Von Frank Patalong
Nach mexikanischen Einflüssen suchte in den letzten Jahren seines Lebens auch Joe Strummer, der legendäre Sänger der Polit-Punker The Clash. Sein Talent, den Ton wirklich aber auch nur knapp, dafür aber immer im gleichen Maße zu verfehlen, hat er sich auch in seinen folkloristisch angehauchten letzten Werken bewahrt: Das hat er mit dem Ex-Talking-Head David Byrne gemein.
Ansonsten schrummelte Strummer auf seiner letzten Scheibe mit den Mescaleros durchaus pfiffige Lieder, die die Plattenfirma nach verhaltener Ausschlachtung nun sukzessive übers Web verschenkt. "Johnny Appleseed" und "Mega Bottle Ride" machen den Anfang. Mehr Lieder von Strummer und den Mescaleros finden sich bei Tonspion.de.
Kühle Klänge: Scuba und die Groove Armada
Noch immer krumm, aber wahrlich kühl kommen die Soundexperimente von Placid Casual daher. Da hört man, wie Ohrenmenschen mit Spaß Sounds tüfteln, zu Beats verdichten, zerkreischen, zerschwurbeln: Mitunter erinnert das an den frühen Beck, ist aber weit weniger eingängig. Dass hier nicht einfach irgendwelche Hobbytüftler den Magix Music Maker strapaziert haben, teilt sich aber auch dem mit, der elektronische Soundgewitter nicht mag.
Und siehe da: Tatsächlich verbirgt sich hinter dem Pseudonym die walisische Kultgruppe Super Fury Animals, die sich als Placid Casual im Web ganz ohne jeden kommerziellen Druck austoben. Das ist völlig anders als auf ihren CDs, artifizieller aber mitunter auch kraftvoller, wie "Slow Life" zeigt. "Motherfokker" hat dagegen den zum Titel passenden Hiphop-Beat.
Viel kühler sind die Klänge von Scuba, der uns elektronisch durchaus tanzbare und trotzdem "chillige" Beats auf die Ohren gibt. Geschmackssache, tut aber niemandem weh: Wer Kruder und Dorfmeister beim Autofahren hört, könnte auch Scuba mögen. "Heavenly" mit seinem treibenden Beat kann man sich da gut vorstellen.
Hinter der Groove Armada stehen bekanntlich die DJs Tom Findlay und Andy Cato, und die dürfen mittlerweile ja als Veteranen gelten. Auch das ist typisch fürs Web: Neben den eben noch nicht bekannten Gruppen sind es oft auch leicht verglühte Sterne, die Highlights übers Web verschenken, um im Gespräch zu bleiben. Warum nicht. "M 2 Many" stammt aus dem Jahre 2001 ist ein swingendes, leicht angejazztes, leicht angefunktes Elektronik-Stück (von hoher Autofahr-Tauglichkeit, siehe oben).
Rockig: Complete
So mancher Sohnemann steht derzeit auf schnellere Beats und klirrende Gitarren - ein Rezept, das schon immer für gute Teeniemusik gut war. Rockig-punkig ist schwer in, und Bands wie Jimmy eat World, Green Day oder Blink 182 dürften auch den Jungs von "Complete" nicht fremd sein. Die Band kommt aus Vancouver, Kanada, und brüllt auch mal gern im Chor.
Peppige Anspieltipps sind "Broken", das die Band bei Purevolume zum Download in guter Qualität anbietet, oder "Not Heather" auf den Servern von Garageband.com. Die Band versucht es halt auf allen Kanälen, wo immer man Songs verschenken kann. Durchaus mit Erfolg: Auch heute sind sie wieder ein Stückchen bekannter geworden.
Poppiges: Betablokker und Co
Darauf, dass der Songschreiber von Betablokker die meisten Scheiben der Counting Crows im Schrank hat, darf man wetten. Wer die stets mochte, sich aber immer gewünscht hat, dass sie ein klein wenig weniger weinerlich wären, der ist mit Betablokker prächtig bedient. Zumal die Stimme des Sängers in ihren starken Momenten eher an Eddie Vedder von Pearl Jam erinnert. Der Betablokker-Download "Scared" ist zudem etwas ganz besonders: Die Band vertreibt ihr Material als "Share Music" unter der "Creative Commons Music Sharing License". Im Klartext: Hier darf man nicht nur zugreifen, hören, brennen und weiterempfehlen - die Künstler wünschen sich das sogar.
Ein Volldownload ist auch der über die Webseite der Band vertriebene Remix der neuen Single von Glashaus (zurechtgemischt von, nicht mit Jack Daniel). Denn auch so was gibt es: Das ist Arbeit am Fan, das bindet die Gemeinde. "Haltet die Welt an" ist gegenüber der Radioversion rhythmisch aufgebohrt, deutlich tanzbarer als das Original, deutlich länger und waschechter Mainstream, der niemandem wehtun will.
Liedermacher: Robert Wade und Co
Mit Sängern wie Jack Johnson oder Adam Green sind im Augenblick wieder Typen unterwegs, die man früher lapidar als "Liedermacher" verschubladet hätte. In dieselbe passten auch Seth Williams ("Give and give") oder Robert Wade ("Monkey Cymbals").
Das Rezept ist bekannt: Ein Mann, eine akustische Gitarre (ein paar mehr davon zum Höhepunkt) und - nur dann wenn's zuckersüß und schlimm wird - zum Überfluss ein paar Geigchen für den Background. Diese beiden sind in dieser Hinsicht lobenswerterweise eher zurückhaltend und darum durchaus hörbar: Solche Bekannte wünscht man sich fürs sommerliche Grillfest am Baggersee. Das ist zwar nicht innovativ, aber handgemacht, gefällig und auch im Büro gut per Kopfhörer zu hören - ganz "ambient", so zu sagen.
Am Pfingstsamstag in der Netzwelt: "MP3s im Netz: Hier spielt die Musik". Die Geschichte der MP3-Sammelseiten - mit Links zu den ergiebigsten Quellen im Web.
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