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04.08.2005
 

Wiki-Orakel

Zehn Dinge, die umsonst sein werden

Von Holger Dambeck

Der Erfinder von Wikipedia, Jimmy Wales, träumt von der schönen kostenlosen Internetwelt. Auf der Wikipedia-Konferenz in Frankfurt wird er morgen eine Liste von Angeboten vorstellen, die seiner Ansicht nach kostenlos sein werden. Zum Beispiel Lehrbücher, Lexika und Wörterbücher.

Wiki-Gründer Wales: "Die freie Kultur wird Euch einholen"
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Wiki-Gründer Wales: "Die freie Kultur wird Euch einholen"

Dass Menschen ohne Bezahlung für eine große Idee arbeiten ist heutzutage ziemlich ungewöhnlich. Doch im Internet wächst ein gegenläufiger Trend. Mit freier Software, die von Tausenden Programmierern weltweit entwickelt und verbessert wird, fing es an. Das kostenlose Betriebssystem Linux und der Gratis-Browser Firefox passen nicht so Recht ins marktwirtschaftlich geprägte Weltbild. Wieso arbeiten Leute freiwillig und ohne Lohn an einem Produkt, das es in anderer Form zu kaufen gibt?

Die Online-Enzyklopädie Wikipedia markierte den nächsten Schritt: Den Machern geht es nicht nur um kostenlose Software, sondern auch um frei zugängliches Wissen. Das 2001 gestartete Internetlexikon hat in seiner englischen Ausgabe längst mehr Einträge als die renommierte Encylopaedia Britannica. Auch die deutschsprachige Wikipedia-Seite hat den großen Brockhaus hinsichtlich der Zahl der Einträge mittlerweile überholt.

Inspiration für die "free culture movement"

Doch damit gibt sich Jimmy Wales, der Gründer von Wikipedia, nicht zufrieden. Auf der ersten weltweiten Wikipedia-Konferenz, der Wikimania, die morgen in Frankfurt beginnt, will Wales weit nach vorn schauen. "Zehn Dinge, die umsonst sein werden" - so lautet seine Keynote. Eine bewusste Anspielung auf den deutschen Mathematiker David Hilbert, der im Jahr 1900 eine Liste von zehn ungelösten Problemen der Mathematik vorgestellt hatte (die später auf 23 Einträge erweitert wurde).

Hilberts Liste habe die Mathematik stark beeinflusst, erklärte Wales. "Ich hoffe, dass meine Liste zur einer ähnlichen Inspiration für die 'free culture movement' wird", schreibt er in einem Blog-Beitrag. Es handle sich keinesfalls um Wunschträume; er glaube daran, dass die genannten Dinge tatsächlich frei erhältlich sein werden.

Als aller erstes nennt Wales - kaum überraschend - Enzyklopädien. Aber auch sämtliche Lehrbücher, von der Schule bis zum Studium, werden nach seiner Meinung spätestens im Jahr 2040 als frei zugängliche Werke existieren. Das entsprechende Projekt Wikibooks wurde bereits gestartet. "Langfristig wird es sehr schwer für herkömmliche Verlage werden, mit frei lizensierten Alternativen mitzuhalten." Einem offenen Projekt, an dem Dutzende Professoren mitarbeiteten, könne ein Verlag kaum Paroli bieten.

Auch Wörterbücher gehören zu den Dingen, deren Zukunft der Wikipedia-Gründer in frei zugänglichen Websites sieht - das zugehörige Projekt Wiktionary läuft bereits. Welche Produkte außerdem noch von der Umsonst-Kultur bedrängt werden könnten, will Wales morgen ab 11 Uhr verkünden. Auch die Community bat er um Vorschläge, er selbst wird sieben Produkte nennen, die fehlenden drei überlässt er den Wikipedianern.

Managern gibt Wales einen ganz persönlichen Rat: Jeder, dessen Geschäftsmodell auf Produkten beruhe, deren Inhalte streng reglementiert seien, solle gut aufpassen: "Die Umsonst-Kultur wird euch einholen".

Wikipedianer trotz allem Bücherratten

Auf der Konferenz in Frankfurt sind mehr als 60 Vorträge geplant. Die Organisatoren rechnen mit knapp 400 Teilnehmern. Wikipedia, die weltweit größte frei zugängliche Wissensdatenbank, startete im Januar 2001 zunächst nur in englischer Sprache. Heute können über den kostenlosen und werbefreien Dienst Artikel in über 100 Sprachen abgerufen werden.

Täglich 500.000 Besucher registriert allein die deutsche Version, die mit über 267.000 Artikeln die zweitgrößte Ausgabe nach der englischen ist.

Dass die Anhänger des Internet-Wissens für ihr Treffen ausgerechnet die Stadt der weltgrößten Buchmesse ausgewählt haben, soll kein Affront sein, versichert Wales. Verlage hätten trotz der "free culture movement" eine Zukunft, auch wegen der Wikipedianer. Viele seiner Mitstreiter seien wie er wahre Leseratten, verriet Wales. Kaum in Frankfurt angekommen, hat Wales erstmal eingekauft - Bücher natürlich.

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15.03.2007 von PatrickNoel:

" Diese Profis leben von Ihrer Qualifikation. Ist das denn niemandem klar? Wenn man sie nicht dafür entlohnt, werden sie bald nicht mehr arbeiten können. Und dann wird KEIN neues Wissen mehr gerneriert. " Bis das [...] mehr...

04.03.2007 von Eiermann:

Ein im Ansatz interessantes Beispiel für die weitere selbstorganisatorische Entstehung spezieller Wikis habe ich heute gerade zur Stadt Karlsruhe gefunden: http://ka.stadtwiki.net/Stadtwiki:Übersicht [...] mehr...

04.03.2007 von albatroxx: Wer das kann, ...

der macht das sicher nicht gratis. a mehr...

04.03.2007 von arbol01:

Heute habe ich ein Exemplar der neuen C't erworben. Dort wurden mal wieder unterschiedliche Enzyklopädia getestet und verglichen (Encarta, Bertelsmann, Brockhaus und Wikipedia. Habe ich eine vergessen?). Zwei Brüller: [...] mehr...

04.03.2007 von Eiermann:

Dann amüsieren sich Dritte. ---Zitat--- Wer korregiert? Wer schlichtet? a ---Zitatende--- Die Menge. Soviel ich mitgekriegt habe, korrigiert, be- und abstimmt die Mehrheit. Was mir an Wikipedia mittlerweile allerdings [...] mehr...

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