Von Isabel Volland
Microsoft wurde gerade 30, das Betriebssystem Windows 20 und der Macher von alledem wird heute 50 Jahre alt. Mit seinem jungenhaften Grinsen, seiner runden Brille und seiner oft legeren Kleidung sieht Bill Gates, der eigentlich William Henry Gates III heißt, immer noch aus wie ein Student und nicht wie der reichste Mann der Welt.
Die sagenhafte Karriere des Computer-Moguls schien vorgezeichnet. Im zarten Alter von sieben Jahren kam Gates auf einer privaten Eliteschule in Seattle das erste Mal mit einem Computer in Berührung. Mit 12 Jahren entdeckte der schüchterne Bube seine Leidenschaft für das Programmieren, die soweit ging, dass er fünf Jahre später damit sein erstes Geld verdiente. Gates entwickelte mit Schulfreunden zusammen ein Programm zur Erstellung des Stundenplans, das er für 4200 Dollar an die eigene Schule verkaufte.
Der Durchbruch kam mit der Entwicklung einer Software für den Heimcomputer Altair 8800 während seines Studiums an der Eliteuniversität Harvard. Immer das Motto vor Augen: In jedem Haus soll ein Computer stehen, gründete Gates mit 20 gemeinsam mit seinem Schulfreund Paul Allen das Unternehmen Microsoft. Er brach sein Studium ab und zog es vor, sich ganz dem Geschäft zu widmen.
Der große Coup
Einige Jahre später gelang Gates der ganz große Coup. Er hatte zur richtigen Zeit die richtigen Ideen und er hatte Glück. IBM stellte damals nur Großrechner und elektronische Schreibmaschinen her. Der Konzern hatte die Entwicklung des Heimcomputers verschlafen und plötzlich suchten die Manager ein Unternehmen, das für den neuen IBM-PC schnellstmöglich ein geeignetes Betriebssystem bereitstellen konnte. Dabei stießen sie auf Microsoft. Die beiden Programmierer Gates und Allen lieferten IBM das Betriebssystem MS-DOS, das sie zuvor von einer anderen Firma erworben hatten ohne auch nur die leiseste Ahnung von dem Erfolg des Projekts zu haben. Damit begann eine Erfolgsstory, die ihresgleichen sucht.
Schon mit 31 Jahren wurde Gates laut "Forbes" so zum reichsten Mann der USA. In den Folgejahren entwickelte Microsoft dann für das rasch expandierende PC-Business immer nutzerfreundlichere Betriebssysteme, wie Windows 3.0 von 1990, das 60 Millionen Mal verkauft wurde. Heute operieren mehr als 90 Prozent aller PCs und Laptops weltweit mit dem System aus dem Hause Gates, der das Imperium seit 1985 allein führt, da Allen aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden musste.
Gates und die Zukunft
Aber auch ein Gates verschlief mal Trends und musste Niederlagen einstecken. Nicht immer war er zur richtigen Zeit am richtigen Ort. So verpasste er zunächst den Internetboom, weshalb Netscape mit seinem Browser vorpreschen konnte. Gates konterte allerdings schnell und brachte seinen eigenen kostenlosen Browser auf den Markt, der außerdem Windows 95 integriert hatte. Daraufhin wurde Microsoft vorgeworfen seine Monopolstellung zu missbrauchen.
Der jahrelange Rechtsstreit mit den US-Behörden endete, ohne dass Microsoft seinen Browser von Windows entkoppeln musste. Dies bestärkt Gates in seiner Politik möglichst viele Produkte in Windows zu bündeln. Diese Vorgehensweise blieb nicht ganz ohne Folgen, denn seither steht er unter verschärfter Beobachtung der Behörden und Gerichte. So wurde Microsoft im vergangenen Jahr von der EU dazu verpflichtet, Windows XP in einer abgespeckten Version ohne Media Player anzubieten.
Die Zukunft sieht Gates nicht nur rosig. Er befürchtet, dass die Menschen in Zukunft nicht mehr auf Windows schauen, wenn sie ihren PC einschalten, sondern auf eine Google-Maske. Aber nicht nur in Google sieht der ehrgeizige Geschäftsmann eine Bedrohung. Auch Apple und Linux empfindet er als ernstzunehmende Konkurrenz. Vor allem IT-Welt-Empanzipator Linux scheint mit seinem kostenlosen Betriebssystem zunehmend für immer mehr Unternehmen und Behörden eine Alternative zu sein.
Im Jahr 2000 trat Gates etwas kürzer und gab die Führung des Unternehmens an seinen Ex-Kommilitonen Steve Ballmer ab. Gates fungiert aber weiterhin als Chairman und Strippenzieher im Hintergrund. Im Grunde könnte sich der Mann mit der Vorliebe für schnelle Autos ganz zurückziehen, sein geschätztes Vermögen beträgt derzeit 50 Milliarden Dollar. Aber er scheint ein vom Erfolg Getriebener zu sein und deshalb verspricht er, im nächsten Jahr eine stark verbesserte Suchmaschine auf den Markt zu bringen. Außerdem feilt er an der neuen Windows-Version "Vista", die sich unter anderem durch effizienteren Schutz vor Viren, Würmern und Spyware auszeichnen soll und in der zweiten Jahreshälfte 2006 den Markt erobern soll.
Aber nicht nur als High-Tech-Pionier will "Good-Old-Bill" in die Geschichte eingehen. Gemeinsam mit seiner Frau Melinda hat er eine Stiftung gegründet, die sich vor allem der Bekämpfung von Aids, Malaria oder Tuberkulose widmet. Der Wohltäter hat bereits etwa 7,5 Milliarden Dollar aus seinem Privatvermögen in die Stiftung gesteckt. Bis zu seinem Tod will Gates nach eigenen Anaben sogar 95 Prozent seines Vermögens gespendet haben.
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