Als Google Ende letzten Jahres seinen Plan, das Wissen der Welt per Suche erschließbar zu machen, auf Bücher ausdehnte, regte sich umgehend Kritik. Französische, später auch deutsche Bibliothekare kritisierten, hier drohe eine weitere Monopolisierung des Webs durch Quellen englischer Sprache. Europäische Literatur und akademische Quellen drohten ins Hintertreffen zu geraten, hinter der Info-Flut aus amerikanischen Uni-Bibliotheken zu verschwinden. Kurzum: Stimmen wurden laut, dieses neue Google-Feature doch bitteschön auf nicht englischsprachige Quellen auszudehnen.
Dann folgte eine Denkpause.
Im Frühjahr begannen sich vor allem die Stimmen zu mehren, die hinter der Google-Büchersuche auch eine Bedrohung der Urheber- und Verwertungsrechte witterten. In Europa, wo Google sich an das Einscannen von Büchern aus der Bibliothek der Uni Oxford begeben möchte, soll diese Erfassung auf Bücher begrenzt werden, die nicht mehr als gedruckte Ausgabe vorliegen.
In Amerika hingegen zielt Google auf die vollständigen Bestände der Bibliotheken der Universitäten Harvard, Michigan und Stanford, sowie auf die "Out of print"-Werke in der New York City Public Library. Lauter werdender Kritik, hier könnten Copyrights verletzt werden, begegnete Google mit dem Angebot einer Negativ-Liste: Jeder Autor, der gegen das Scannen seiner Werke Einspruch erheben wolle, könne dies ja tun.
Das aber, argumentiert der US-Autorenverband Writers Guild, in dem rund 8000 amerikanische Buchautoren zusammengeschlossen sind, sei eine Verdrehung der Urheberrechte: Allein ein Autor bestimme über eine solche Verwertung seiner Werke, nicht Google.
Google mit seiner feinen Nase für Trends stoppte die Scanner vorsorglich bereits im August, um Rechteinhabern bis November Zeit zu geben, ihre Werke vom Scannen ausschließen zu lassen. Geholfen hat das indes nichts. Am Dienstag reichten drei US-Autoren und die Writers Guild Klage wegen massiver Copyright-Verletzungen bei einem New Yorker Gericht ein.
Bei Google versteht man die Aufregung nicht. In einer Pressemitteilung bedauert Google die Klage: Der Plan der Bücherdigitalisierung komme doch direkt den Autoren und Verlagen zugute. Schließlich sollten doch nur kleinere Teile der eingescannten Werke zu sehen sein, solange die Rechteinhaber ihre Erlaubnis zum vollständigen Zeigen der gescannten Werke nicht geben.
Der Suchmaschinenbetreiber sieht sein Projekt als ambitionierten Teil des Planes, das "Weltwissen" zu erschließen und will sich das rund 200 Millionen Dollar kosten lassen. Die Kritiker hingegen verweisen darauf, dass Google durchaus plane, mit der Büchersuche Geld zu verdienen. Das hätte Google dann mit vielen Verlagen gemein: Anders als die im Autorenverband zusammengeschlossenen Autoren folgten die meisten großen US-Verlagshäuser einem Aufruf Googles, Bücher zum Scannen regelrecht einzureichen. Sie hoffen darauf, dass die Suchfunktion ihre Produkte leichter auffindbar und damit auch verkäuflich machen wird.
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