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22.11.2005
 

Kanzlerinnen-Briefmarke

Jetzt kommt die Merkel-Post

Vorbei die Zeit, da man erst ableben musste, bevor das Konterfei auf Briefmarken verewigt wurde. Wer will, kann Bekannte heute zur Feier des Tages mit einer Grußkarte beglücken, deren Briefmarke die "1. Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland" zeigt.

Als sich vor nunmehr gut 20 Jahren ein findiger Bayer einen Scherz erlaubte und eine selbst gestaltete Briefmarke mit dem Konterfei von Franz Josef Strauß auf den Weg schickte, da schaffte es die skurrile Nachricht, dass die Post diese wirklich transportiert hatte, noch bundesweit in die Nachrichten. Das, beschied damals die Post in Bayern, sei so in Ordnung, weil es ja nur etwas vorweggenommen habe, was irgendwann sowieso geschehen werde.

Beim "Postcard-Mailing-Service" PMS im Internet kann jedermann solche künftigen Entwicklungen vorwegnehmen, wenn man so will: Die Firma verkauft "Weltbriefmarken" und personalisierte Grußkarten. Jeder, von Otto Normalverbraucher bis zu Nachbars Lumpi, kann es dort zu philatelistischen Ehren bringen. Und PMS selbst druckt natürlich auch "Briefmarken" - aber nur solche, bei denen der Anlass stimmt. Mitunter nimmt das Unternehmen dann auch etwas vorweg: "1. Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland" steht auf der Marke, die vor wenigen Tagen in die Redaktion schneite, "Dr. Angela Merkel".

Nanü? Was die Liberalisierung des Post-Marktes so alles möglich macht. Vorbei die Zeit, zu der man erst ableben musste, bevor man auf gezackten Bildchen mit Kleberückseite verewigt wurde! Ist das nun die geglückte Demokratisierung der Briefmarke oder "nur" geschicktes Marketing?

Vielleicht ein wenig von beidem. Die kleine Hamburger Firma PMS jedenfalls setzt darauf, mit besonders frühen "Sondermarken" Aufmerksamkeit zu ernten.

Das dürfte in diesem Fall geglückt sein. Der Welt erste "Angie"-Briefmarke ist ab sofort "gültig": Für den gegenüber normalen Postpreisen doch erhöhten Satz von 2,99 lässt sich im Web eine Grußkarte mit dem Konterfei der "1. Bundeskanzlerin" verzieren und weltweit auf den Weg schicken. Denn genau das meinen die Scherzbolde von PMS mit ihrem seltsamen Kunstbegriff "Weltbriefmarke": Die Dinger werden wirklich ausgeliefert, wohin auch immer die Post sie trägt.

Kein Wunder, denn natürlich steckt hinter der findigen Idee so etwas wie ein Trick: Das eigentliche Wertzeichen auf den PMS-Karten ist nicht die "Briefmarke", sondern der Stempel daneben. Gestaltet, beschriftet und gedruckt werden die Dinger im Übrigen in der Schweiz, wo sie auch in den Briefkasten wandern. Das erhöht die Laufzeit der Karten nach Deutschland auf etwa drei bis fünf Tage. PMS verbindet also einen pfiffigen Service für den Versand personalisierter Grußkarten mit einem fast normalen Frankierservice.

Aber was soll's? Hauptsache, die Sache macht Spaß. Betreiber Bruno Hurth jedenfalls hofft auf ein erkleckliches Geschäft: Originell ist die Kanzlerinnen-Post ja allemal.

Frank Patalong

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