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23.04.2005
 

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INFOMANIE

Kann man sich blöd informieren?

"Infomanie" - der Drang, sich ständig auf dem Laufenden zu halten - ähnele einer Sucht mit massiven Auswirkungen, behaupten britische Psychologen. E-Mails und SMS austauschend verblödeten Menschen regelrecht. Die negativen Einflüsse auf das Gehirn seien "stärker als bei Marijuana".

Joint: Weniger schädlich als E-Mail und SMS?
DPA

Joint: Weniger schädlich als E-Mail und SMS?

Macht Surfen blöder als Kiffen? Jeder, der einmal eine über Stunden gehende, erfolglose Netz-Recherche hinter sich gebracht hat, ist sofort bereit, das zu glauben: Regungslos sitzt man leicht verkrampft vor dem Rechner, stiert auf die Mattscheibe, schaufelt sich tonnenweise unnütze Informationen ins Hirn und verliert dabei jedes Gefühl für Zeit und Raum.

Doch um Surfen, berichten britische Zeitungen, sei es noch nicht einmal gegangen bei einer aktuellen Studie, die am Psychiatrischen Institut des King's College in London durchgeführt wurde: Schon E-Mail und Messaging erwiesen sich als geisttötende Kommunikationsformen. Demnach ließe sich bei exzessiv elektronisch kommunizierenden Menschen ein zehnprozentiger Abfall der gemessenen IQ-Werte feststellen.

Exzessives E-Mailen verblöde den Menschen demnach mehr als exzessives Haschisch-Rauchen (verbunden mit einem IQ-Abfall im Bereich von vier Prozent). Auch die Symptome seien durchaus ähnlich.

Die besagte Studie beruht auf Tests mit mehr als 1000 Probanten. Die Psychologen stellten bei ihren Testpersonen Müdigkeit, Lethargie und akute Konzentrationsprobleme als Folge der E-Kommunikation fest - ein Zustand, den die Forscher als "dumpf" beschrieben.

Zu hoch sei die Aufmerksamkeitsleistung, die elektronische Kommunikation dem Menschen abverlange. Zunehmend verliere er dabei die Fähigkeit, zwischen relevanten und überflüssigen Informationen zu unterscheiden.

Nervige Up-to-dateritis

Auch die sozialen Verhaltensweisen gingen in die Binsen: Obwohl die Mehrzahl der Befragten noch wahrnahm, dass es eigentlich ungehörig ist, ein laufendes Gespräch zu unterbrechen, um beispielsweise eine eingehende SMS zu kontrollieren, tut die Mehrzahl genau das. Während die SMS-Checker ihr Tun selbst als Zeichen von "Effizienz" deuteten, ließe sich im Test nachweisen, dass sie dabei nur zunehmend konfus würden.

"Always on", die Zauberformel des Informationszeitalters, stehe dabei nur synonym für das Problem einer ständigen Ablenkung von allen Beschäftigungen, die Konzentration erfordern. Glenn Wilson, der für die Studie verantwortliche Psychologe, stellt in Frage, ob dieser permanente Informations-Overload nicht zu bleibenden Schäden führen könne.

Auftraggeber der Studie war Hewlett Packardt, die aus den Ergebnissen Empfehlungen für ein konstruktives Arbeitsklima destillieren wollen. Naheliegend sei etwa die Empfehlung, SMS und E-Mails nur in Leerlaufzeiten zu kontrollieren und eben nicht während Sitzungen oder Arbeiten, die Konzentration erfordern.



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