Xbox-"Kreditkarte": Kredit bekommt die Bank
Früher war eine Kreditkarte etwas Besonderes. Nur ganz wichtige Leute besaßen das Privileg, mit ihrem guten Namen bezahlen zu können. Demnächst werden wohl sogar schon Schüler bei passender Gelegenheit die eigene Karte zücken, obwohl sie bei ihrer Bank noch nicht einmal eine normale Geldkarte zum Abheben an beliebigen Automaten bekommen würden.
Möglich machen das Microsoft, Visa und die Landesbank Berlin. Seit heute bieten sie eine speziell für junge Gamer entwickelte Kreditkarte an - die Xbox Visa Card prepaid. Ein Angebot, das offenbar dringend gebraucht wird. Wer auf der Xbox online spielen will, muss nämlich nicht nur monatlich oder jährlich dafür zahlen, sondern außerdem eine Kreditkartennummer angeben. Für Jugendliche ein Problem, denn in Deutschland dürfen ihnen Banken keine echte Kreditkarten ausstellen. Kredite dürfen erst an Personen über 18 Jahren vergeben werden.
So ersannen die Marketingexperten von Visa eine Prepaid-Kreditkarte. Auf diese muss zunächst ein Guthaben eingezahlt werden. Solange ein Guthaben existiert, kann die Karte wie eine normale Kreditkarte benutzt werden, etwa beim Einkaufen im Geschäft. Ins Minus rutschen kann man nicht, das kennen die Schüler ja schon von ihrer Handy-Prepaid-Karte.
Die Bezeichnung Kreditkarte ist deshalb eigentlich unangebracht, denn Kredit bekommt man mit der Xbox-Karte nicht. Irgendwie passt der Begriff aber doch, denn dank Prepaid erhält die Bank einen Kredit, und zwar vom Kunden - ganz schön raffiniert. Beim Kredit fallen auch Zinsen an; allerdings sind es nur zwei Prozent, die Kartenbesitzern gutgeschrieben werden.
Damit die Zielgruppe auch bedenkenlos zugreift, wird die Karte für 14- bis 22-Jährige gratis angeboten, ab 23 werden jährlich 12 Euro Gebühr fällig. Offenbar hofft man bei Visa, mit dem Angebot die Verbreitung von Kreditkarten in Deutschland zu erhöhen, wo man bis auf wenige Ausnahmen mit der herkömmlichen Maestro-Karte (vormals ec-Karte) sehr gut zurecht kommt.
Die Prepaid-Karte werde "viele Eltern begeistern", glaubt Johannes Evers, Vorstand der Landesbank Berlin. "Sie eröffnet neue Freiräume und mehr Sicherheit bei voller Budgetkontrolle."
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