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AOL, Google, Yahoo Angriff auf die alte Medienwelt

2. Teil: Im zweiten Teil: AOL macht Fernsehen, Google spielt damit und Yahoo investiert in Redaktion und Edelfedern. Die Web-Marken warten nicht länger, der Angriff auf die etablierten Medien beginnt. Weiter...

Wie zuletzt in den späten Neunzigern wachsen bei den Internetfirmen wieder die Ambitionen, sich zu echten Medienmarken zu mausern. Die Nase vorn haben AOL und Yahoo: Über ihre Webseiten, letzte Überlebende der "Portal"-Zeit des Webs, binden sie mehr und mehr audiovisuelle Inhalte ein.

Yahoo-Manager Terry Semel: Will die Web-Marke zur Medienmarke machen
REUTERS

Yahoo-Manager Terry Semel: Will die Web-Marke zur Medienmarke machen

Ganz selbstverständlich hören AOL- und Yahoo-Nutzer dort heute Musik, sehen sich die Videos dazu an, holen sich Videoclips zu den Nachrichten und bekommen - insbesondere bei AOL - auch schon mal das eine oder andere Exklusiv-Konzert auf den Desktop gestreamt. Dazu kommen, namentlich bei AOL, regelrechte News-, Reality- und Gossipshows, die exklusiv für die Web-"Ausstrahlung" produziert werden.

Gerade die Musik-"Sender" AOL Music und Yahoo Launch bieten schon heute ein Programm, wie es MTV einst tat und heute nicht mehr kann. Dass die Abwanderung junger Zielgruppen ins Web im vollen Gange ist, kann da kaum verwundern: Den Kids wird dort was geboten.

Web-Nutzer wollen alles

Doch Yahoo und AOL sind noch immer vor allem Web-Marken. Auch ihre Nutzer erwarten von ihnen nicht, dass sie im Web "nur" langsam zu einem TV-Ersatz mutieren. Der Web-Nutzer erwartet zu jedem gegebenen Zeitpunkt grundsätzlich das volle Päckchen der Möglichkeiten - und das bedeutet im Web heute Schrift, Ton, Bild, Video, Interaktion und Kommunikation in verschiedenen Ausprägungen und Kombinationen. Diese Erwartungshaltung kann man bedienen, indem man den Rundumschlag wagt - oder indem man sich spezialisiert und nur Teile davon professionell bedient.

Die "großen Drei" haben sich offenbar für den professionellen Rundumschlag entschieden.

Wie schon einmal arbeitet Yahoo erneut daran, das eigene Profil als "Medienmarke" zu schärfen. Auffällig ist die Wanderbewegung kreativen Personals von den klassischen Medien in Richtung Web-Marken. Vor Jahresfrist holte sich Yahoo den ehemaligen ABC-Manager Lloyd Braun an Bord, um Yahoos Video- und Entertainment-Angebote aufzubauen. Letzte Woche wurde bekannt, dass AOL dem Disney-Konzern den Web-Entertainment-Experten Erik Flannigan abspenstig machte. Derweil sorgt Google mit einer Stellenanzeige für Aufsehen, die darauf hindeutet, dass der Suchmaschinen-Gigant seine "programmbegleitenden" Services weiter ausbauen will.

Yahoo ist da bereits deutlich weiter. Wie Google unterhält auch Yahoo einen Nachrichten-Suchdienst, der die News anderer Anbieter zusammenträgt. Den peppte Yahoo seit August deutlich auf, indem zur schriftlichen Nachricht nun auch Videoberichte von CNN und ABC kamen. Daneben jedoch strickt Yahoo offensichtlich daran, sich mit einem eigenen redaktionellen Profil von den bloßen Sammelservices abzusetzen.

Dazu gehören Angebote wie das "Kriegstagebuch" des Journalisten Kevin Sites, das Yahoo vor kurzem als Beginn einer redaktionellen Qualitäts-Initiative aus der Taufe hob. Schon bald soll eine Seite zum Thema Reisen und Abenteuer dazu kommen - ein Angebot, dass man im Fernsehen "Doku-Serie" nennen würde, im Web aber wohl "Multimedia-Blog" taufen wird. Doch Yahoo plant mehr als nur Infotainment.

Mit eigenen Meinungsformaten und Feature-Seiten wolle Yahoo fürderhin Glanzpunkte mit Yahoo-Stallgeruch setzen, hieß es Anfang August. Diese Woche zeigte Yahoo, wie es das schaffen will: Allein für die Wirtschaftsberichterstattung heuert Yahoo derzeit 30 Kolumnisten an - glücklich die Tageszeitung, die so etwas bezahlen kann.

Dass Yahoo mit dieser Nachricht trotzdem reichlich Spott erntete, ist kaum verwunderlich. Einerseits fehlt dem publizistischen Angebot Yahoos noch der qualitativ gute Unterbau, auf dem man dann Edelfedern in glaubhaftem Umfeld präsentieren kann: Wer, fragte da mancher, surft zu Yahoo für die aktuelle Wirtschaftsanalyse, statt zum "Wall Street Journal"?

Andererseits könnte hier und dort durchaus leichte Panik keimen. Was gerade die großen Web-Marken aus Sicht der etablierten Medien so gefährlich macht, ist ihre absolute Verfügbarkeit. Das wird sich in den nächsten Jahren aus Sicht von Fernsehen, Radio und Zeitung noch "verschlimmern": Drahtlose Internetzugänge via W-LAN oder Mobilfunk im Verbund mit neuen, portablen Lese-, Hör- und Sehgeräten lassen die Web-Marken zu potenziellen Mega-Konkurrenten wachsen, die nicht mehr an den Computer gefesselt sind.

Das schlimmste aber: Sie haben Geld wie Heu. Ganz im Gegensatz zu den in den letzten Jahren mächtig gebeutelten Medienmarken.

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