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Übersicht Film-DVDs Die volle Starpackung

...bieten aktuelle Zeitschriften mit ihren DVD-Filmbeilegern in der zweiten Maihälfte. Die Spanne reicht von absolutem Trash bis zu filmischen Perlen und Schnäppchen. Alle 14 Tage schafft SPIEGEL ONLINE Überblick: Wer hat was zu bieten?

Die meisten der Zeitschriften, die ihren Lesern DVD-Beileger gönnen, erscheinen monatlich. Doch 14-tägliche Ausgaben und solche, die zur Monatsmitte erscheinen, sorgen für Bewegung im DVD-Beileger-Angebot. Wir stellen die "Neuzugänge" zur Monatsmitte kurz vor. Einzelheiten zu den Angeboten, die seit Anfang Mai auf dem Markt sind, finden Sie in der letzten Folge unseres 14-täglichen Überblicks.

Die Neuzugänge zur Monatsmitte

Die großen deutschen Film-Klassiker

Heinz Rühmann: Seine Filmkarriere dauerte 67 Jahre
DPA

Heinz Rühmann: Seine Filmkarriere dauerte 67 Jahre

"Pater Brown - Das schwarze Schaf"

, Deutschland 1960. Regie: Helmuth Ashley. Darsteller: Heinz Rühmann, Siegfried Lowitz, Lina Carstens, Karl Schönböck, Maria Sebaldt. FSK: frei. Ton: Deutsch (Mono). Preis: 9,99 Euro

In der De Agostini Sammelreihe geht es weiter mit Heinz Rühmann: Das "krumme" Veröffentlichungsdatum sorgt zudem dafür, dass wir in dieser Reihe gleich immer mehrere Veröffentlichungen zu melden haben. So ist auch Gerhard Lamprechts "Emil und die Detektive" von 1931 noch im Handel (erschien am 4.5.), ab heute dann Rühmann in einer seiner Nachkriegs-Paraderollen.

Der Film über den humorigen irischen Pater mit dem Detektiv-Tick war ein wahrer Blockbuster: Dem ersten, hier vorliegenden Teil folgten zwei weitere. Rühmann erhielt für seine Verkörperung der Romanfigur von Gilbert K. Chesterton 1961 den Deutschen Filmpreis.

Sehenswert ist vor allem dieser erste Teil der Trilogie, die folgenden Teile kippten zunehmend ins Klamottenhafte ab. Für Heinz Rühmann, den fleißigsten "Fließband-Schauspieler" seiner Zeit, war der Pater Brown nur einer von vier Filmen, in denen er 1960 agierte. Knapp zwei Monate vor dem "Pater" hatte er als "Der brave Soldat Schwejk" auf der Leinwand brilliert.

Digital World

"Fargo", USA 1996. Regie: Joel Coen. Darsteller: Frances McDormand, William H. Macy, Steve Buscemi, Harve Presnell. FSK: 16 Jahre. Ton: Deutsch, Dolby Digital 5.1. Preis: 4,90 Euro.

Mit "Fargo" hat die "Digital World" einen Thriller im Gepäck, der Kritiker einst zu Lobeshymnen hinriss - und zu Recht. Klar ist das keine normale Krimi-Ware, wenn Ethan und Joel Coen dahinter stecken: Die krumme Loser-Story rund um grenzdebile Verbrecher, einen hochschwangeren Sheriff und versehentliche Morde ist so spannend wie bizarr-witzig. Natürlich ist der Streifen auch im Fernsehen schon zu sehen gewesen. Wer ihn aber verpasst hat, macht hier keinen Fehler: "Fargo" ist das DVD-Beileger-Highlight der zweiten Maihälfte.

Homevision

"Straight Shooter", Deutschland 1999. Regie: Thomas Bohn. Darsteller: Dennis Hopper, Heino Ferch, Katja Flint. FSK: 12 Jahre. Preis: 4,90 Euro.

Dennis Hopper in einem Action-Thriller aus deutschen Landen? Keine voreiligen Schlüsse: 1999 hatte Hopper seine Durststrecke, in der niemand mehr etwas von ihm wissen wollte, längst überwunden. Es handelt sich hier also nicht um den "Alle haben mich vergessen, ich glaub ich geh nach Deutschland"-Effekt (David Hasselhoff, Eric Burdon und andere). Da bleibt als Erklärung eigentlich nur, dass die Übersetzung des Drehbuchs besser gewesen sein muss als die deutsche Version.

Charakterkopf: Dennis Hopper
DPA

Charakterkopf: Dennis Hopper

Was nicht heißt, dass "Straight Shooter" unprofessionell gemacht wäre. Der Film ist ein Hochglanzprodukt, wie es hierzulande nur selten zu sehen ist. Alle sehen eigentlich immer gut aus, sind mächtig cool, die Leichen fallen wie die Blätter im Herbst. Die Handlung hat sogar sinistre Polit-Konnotationen (Leukämie durch Kernkraft) und täuscht so Tiefe vor, und nur die flachen Dialoge riechen nach B-Picture.

Die Kritik war sich entsprechend uneins: Für die einen war "Straight Shooter" ein unterhaltsamer deutscher Thriller, für die anderen etwa so glaubhaft wie deutsche Actionserien im Privatfernsehen (da gibt es ja auch Maschinengewehr schwingende Heli-Polizisten und Explosionen in Berlin Mitte).

Was soll's: Dieses deutsche "Stirb langsam" ist auch nicht unglaubwürdiger als der ganz normale Bruce-Willis-Schinken, nur fällt das Überzogene in teutonischen Stadtlandschaften eben eher auf als in amerikanischen Wolkenkratzern. Also wieder ein Fall für die Popcorntüte und ein kühles Pils: Entspannen, Kopf abschalten, dann macht die Sache auch Spaß.

PCgo

"Kinder des Zorns", USA 1984. Regie: Fritz Kiersch. Darsteller: Peter Horton, Linda Hamilton. FSK: 16 Jahre. Ton: Deutsch. Preis: 6,99 Euro.

Wenn man so will, ist "Kinder des Zorns" ein Klassiker, der sich durchaus einreiht in zahlreiche Verfilmungen von Steven-King-Stoffen. Und zwar nahtlos: Die meisten, zumal die frühen King-Filme, waren filmisch - wenn man es höflich fassen will - bescheiden. Qualitativ gute, gar anspruchvolle King-Verfilmungen gab es erst, als der Vielschreiber es schaffte, der reinen Horror-Trash-Schublade zu entkommen. In den Achtzigern jedoch tobten sich mitunter zweitklassige Regisseure mit Mini-Budgets an King-Stoffen aus, die in ihrer filmischen Umsetzung weit trashiger daherkamen als selbst die schwächeren seiner Bücher.

Stephen King: Schrieb längst nicht nur Trash
AP

Stephen King: Schrieb längst nicht nur Trash

Über "Kinder des Zorns" hatte der SPIEGEL 1984 folgendes zu berichten: "Noch weiter hinter Kings Vorstellungskraft bleibt 'Kinder des Zorns' zurück, eine Verfilmung von der Stange, die nächste Woche in Deutschland anläuft. Mit dessen Kurzgeschichte 'Children of the Corn' (Kinder des Mais) hat der Film etwa so viel zu tun wie Maizena-Reklame mit 'Früchte des Zorns'."

So sah das die Filmkritik damals, Fans von King-Filmen sehen das womöglich heute anders: Gerade die richtig fies schlechten Streifen genießen ja mitunter Kultstatus. Wann liegt einer deutschen Zeitschrift endlich die vollständige Serie des Gummimonsters Godzilla bei?

PC Magazin

"Der goldene Riecher", Kanada/Irland 2001. Regie: David Caffrey II. Darsteller: Robbie Coltrane, Brenda Blethyn, Dan Aykroyd. FSK: 12 Jahre. Ton: Deutsch. Preis: 6,99 Euro.

Robbie Coltrane gehört zu Großbritanniens souveränen Komikern (er ist "Hagrid" in den Harry-Potter-Filmen), Dan Akroyd ist ein Meister der Klamotte: In welches Genre dieser Film gehört, ist damit klar.

Sonst allerdings nichts: Der Film ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Geheimtipp, ein unbeschriebenes Blatt. Ins Kino hat er es in Deutschland nicht geschafft, was aber nicht unbedingt etwas heißen muss. In die Presse allerdings auch nicht: Kritiken des Films sucht man vergeblich, auch in der hauseigenen Kulturredaktion ist das Werk eine große Unbekannte. Hat den Film hier schon einmal jemand gesehen?

Allein in Kanada (wo das Geld für den Film herkam) konnte "On the Nose" (so der Originaltitel) punkten. In Irland, wo man weiß, wie man in Dublin wirklich tickt, erntete das Werk dagegen durchwachsene Kritiken: Das reicht von "ganz lustig" über "ohne Biss" bis zu Mäkeleien an Robbie Coltrane, der hier einen Dubliner spielt, ohne den Dialekt zu beherrschen ("terrible accent"). Das aber braucht den deutschen Zuschauer nicht zu interessieren, denn natürlich fehlt auch dieser Beipack-DVD die originale Tonspur. Kurzum: eine Überraschungspackung.

Die DVD enthält übrigens noch eine Überraschung: Ein Hörbuch von Stanislaw Lems "Der Unbesiegbare".

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