Von Frank Patalong
Kevin Sites ist schon eine Menge herumgekommen, keine Frage. Als freiberuflicher Kameramann berichtete er im Auftrag verschiedener Sender aus dem Kosovo, aus Kolumbien, aus Afghanistan und dem Irak. Aber wie das so ist mit den Leuten hinter der Kamera, kannte man seinen Namen dennoch nicht.
Doch Sites muss früh den Ehrgeiz entwickelt haben, eine One-Man-Show zu bieten. Anders als Kollegen und Konkurrenten setzte er bald auf digitales Equipment und gewann so ungeahnte Mobilität und Freiheit: Als mit Kleinst-Equipment ausgerüsteter Kameramann ohne weiteres Team drehte er vor Ort und funkte seine Beiträge zum auftraggebenden Sender.
Im Irak-Krieg war das CNN, und eigentlich schien Kevin Sites nicht prädestiniert, gegen das Bericht-Feuerwerk der "eingebetteten" Journalisten großartige Akzente setzen zu können. Sites war eben nicht von den Amerikanern in einen Panzer gesetzt worden, um den Krieg aus Soldatenperspektive mitzuschneiden. Er war im Nordirak unterwegs, zur heißen Phase des Konfliktes ein Nebenkriegsschauplatz.
Doch genau dort gelang es ihm, binnen nur 13 Tagen zur "Stimme von CNN" zu werden: Kevin Sites veröffentlichte sein erstes "Warblog".
Vom 9. bis zum 21. März 2003 dokumentierte er seine Arbeit als Kriegsberichterstatter, und das schien den Medien in aller Welt viel authentischer als selbst Sites Filme. Hier war einer nicht nur als Träger einer alles aufzeichnenden Kamera Zeuge, sondern auch ganz subjektiv. Als CNN dem freien Korrespondenten am 21. März nahe legte, sein Blogging einzustellen, gewann dieser mehr Glaubwürdigkeit, als er mit der Kamera je hätte erzielen können. Sites wurde zum Inbegriff des neuen "digitalen Reporters".
Den man womöglich dennoch so schnell vergessen hätte wie seine bloggenden Kollegen in den Tagen des Irak-Krieges. Dann jedoch kam der 15. November 2004, als sein Mitschnitt einer unprovozierten Erschießung eines Verletzten die Welt erschreckte. Ein US-Soldat in einer Moschee in Falludscha erschoss dort einen am Boden liegenden Verletzten, der sich noch nicht einmal rührte. Kevin Sites nahm die Bilder auf und geriet in eine heftige Diskussion.
Ein "Antikriegsaktivist" zu sein wurde ihm vorgeworfen, was den Schlachtenbummler mächtig ärgerte. "Jeder", schrieb er in einem offenen Brief an die US-Armee, "der meine Fernsehreportagen gesehen hat, weiß, dass ich versuche, mich neutral zu verhalten."
Auch dieser Brief und die Diskussion darum machten Schlagzeilen, und jetzt war Kevin Sites nicht mehr nur der Name eines Kameramannes, eines bloggenden Reporters, jetzt war er der Name einer Person. Einer Medien-Persönlichkeit. Mit dem Yahoo-Angebot macht er einen weiteren Schritt: Bei "Kevin Sites in the Hotzone" ist sein Name sogar Programm.
Frank Patalong
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