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28.08.2005
 

Australien

Handy-Spam von Vater Staat

Von Christoph Seidler

Das australische Militär plagen Nachwuchssorgen. Deswegen soll die Werbung nun aggressiver werden. Potentielle neue Rekruten sollen deshalb in Zukunft mit Werbe-SMS überschwemmt werden – den strengen australischen Anti-Spam-Gesetzen zum Trotz.

Australischer Soldat: Frische Kollegen könnten bald per SMS-Spam geworben werden
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REUTERS

Australischer Soldat: Frische Kollegen könnten bald per SMS-Spam geworben werden

Man mag darüber räsonieren, ob Gesetze gegen die Versender von nervenden Werbemails, Handy-Kurznachrichten oder - seit neuestem - auch automatischen Voip-Werbeanrufen helfen. Doch wenn sie das tun, dann steht ein Land besonders gut da: Australien.

Das Land "Down-Under" hat nach Ansicht von Experten eines der besten Anti-Spam-Gesetze der Welt. Der australische "Spam Act" aus dem Jahr 2003 wird bei Expertenrunden der Internationalen Fernmeldeunion oder der OECD-Anti-Spam Task Force gern als Vorbild für Länder präsentiert, die sich ebenfalls ein Anti-Spam-Gesetz zulegen wollen.

Das liegt unter anderem daran, dass sich das Gesetz nicht nur auf Mails beschränkt, sondern technologieneutral ist, also auch für SMS, MMS und andere Dienste angewendet werden kann. Auch gibt es keine Mengenbeschränkung: Schon eine einzige unerwünschte Nachricht wird als Spam angesehen.

Doch australischen Jugendlichen könnten diese strengen Regeln trotzdem nichts nutzen. Das australische Militär, so berichteten Medien am Sonntag, will nämlich in Zukunft mit Werbe-SMS auf der Suche nach potenziellen Rekruten gehen. Handy-Spam von Vater Staat, sozusagen. Doch obwohl die Deutsche Presseagentur das ganze schon als Tatsache vermeldet ("Angesichts drängender Nachwuchsprobleme greifen die australischen Streitkräfte jetzt zu einer zeitgemäßen Taktik"), ist das ganze bis jetzt wohl kaum mehr als ein Gedankenspiel.

Tatsächlich erwägt die australische Regierung offenbar, bei der anstehenden Überarbeitung der Rekrutierungsprozeduren für die Australian Defence Force (ADF) vielleicht auch die Möglichkeit der Rekrutenwerbung per SMS aufzunehmen. Denn die australischen Behörden haben immer größere Probleme, Nachwuchs für ihre 52.000 Mann starke Truppe zu finden.

Bürgerrechtler laufen bereits Sturm gegen eine mögliche SMS-Werbung. Sie sehen die Privatsphäre gefährdet: "Wir verstehen die Nöte des Militärs, halten dies aber nicht für einen angemessenen Weg zur Lösung", erklärte etwa Anthony Williamson von der Organisation Civil Liberties Australia.

Besonders heikel ist dabei, dass die Regierung offenbar erwägt, die Kontaktdaten der jugendlichen Empfänger bei kommerziellen Adressenhändlern einzukaufen. Das sei, so verteidigen die Behörden in Melbourne ihre Pläne, eine gängige Praxis kommerzieller Arbeitgeber - aber eben auch von Spammern.

Und so wird die Zukunft zeigen, ob es die Werbe-SMS vom Militär tatsächlich eines Tages geben wird. Der "Spam Act" jedenfalls enthält unter Umständen ein Schlupfloch, mit dessen Hilfe die Militärpost aufs Handy doch legal sein könnte. In Sektion 44 des Gesetzes wird nämlich die "politische Kommunikation" ausdrücklich vom Spam-Verbot ausgenommen.

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