Als iTunes antrat, geschah das mit dem Ehrgeiz, das breiteste, vollständigste, größte Programm aller Downloadshops anzubieten. Was Musik angeht, gelang das: Mit mehr Labels als Apple hat niemand Verträge. Seit rund einem Monat nun verkauft Apple online auch Videos, und gut eine Million sollen schon in den ersten Wochen über die virtuelle Theke gegangen sein.
Apple verdankt das vor allem der engen Verbindung zwischen der iTunes-Software, dem gleichnamigen Shop und den iPod-Playern. Der letzte aus deren Reihe ist videofähig und verarbeitet MPEG-4/AVC-Videos. Dabei handelt es sich um ein mit dem ganz besonders effizienten H.264-Codec aufgebohrtes Format, das vor allem durch zwei Eigenschaften auffällt: Erstens erbringt es weit bessere Komprimierungen und Qualitäten als XVid oder DivX, und zweitens ist es noch nicht sehr verbreitet.
Das ruft Trittbrettfahrer auf den Plan - zumal Apples iTunes-Angebot im Videobereich eine klaffende Lücke aufweist: Die detaillierte Darstellung des Austausches diverser Körperflüssigkeiten findet dort natürlich nicht statt.
So etwas ist und bleibt aber populär, ist in Web, P2P-Börsen und Usenet problemlos zu finden - und so gut wie nie mit H.264 codiert. Wer also Schmuddelfilme auf seinem jungfräulich weißen iPod parken möchte, hat ein Problem - und "Guba" ist angetreten, das zu lösen.
Guba ist einer der zahlreichen Dienste, die technisch wenig affinen Netz-Nutzern das Usenet erschließen - oder besser: verkaufen - wollen. Das ist bekanntlich eine Plattform des Internet, die weit älter als das WWW und natürlich eigentlich kostenlos ist. Ihr Nachteil: Sie ist auch relativ kompliziert.
Denn das Usenet hat im großen und ganzen eine Forenstruktur: Da wird per E-Mail kommuniziert, da werden Daten in handlichen Häppchen hinterlegt, die erst nachher wieder händisch oder per Software-Werkzeug zu einer funktionierenden Datei montiert werden müssen. So mancher winkt da ab, und doch erlebt das Usenet eine unerwartete Renaissance, seit die Entertainment-Industrie den P2P-Börsen und ihren Nutzern auf den Pelz rückt.
Dienstleister wie Guba, UseNext oder newssurfer versprechen ihren Kunden, die Dateischätze des Usenet per Software zu heben und in konsumierbarer Form zu servieren. Das kostet den Kunden entweder Volumengebühren zwischen 5 und 40 Euro im Monat oder eine pauschale Summe: Guba verlangt für seine Dienste normalerweise 14,95 Dollar im Monat.
Nur im Augenblick nicht, denn seit die Firma ankündigte, ab nächsten Monat nicht nur Videos aller Art, sondern eben auch Pornofilme aus dem Usenet im auf den iPod zugeschnittenen MPEG-4/AVC-Format ausliefern zu wollen, rauchen dort die Server: Ab heute Nachmittag, verspricht Guba seinen begierigen Möchtegern-Kunden, könne die Firma wohl wieder neue Anmeldungen annehmen.
Dass die Beliebtheit der Usenet-Grabber vor allem dem Hunger nach nackten Tatsachen geschuldet ist, steht für Guba-Chef Thomas McInerney außer Frage. "Wir können uns selbst was vormachen, wenn wir wollen", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters, "aber unter dem Strich ist es wohl Pornographie, was die Leute wollen."
Die Usent-Services werben oft damit, dass der Download über sie - anders als bei P2P-Diensten - "legal" sei. Das darf getrost bezweifelt werden, sobald es um urheberrechtlich geschütztes Material geht. Zumindest Guba macht daraus auch keinen Hehl: In "freiwilliger Selbstbeschränkung" limitiert der Dienst den Download von Filmen auf Dateien mit weniger als 70 Minuten Lauflänge, um die Verbreitung von Kinofilmen zu unterdrücken. Auch MP3-Dateien sind über Guba angeblich nicht zu haben, "weil die RIAA da so aggressiv hinterher ist" (McInerney).
Was man dort allerdings findet, sind TV-Serien - auch auf P2P-Börsen wie BitTorrent oder eDonkey mit die beliebtesten Formate. So finden sich auch bei Guba Serien, die Apple in Amerika über iTunes verkauft ("Lost", "Desperate Housewifes"). Thomas McInerney sieht da bereits die Zeit gekommen, sich nach einem Partner in der Industrie umzusehen: "Die TV-Leute haben das Medium verstanden, die sind die nächsten, die nach den Musikleuten online gehen werden. Die lernen immer mehr über das Internet, und sie wissen, dass sie es nicht einfach wegklagen können."
Frank Patalong
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