäle wären so eh nicht erreichbar, aber das ist ja vielleicht auch gar nicht nötig, wenn man den Auguren glauben will: Bis zu 50 Kardinäle, munkelt "La Repubblica", seien auf Seiten des obersten Inquisitors. Die Zocker dieser Welt sehen das anders: Der irische Buchmacher Intrade gibt Ratzinger nur Außenseiterchancen - aber die bringen ja bekanntlich die höchsten Quoten. Catholic Church goes Pop-Culture?

Frank Patalong

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