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22.11.2005
 

World Cyber Games 2006

700 Spieler kämpften um 465.000 Dollar

Aus Singapur berichtet Gregor Wildermann

1000 Spiele in acht "Disziplinen", 47 Schiedsrichter und 700 Teilnehmer aus 67 Staaten - die Gamer-WM in Singapur glich einen Sport-Großevent. Die deutschen Teilnehmer erlebten einige Enttäuschungen, glänzten aber am Ende als stärkstes europäisches Team.

Auf den ersten Blick wähnte man sich in Singapur auf einem regulären Sportturnier. Unter den 67 Staaten fanden sich neun Erstteilnehmerländer wie Pakistan, Griechenland oder Turkmenistan. Auch der Flaggeneinmarsch und der Eid auf spielerische Fairness klangen ganz nach dem olympischen Gedanken.

Doch spätestens bei der Nennung der "Sportgeräte" und dem Turniernamen "World Cyber Games" entstand plötzlich ein ganz anderes Bild: 600 PCs und 30 Xbox-Konsolen füllten neben einer großen Bühne und 1500 Zuschauerplätzen die weit laufende Halle auf der obersten Ebene des "Suntec"-Kongresszentrums im Zentrum von Singapur-Stadt. Kabelstränge und Monitorlicht statt Stadionrasen und Tartanbahn. Getränke und Blitzlicht verboten.

Ist das die Zukunft des Sports? Könnten im deutschen Gepäck für die Olympischen Spiele 2008 in Peking schon PC-Tastaturen statt Sportschuhe stecken?

Auf der weltweit größten Veranstaltung dieser Art stand für die Teilnehmer, Organisatoren und Hauptsponsor Samsung völlig außer Frage, dass es sich bei den "World Cyber Games" ganz klar um eine sportliche Veranstaltung drehte. Turniere dieser Art sind in Amerika und Asien längst große Medienereignisse. Gerade Onlinegaming mit Millionen von zahlenden Spielern ist in seiner Popularität unübertroffen. Die besten "Cybergamer" sind längst bekannte Persönlichkeiten, teilweise mit echten Starschnitt-Qualitäten.

Deutschland mit 23 Spielern dabei

Auch die Verlockung der teilweise immensen Preisgelder verleiht Turnieren des elektronischen Sports (eSport) ähnlich wie beim Tennis- oder Golfsport auch an ungewöhnlichen Veranstaltungsorten magnetische Wirkung. Innerhalb von fünf Tagen kämpften bei dem Turnier die Länderteams um ein Gesamtpreisgeld von 465.000 US-Dollar und allein das deutsche Team war mit 23 Spielern und einem halben Dutzend Betreuern angereist.

Auch der diesjährige Austragungsort war kein Zufall: Singapur sucht nach Prestigeevents jeder Art und das Image von jungen modernen Computersportlern passt bestens zu einem Land, dass neben dem weltweit größten Containerhafen ganz auf IT setzt und durch seine "Singlisch" sprechende Bevölkerung als ideale Brücke zwischen Asien, Europa und den USA gilt.

Dabei wurde der Einstieg in die Welt des "eSport" dem unwissenden Besucher auch in Singapur nicht gerade leicht gemacht. Vor Ort eröffneten sich dem Besucher der "World Cyber Games" unerwartete Probleme: Alle Teilnehmer trugen laut Vorschrift die gleichen WCG-Shirts und somit war fast nie erkennbar, aus welchem Land die Spieler kamen. Der Zeitplan der Matches wurde nur im Internet veröffentlicht und andere Übersichtspläne wurden entweder verspätet ausgefüllt oder befanden sich am anderen Ende der Halle.

Einheitskleidung und Organisationschaos

Die jeweiligen Finalmatches wurden zwar moderiert, doch bei eher kryptischen Spielernamen wie "4K_FoV" oder "MaNcHaDo" und vielen anderen Fachbegriffen klangen die Übertragungen in der auf Gänsehauttemperatur gekühlten Halle über weite Strecken wie ein Vorlesewettbewerb für technische Gebrauchsanweisungen. Ganz zu schweigen vom Spieltempo vieler Titel, bei dem selbst brasilianische Fußballreporter sprachlos würden.

Im fünften Jahr seiner Existenz war den Veranstaltern schon vorab klar, dass vor allem die Medien der Schlüssel zur Akzeptanz des oft noch ungewohnt erscheinenden elektronischen Sports sind. Dafür landeten die Organisatoren in puncto Publicity mit einigen ausgewählten Spielern noch vor Turnierbeginn geschickte Schachzüge: Der gerade mal drei Jahre alte Iraner Amin Golnam wurde als jüngster Teilnehmer in der Geschichte der WCG mit einem Sonderpreis geehrt und zusammen mit seinem Vater Mohammed Golnan (42) zur Verleihung nach Singapur eingeladen.

Kaum ein Fotograf und Journalist ließ sich diese Story entgehen, während der Ungar Lajos Hegedus (39) als ältester registrierter Teilnehmer deutlich seltener abgelichtet wurde. Dafür sorgte die aus Wien angereiste Verena Vlajo (24) als einzige weibliche Teilnehmerin für Blitzlichtgewitter und Menschentrauben. Bei all der Aufmerksamkeit fiel irgendwann auch nicht mehr auf, dass diese Spieler schon in den Vorrunden an ihren Gegnern deutlich scheiterten.

Dabei ist es selbst für die Spieler oft nicht einschätzbar, wie stark der jeweilige Turniergegner ist, selbst wenn sich online schon seit Jahren immer wieder gegenüber stand. Denn wie bei echten Sportlern spielt auch die spezielle Psychologie eines öffentlichen Turniers seine ganz eigene Rolle. Das weiß auch der deutsche Teamleiter Kambiz Hashemian (33). "Jeder der Spieler geht ganz unterschiedlich mit dem Druck und der Erwartungshaltung der Mitspieler und des Publikums um. Manche muss man immer wieder aufbauen und andere wollen einfach allein sein und sich auf das Spiel konzentrieren."

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