Mit der Moral in den USA ist das so eine Sache. Solange 17-Jährige auf ihrer Spielkonsole reihenweise Gegner umnieten, stört sich kaum jemand daran. Kommt jedoch etwas nackte Haut - oder schlimmer noch - Sex ins Spiel, ist der Aufruhr groß. Wie zuletzt bei Grand Theft Auto, als sogenannte Nackt-Mods die Runde machten, kleine Zusatzprogramme, die Spielfiguren die Klamotten vom Leib zauberten.
Christliche Spielentwickler möchten den Millionen Gamern weltweit jetzt gottesfürchtige Alternativen zu Shooter- und Prügelspielen bieten. Eine Handvoll kleinerer Firmen versammelte sich in der vergangenen Woche in Portland, Oregon, zur Christian Game Developers Conference, um Spielkonzepte mit Glaube und Moral zu verbinden. "Equipping Game Developers to Glorify God" - Spielentwickler befähigen, Gott zu preisen - so lautete der offizielle Slogan der Konferenz.
Man wolle Entwickler ermutigen, christliche Werte in die Spielbranche einzubringen, erklärten die Veranstalter. Es ginge darum, für Moral und Aufrichtigkeit in einer Industrie einzutreten, die oftmals genau gegen diese Werte kämpfe.
Die bibelfesten Gameanbieter hoffen, von dem Boom christlicher Musik und Filme zu profitieren, der derzeit in den USA zu beobachten ist. Angeblich sollen religiöse Werke bereits sieben Prozent des gesamten Musikmarktes beherrschen.
Computer und Spielkonsolen waren für die Missionare bislang weitgehend unerschlossenes Terrain. Doch mittlerweile hat man erkannt, welche große Bedeutung Spiele im Leben von Jugendlichen haben und setzt verstärkt auf christliche Spielinhalte. "Computergrafik ist das beste Erzählwerkzeug der Welt", sagte Peter Churness von Rebel Planet Creations der Website "Wired". "Welchen besseren Weg gibt es, um die großartigste aller Geschichten zu erzählen?"
Ein Beispiel frommen Zockens ist das Rollenspiel "Timothy and Titus", das die australische Firma White Knight Games entwickelt hat. Der Spieler übernimmt die Rolle eines Jüngers des heiligen Paulus. Er muss in den Jahren nach der Kreuzigung Christi die Botschaft des Evangeliums im Mittelmeerraum verbreiten. Statt Munition und Gesundheitspäckchen zu sammeln geht es darum, Punkte für Liebe, Hoffung und Glaube zu ergattern. Gegner werden nicht angegriffen, man betet vielmehr für sie.
In künftigen Versionen des Spiels soll auch Gewalt möglich sein; diese soll jedoch nicht helfen, um im Spiel voranzukommen. "Ich möchte, dass Menschen über ihre Handlungen entscheiden können", sagte Firmenchef Laurence Escalante dem Magazin "Wired", "selbst wenn sie falsch sind".
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