Von Philipp Kohlhöfer
... damit sind sie die erfolgreichste Buchserie der Geschichte. Troy Lyndon, Chef von Left Behind Games, sagt, die Buchreihe könne auf eine Stammleserschaft von rund zehn Millionen Menschen zurückgreifen. In die Entwicklung einer digitalen Spieleversion werde man mehr Geld und Ressourcen stecken, als jemals in ein Spiel mit religiösen Inhalten investiert wurde. "Wenn nur zehn Prozent der Leserschaft das Buch auch als Spiel kaufen, wird es ein Top-Seller", sagte Lyndon. Nach "Eternal Forces" soll jedes Jahr ein neuer Teil veröffentlicht werden, 13 Folgen lang.
Doch das Ziel der christlichen Software-Schmieden ist nicht nur, einen wachsenden Markt zu bedienen. Um Satan zu besiegen ist es wichtig, möglichst viele Menschen zu bekehren. Die Armee Gottes zu vergrößern. Das Heer der Gläubigen stark zu machen. Das ist im Spiel nicht anders als im Leben. Ziel ist deswegen in erster Linie, aus Videospielern gute Christen zu machen.
Man müsse realistisch sein, sagt Bagley. Jedes dritte neu auf dem Markt erscheinende Videospiel habe einen okkulten Hintergrund. Die meisten Spiele vermittelten satanistische Inhalte und stilisierten zweifelhafte Charaktere zu Helden. Und die Gewalt in den Spielen sei kaum mehr zu ertragen. Ein großer Teil der US-Öffentlichkeit vertritt offenbar Bagleys Meinung. Nach dem Schulmassaker in Littleton 1999 fand N'Lightning plötzlich viele Geldgeber, die gewaltfreie Computerspiele fördern wollten. Eric Harris und Dylan Klebold, die Mörder der Columbine High School, spielten gern "Doom" und "Quake". Bagley sagt: "Oft ist Satan der stärkste Charakter."
Ziel seiner Firma sei es daher, "in der dunklen Arena des Satans Gottes Licht scheinen zu lassen". Er sagt: "Wir erobern das Land vom Teufel zurück." In jedem Spiel seines Unternehmens lerne der Spieler etwa dreihundert Bibelpassagen kennen. Tim Emmerich, Organisator der "Christian Game Developers Conference" gibt denn auch offen zu, dass es einfacher sei, Menschen zu evangelisieren, während sie spielten, da die Bekehrung dann im Unbewussten stattfände. Es gebe keine Alternative. Er sagt: "Wir brauchen Gott, damit er uns den Weg zeigt." "Wir säen nur den Samen", sagt Ralph Bagley. Die Früchte ernte Gott.
Zum ersten Mal wahrnehmbar waren christliche Spiele 1989, als eine Firma namens Wisdom Tree damit begann, unlizensierte Spiele für die Nintendo-Konsole herzustellen. Viele der Spiele waren Bibelquize, allerdings brachte die Firma es auch fertig, die Oberfläche des Nazispiels "Wolfenstein 3D" so zu verändern, dass man plötzlich "Arche Noah 3D" spielen konnte. Das Ziel war damals wie heute das gleiche: Gott in die Gemeinde der Spieler einführen und Gewalt in den Spielen zurückdrängen.
Es gibt allerdings auch Christen, die kein Problem mit der Gewalt haben, schließlich wird auch in der Bibel getötet, was das Zeug hält. So wird in diversen christlichen Internetforen heftig über den wahren Weg zum Christentum diskutiert. Lassen sich Religion und Videospiele überhaupt vereinbaren? Welches sind die besten Spiele für Christen? Ist es erlaubt, Egoshooter zu spielen, wenn man Christ ist?
Dabei wurde diese Frage vor knapp zwei Jahren eigentlich schon beantwortet: von einem christlichen Spiel mit Namen "Eternal War", das auf der "Quake"-Engine basierte. Der Spieler ist ein Engel, der im Auftrag Gottes einen Teenager aus der Gewalt von Dämonen befreien muss. Die bevorzugte Waffe des Engels ist das Schwert. Gewalt gibt es hier zuhauf, aber sie ist kein Problem, schließlich kämpft man für das Gute. Ausschließlich das Gute, es ist nicht möglich, für die andere Seite zu spielen. Nach der Veröffentlichung von "Eternal War" feierte die "Christian Game Developers Conference" das Spiel als eierlegende Wollmilchsau. Es schien die Lösung der Probleme.
Fielen christliche Spiele bis dato in erster Linie durch schlechte Grafik und langweilige Handlung auf, machte "Eternal War" plötzlich Spaß. Und es hatte eine Botschaft. Die christlichen Programmierer wählten es zu ihrem Spiel des Jahres. In der Begründung hieß es: "Das Spiel ist ein gutes Vehikel. Es befriedigt die technischen Erwartungen eines Spielers, während es auf subtile Weise Gottes Botschaft transportiert."
"Man muss nicht die ganze Zeit mit der Bibel herumwedeln, um eine christliche Botschaft zu transportieren", erklärt Mackenzie Ponech, Entwickler von "Eternal War" die eigenwillige Interpretation von Gottes Botschaft. Und vielleicht liegt er damit näher an der Wahrheit, als er denkt. Die "Denver Post" schrieb kürzlich, das Problem mit christlichen Spielen sei, dass niemand beantworten könne, wo Religion beginne und wo sie ende. Jeder könne sich noch an den "God Mode" erinnern, einen Hack, der es - vor allem in Actionspielen - dem Charakter erlaubte, unbeschadet durch die feindlichen Linien zu laufen.
Danach habe es die so genannten God Games gegeben, etwa "Sim City", "Civilization" und "Die Sims". Und jetzt gebe es eben Spiele, die ganz vordergründig eine christliche Botschaft transportieren wollten. Aber alles das sei nicht der Punkt, sagt David Thomas von der "Denver Post", denn Religion liege tiefer. "Die Struktur der Videospiele selbst ist eine fundamentale theologische Botschaft."
Der Spieler spiele ein einem künstlichen Universum, einer Matrix, geschaffen von jemanden mit einem Plan von allem, in diesem Fall der Programmierer. Der Spieler erlebe diese Welt völlig real. Teil eines Spiels sei es, sich an Regeln zu halten oder eben nicht, es gibt Systeme, die es zu verstehen gelte, der Charakter lerne ständig dazu, er entwickle sich weiter. "Wo ist der Unterschied?", fragt Thomas. "Hier ist sie, deine persönliche Erfahrung mit Gott."
Parallelen gibt es in der Tat: Trotz all ihrer Möglichkeiten liefern Spiele ein kontrollierbares und verständliches Universum, sie sind vollkommen vorhersehbar. Früher war die Kirche für die Lieferung eines solchen Universums zuständig, sie lieferte den Mitspielern einen verständlichen und vorhersehbaren Kosmos. In beiden Fällen gibt es einen "von oben" vorgegebenen Weg. Und Abweichungen von diesem Weg werden im christlichen Jenseits wie auch im virtuellen Diesseits hart bestraft, mit der Hölle - oder eben mit "Game Over".
Fünf Bibelspiele, die kaum zu glauben sind
01 Pastor 3D ... wurde wohl von einem ebenso frommen wie ordnungsliebenden Mann programmiert. Der Spieler rennt in der Kirche herum und sammelt Bibeln auf. Je länger er braucht, desto mehr Glauben verliert er.
02 Bible Baseball ... ist eigentlich ganz leicht. Vorausgesetzt, man kann die Bibel auswendig, denn vor jeder Aktion poppt ein Fenster auf und stellt eine Frage über Jesus. Weiß man nichts, fällt das Spiel aus.
03 Jeremiah ... der Protagonist dieses 2D-Adventures ist Geheimagent des Königs von Babylon und sucht einen aus irgendeinem Grund unglaublich wichtigen Seher. Der Agent sieht aus wie Leisure Suit Larry.
04 Words Of Jesus ... könnte auch "Glücksrad" heißen. Es ist nämlich genau das gleiche. Man bekommt Buchstaben und Wörter und muss sie zu einem schmissigen Bibelvers zusammensetzen.
05 Bible Concentration ... ist ein Memoryspiel mit simpelsten Animationen. Die "Kärtchen" zeigen Bibelmotive wie Schwerter und Wagenräder. Jedes richtig aufgedeckte Paar belohnt der Computer mit einem "Böööp".
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