"Grandma Hardcore" glaubt, dass man der alternden Menschheit in der westlichen Welt etwas Gutes täte, wenn man ihr das Daddeln näher bringen könnte: "Das wäre nützlich! Aber es ist die Frage, wie man die Leute dazu bringt, sich dafür zu interessieren." Enkel Timothy spielt mit dem Gedanken, Omas plötzlichen Ruhm für genau diesen Zweck auszunutzen: "Es wäre schön, wenn wir ein Programm starten könnten, um Spielkonsolen in Alten- und Pflegeheime zu bringen - weil es helfen kann: Es trainiert den Geist."
Positive Effekte für Reaktionen und Wahrnehmung
Das stimmt. Schließlich ist Gaming in erster Linie Training von Hand-Auge Koordination, Aufmerksamkeitssteuerung und Konzentration - alles Dinge, die im Alter langsam schlechter werden. Positive Auswirkungen auf Reaktionszeiten und visuelle Wahrnehmung älterer Menschen durch ganz normale Videospiele sind längst durch Experimente belegt.
Eben erst haben Forscher bei der Jahrestagung der Society for Neuroscience in Washington ein Game vorgestellt, dass als Trainingsgerät für ältere Menschen gedacht ist. Allerdings geht es in dem "Spiel" von Michael Merzenich vom Unternehmen "Posit Science" nicht ums Ballern sondern um das Training von Hör-Arealen im Gehirn - die Aufgabe besteht im schnellen Unterscheiden von hochfrequenten Tonsignalen. Damit soll die auch im Alter noch vorhandene Plastizität des Gehirns genutzt werden, um altersbedingte Defizite auszugleichen - ein Prinzip, dass sich ausweiten ließe.
Barbara St. Hilaire und Helge Tantzscher allerdings wollen keine Therapie-Spiele - nur bessere. "Ich würde mir Spiele wünschen, die mehr in die Tiefe gehen", sagt Tantzscher, "im großen und ganzen wiederholt sich das immer." Was nicht heißt, dass ihm das Ballern in "FarCry Instincts" keinen Spaß gemacht hätte, "dadurch, dass man ja in die Figur hineinschlüpft" gäbe man sich eben auch mit einer weniger ausgefeilten Story zufrieden, "aber das Potential dieses Mediums ist längst noch nicht annähernd realisiert." Seine Frau, die nur am PC spielt, ist da anders - wenn ihr Gatte in einen interaktiven Film einsteigt, spielt sie währenddessen Tetris-ähnliche Geschicklichkeitsspiele.
Amüsiert, wenn die Köpfe platzen
Barbara St. Hilaire sagt über die Spiele, die sie schätzt: "Ich mag eine gute Geschichte, und wenn es auch den Geist fordert." Das hochgelobte Adventure "Fahrenheit", das genau das versucht, hat sie aber frustriert: "Ich fand die Geschichte toll, aber das Ende war so enttäuschend. Und die Bedienung hat mich in den Wahnsinn getrieben". Helge Tantzscher sieht das genauso.
Mit der oft kritisierten Gewalt in Games haben beide keine Probleme. "Manchmal amüsiert mich das sogar," sagt der Soziologe Tantzscher, "wenn ich gut treffe und dann so ein Kopf explodiert." Seine Frau sei da anders, "die kann das nicht sehen." Barbara St. Hilaire dagegen hat absolut nichts gegen ein gutes Gemetzel. Sie liebt zum Beispiel "God of War" - ein Spiel, das in Deutschland gar nicht erst auf den Markt kam, weil man davon ausging, dass es keine Jugendfreigabe erhalten würde - Oma Hardcore versucht sich gerade an der schwersten Spielstufe, dem "God Mode". Tantzscher hat sogar "Manhunt" durchgespielt, ein extrem brutales Spiel, das in Deutschland verboten ist. "Die indizierten Titel hole ich mir in Österreich", sagt der Opern-Fan. Das deutsche Zensurgebaren sei "idiotisch". Erwachsene wollen sich eben nicht vorschreiben lassen, wie sie ihre Freizeit verbringen dürfen.
Und bei aller Begeisterung für klassische Musik und gute Literatur - Spiele könnten eben etwas, was andere Medien nicht schafften, sagt Tantzscher, der vor allem Gruseliges wie die Horrorserie "Silent Hill" liebt: "Beim Spielen habe ich manchmal eine Gänsehaut. Das passiert mir mit einem Buch nicht."
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