Seit zwei Tagen steht die Suchanzeige bei eBay-Amerika im Web, und noch hat sich niemand gefunden, der das begehrte Altpapier aufbewahrt hätte: Der US-Chipriese Intel ist bereit, die stolze Summe von 10.000 Dollar für ein Exemplar des Originalartikels zu bezahlen, in dem Gordon Moore erstmals sein berühmtes "Gesetz" postulierte.
Scharfsinnig hatte der Chip-Entwickler in einem Artikel für das längst eingestellte "Electronics Magazine" beobachtet, dass sich die Komplexität integrierter Schaltkreise alle zwölf Monate verdoppelt und dies auch weiter tun wird. Später korrigierte er diese Beobachtung auf einen Wert von 18 Monate. Trotzdem erwies sich sein Moorsches Gesetz als erstaunlich präzise Prognose, die im Großen und Ganzen seit der Veröffentlichung des Artikels am 19. April 1965 bis heute gehalten hat. Moore glaubt heute, dass sie für weitere zehn bis zwanzig Jahre gut sei.
Die so beiläufig in die Welt gesetzte These beschrieb also den Entwicklungstakt einer ganzen Industrie für 40 Jahre - da kann es kaum verwundern, dass der von Moore mitbegründeten Firma Intel ein Exemplar des Originalartikels einiges Wert ist.
Doch ein Archiv von "Electronics Magazine" gibt es nicht mehr, und allzu viele Sammler kann die Zeitschrift auch nicht gehabt haben. Bisher fand sich noch niemand, der mehr als eine Kopie besitzt.
Doch selbst Kopien haben heute schon ihren Wert. Zurzeit haben sich zwei Anbieter an die Suchanzeige angehängt, die nicht originale Kopien besitzen: Einer bietet seit rund einem Tag erfolglos eine Fotokopie des Artikels an, ein anderer verfügt über eine als PDF digitalisierte Kopie des Originalartikels. Die Gebote für das PDF stiegen im Laufe des Tages auf die durchaus respektable Höhe von über 200 Dollar - mit sechs Tagen Restlaufzeit.
Selbst wenn Intel also nicht fündig werden sollte, dürfte die Suchanzeige und Auktion in der nächsten Woche noch einmal in die Medien schaffen: Es läuft darauf hinaus, dass dort jemand das teuerste PDF aller Zeiten verkauft.
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