Von Frank Patalong
Ein Jahr zuvor wagte Spock in "Mein Name ist Nomad" schon einmal die "Geistverschmelzung" mit einer Maschine. Die Botschaft fiel ähnlich aus: Am Ende besiegt Spock die Killerdrone dadurch, dass er ihr einen logischen Fehler nachweist. Da aber seelenlose Maschinen nicht irren dürfen, zerstört die sich selbst - reingelegt!
Kurzum: Computer sind doof.
Das sahen die Macher von "Star Trek - Next Generation" rund 20 Jahre später schon anders. In einer Folge mutiert der immer ziemlich schusselige Leutnant Barclay zu einem wahren Hypergenie, nachdem sein Geist mit einem Superrechner verschmilzt. Das Maschinenwesen erweist sich als stärker als der Mensch, steuert Barclay gegen seinen Willen. Am Ende gewinnt der sogar noch ein paar IQ-Punkte, als ihn die Maschine wieder loslässt: So viel Intellekt lässt auch das primitive Menschenhirn nicht unbeeindruckt.
Die vielleicht menschlichste Figur der Serie, der absolut nicht-menschliche Maschinenmensch Data, wird gleich mehrmals zum "Gefäß" für Geist und Seele anderer Lebewesen. In "Ungebetene Gäste" (Sternzeit: 45571,2) übernehmen die zu Energiewesen mutierten Seelen verurteilter Strafgefangener die Kontrolle über ihn und einige seiner Kumpel und Kollegen. Der Androide Data erweist sich dabei als ziemlich idealer Alternativkörper.
Das findet auch der technisch frisch gehaltene Geist der uralten Gottheit "Masaka", der in "Der Komet" die Kontrolle über Data übernimmt. Weil Nomen ja oft Omen ist, erweist sich Masaka als reichlich fieser Möp, der zum Glück durch eine Art Exorzismus ausgetrieben werden kann.
Ist Speicher gleich Speicher?
Den Visionen mancher Transhumanisten und "Uploader" am nächsten kommt jedoch die Folge "Das fremde Gedächtnis".
Hier wird Data zum neuen Körper des genialen, todkranken Forschers Ira Graves. Der rettet so nicht nur so seinen Geist, sondern auch seine Seele inklusive Libido, was dann auch sofort auffällt, als Data beginnt, Graves Assistentin Kareen Brianon anzubaggern.
Das Fleisch ist halt schwach, auch wenn der Körper künstlich ist: Es gibt Dinge, die wollen bei Mensch und Maschine nicht so recht zueinander passen.
Am Ende sieht das natürlich auch der eigentlich herzensgute Graves ein und stimmt der Übertragung seiner Wesensessenz auf den Bordcomputer der "Enterprise" (ein deutlich weniger durch Systemabstürze oder Viren bedrohtes Modell als heutige) zu. Natürlich geht dabei leider, leider seine Seele verloren: Graves wird als reiner Intellekt konserviert.
Überhaupt schienen sich die "Star-Trek"-Macher am Ende zu der Erkenntnis durchgerungen zu haben, dass sich Mensch schnell die Seele erkältet, wenn er zu mechanisch wird: Die zu einer Art bio-mechanisch-digitalem Bienenschwarm assimilierten Borg sind das abschreckendste Beispiel. Sie kultivieren allenfalls noch Tertiärtugenden wie absolute Ordnung und Kadavergehorsam, sind aber so auf Effektivität gebürstet, dass ihnen selbst das Assimilieren der halben Galaxie keinen Spaß mehr macht. Den Menschen überlegen - aber schaurig.
Und da wollen diese Visonäre hin?
Ob nun ein "Upload", die Übertragung der geistigen Wesensessenz eines Menschen auf eine Datenbank, überhaupt je Bewusstsein haben könne, wird auch unter den Verfechtern solcher Visionen kontrovers diskutiert.
Für Ray Kurzweil ist klar, dass die Entwicklung nicht nur wirklich intelligenter, sondern gar emphatischer Computer fast unmittelbar bevorsteht. Mehr noch: Rechenmaschinen sollen seiner Vorstellung nach als neuronale Rechner eigenes Bewusstsein entwickeln - auch das eine in der Science Fiction gängige Vorstellung, wie sie zum Beispiel in Steven Spielbergs "Der 200-Jahre-Mann" (basierend auf einer Novelle von Isaac Asimov) oder in Philip K. Dicks "Do Androids Dream of Electric Sheep?" ihren Niederschlag findet (mit Harrison Ford als "Bladerunner" verfilmt).
Für solche Tech-Optimisten ist die Antwort auf die Seelen-Frage also dann zu bejahen, wenn die Strukturen des elektronischen Gehirns denen des menschlichen ähneln oder sie erfolgreich emulieren können. In der Datenbank eines solchen neuronalen Rechners träumen dann organisch tote, elektronisch bewahrte Seelenheiten gemeinsam ihr ewiges Leben - zumindest bis zum Stromausfall oder Hardware-Crash. Die "softere" Variante der gleichen Vision kann sich auch Marvin Minsky vom MIT vorstellen. Kryonisch konservierte, im Klartext: tiefgefrorene Menschen könnten demnach ihre Leben virtuell als Avatare weiterführen - die Matrix lässt grüßen.
Spätestens an diesem Punkt wird die Vision zum zukunftsträchtigen Geschäft. Wenn man daran glaubt, dass in nicht allzu ferner Zukunft eine Form der elektronisch ermöglichten Unsterblichkeit denkbar sei, was liegt näher, als sich einfrieren zu lassen?
Das tut auch der reiche Tom Cruise in "Vanilla Sky", als er sein Leben nicht mehr erträgt - er träumt es fortan im Kälteschlaf. Das "Unhappy Ending" des Films zeigt uns, dass das manchmal besser ist.
Es geht also auch um Erlösungsphantasien. Obwohl viele Transhumanisten den Religionen sehr fern stehen, hat ihr Glaube an die "Heilung des Alterns" und ein Leben nach dem organischen Tod selbst etwas sektiererisches, neo-religiöses - und mitunter sehr geschäftstüchtiges: Wo sich heute schon Geld mit den Dienstleistungen von morgen machen lässt, sind Börsenmakler und Prediger nie fern.
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