Die Einheit trägt den sperrigen Namen Joint Functional Component Command for Network Warfare - kurz JFCCNW und ist direkt der Strategieabteilung Stratcom der US-Armee unterstellt. Offiziell ist die Existenz der IT-Kriegsabteilung erst seit einer Woche bekannt. Ein Stratcom-Mitarbeiter hatte bei einer Senatsanhörung von der JFCCNW berichtet.
Was deren Mitarbeiter genau treiben, ist streng geheim. Es gilt als wahrscheinlich, dass sie aus verschiedenen Abteilungen von CIA, NSA, FBI und den Militärgeheimdiensten rekrutiert wurden.
Über den so genannten Cyberwar, den Krieg am Computer, wurde bereits viel spekuliert. Schon vor Jahren gab es Berichte in US-Medien, das Pentagon entwickle Cyberwaffen - in der Hoffnung, dass eines Tages Elektronen den Job von Bomben übernähmen und es ermöglichten, Feinde schneller und mit weniger Blutvergießen auszuschalten. Statt Soldaten und Flugzeuge ins Feindesland zu schicken, sollen Soldaten an Computerterminals sich unbemerkt in ausländische Netzwerke einhacken, um dort Radaranlagen abzuschalten, die Stromversorgung zu unterbrechen und das Telefonnetz lahm zu legen.
Die Realisierbarkeit derartiger Vorhaben ist unter Experten jedoch umstritten. Berichte über erste Cyberwar-Attacken wurden immer wieder in Frage gestellt. So sollen US-Soldaten im Kosovo-Krieg gezielt jugoslawische Radar-Steuerrechner ausgeschaltet haben. Der Hamburger IT-Professor Klaus Brunnstein hält derartige Berichte jedoch für "wenig glaubhaft", wie er in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE sagte.
Doch trotz aller Zweifel: Das US-Militär scheint Ernst zu machen mit dem Computerkrieg. Bereits im Juli 2002 soll Präsident George W. Bush dem Pentagon befohlen haben, die Möglichkeiten von Cyber-Attacken gegen feindliche IT-Netzwerke auszuloten. Damien Pickart, Sprecher der Strategieabteilung Stratcom, bestätigte nun gegenüber dem US-Magazin "Wired", dass entsprechende Aktivitäten schon weit gediehen seien: "Das Verteidigungsministerium ist fähig zu Angriffen auf Computernetze." Man könne jedoch aus Sicherheitsgründen keine Details besprechen. "Die gestiegene Abhängigkeit von Computernetzen macht offensive und defensive Techniken dringend erforderlich", sagte Pickart.
Wie "Wired" weiter berichtet, sollen es weniger die Abwehrtechniken sondern vor allem die Möglichkeiten für Cyberattacken sein, für die sich die US-Militärs interessieren. Die Diskussion über Angriffe auf Ziele im Netz sei nicht zuletzt durch das Tötungsvideo des US-Bürgers Nicholas Berg angefacht worden. Der im Irak entführte Geschäftsmann war von Terroristen vor laufender Kamera getötet worden, das Video tauchte später im Internet auf. In den USA war daraufhin gefordert worden, Webseiten, die das Video zeigen, schnellstmöglich aus dem Netz nehmen zu lassen - notfalls auch durch einen gezielten Crackerangriff.
Die Möglichkeiten der Cyberkrieger reichen von Denial-of-Service-Angriffen, gezielten Hackingaktionen und Viren oder Würmern bis hin zu so genannten Backdoors (Hintertüren), die bewusst in Software eingebaut werden, um später jederzeit auf geheime Inhalte zugreifen zu können. Doch auch konventionelle Waffen können Teil des Cyberwars sein, etwa wenn es um das Zerstören von Netzknotenpunkten oder der Stromversorgung geht.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Web | RSS |
| alles zum Thema Cyberwar | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH