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World Cyber Games 2006 700 Spieler kämpften um 465.000 Dollar

2. Teil: Weiter in Teil 2: Ein deutscher Favorit zeigt Nerven, "styla" rettet das Team vor dem Absturz

Die meist noch sehr jungen Spieler wurden auch mit ganz neuen Realitäten konfrontiert. Der als Favorit gehandelte Niklas Timmermann (18) belegte unter dem Spielernamen "sLIV_R" beim Autorennspiel "Need for Speed: Underground 2" nur den vierten Platz, weil das brasilianische Team auf geschickte Einzeleinstellungen statt auf Fahrkunst setzte. Auch die vielleicht nicht ganz ernst, aber dennoch emotional sehr deutlichen Todesflüche des russischen Gegners setzten Niklas Spiellaune deutlich zu.

Pech hatte das deutsche Team, bestehend aus Joe Lahchaychi und Marcel Jardin, auch beim Konsolenshooter "Halo2". Bei der Turnieranmeldung wurde aus dem Passwort "butterbrot" gleich mal ihr Gruppenname und nach ersten eindeutigen Siegen kam bei ihrem Showdown am Samstag ein Rückschlag nach dem anderen. "Wir haben völlig unglücklich den vierten Platz belegt, weil uns im Spiel gegen Frankreich am Ende bei Stand von 35 zu 34 die Zeit ausging. Und es ärgert schon, wenn man weiß, dass man besser ist und nur einige Sekunden mehr gebraucht hätte, um wenigstens noch die Bronzemedaille zu gewinnen."

Acht Stunden täglich am Rechner

Während viele Spieler des deutschen Teams "eSport" noch eher als Hobby ansehen, obwohl sie täglich bis zu acht Stunden trainieren, haben andere Teilnehmer daraus schon längst eine lukrative Hauptbeschäftigung gemacht. Die jeweils 19 Jahre alten Zwillingsbrüder Dan und Tom Ryan, auch bekannt als "Ogre Twins", gingen bei "Halo2" als Gruppengewinner von der Bühne und bekamen in Singapur 20.000 US-Dollar Preisgeld.

Das einheimische Publikum aus Singapur, von denen gut 50.000 Zuschauer das WCH-Turnier besuchten, hat mit Wilson Chia (24) immerhin einen neuen Nationalhelden: Er gewann unter dem Spielernamen "Tetra" im Beat'Em-Up-Spiel "Dead Or Alive Ultimate" eine Silbermedaille. Mit seinen Mitspielern belegte das Gastgeberland den zehnten Platz.

Im internationalen Vergleich zeigten sich am Finalsonntag beim Medaillenspiegel gewohnte Sieger, aber auch einige Überraschungen: Den USA folgte Süd-Korea und Brasilien belegte ganz ungewohnt den dritten Platz. Auch der neunte Platz für Kasachstan ist wohl sonst nur im "eSport" möglich. Frühere Favoriten wie das niederländische Team, im vorherigen Jahr beim Turnier in San Francisco noch Gesamtsieger der Nationen, belegten in diesem Jahr gerade mal den dreizehnten Platz.

Letzte Hoffnung: Fußball

Die deutsche Mannschaft kam mit dem vierten Platz auf die vorderste Position unter den europäischen Teams und nach einer Bronze-Medaille durch Simon Pletzer (20) aka "inSAne" beim Strategiespiel "Warhammer 40.000" lagen am letzten Sonntag alle Hoffnungen auf dem Finale beim Fußballspiel "Fifa 2005".

Dem Fifa-Zwilling Dennis Schellhase (22) aka "SK.styla" war die Konzentration und der Druck auch deutlich anzusehen. Eine halbe Stunde vor Anpfiff setzte er sich auf der großen Tribüne in seine Spielerkabine und blickte danach nahezu regungslos in Richtung Monitor. Sein gleichaltriger Gegenspieler Gusev Victor aka "X4Alexx" kommt aus St. Petersburg und studiert wie Schellhase Betriebswirtschaft.

Kurz nach 16 Uhr Ortzeit begann das Spiel Russland gegen Deutschland, doch auf den beiden Übertragungsleinwänden sah man ganz andere Mannschaften. Gusev spielte mit der französischen Equipe, Schellhase wählte das spanische Team. Die jeweiligen eigenen Landesmannschaften wären im Spiel "Fifa 2005" zu schlecht. Gespielt wurden maximal drei Begegnungen und Dennis konnte die erste Partie knapp mit 5:4 gewinnen.

Auch beim zweiten Spiel konnte sich zuerst keiner der beiden Spieler einen eindeutigen Vorteil verschaffen, doch der Russe leistete sich immer mehr Fehlpässe und Lattentreffer und zum Ende konnte Dennis einen souveränen Vorsprung herausspielen. Um 16:42 Ortszeit ertönte beim Stand von 6:3 der Schlusspfiff.

Dennis ist nach seinem Titel von 2003 wieder Weltmeister und teilt das Preisgeld von 20.000 US-Dollar mit seinem Zwillingsbruder Daniel, der sich dieses Jahr nicht qualifizieren konnte. Deutschland ist also zumindest im digitalen Fußball schon einmal Weltmeister geworden und so betont Dennis auf dem Rückflug nach Deutschland auch den Stellenwert dieses Sieges. "Ich wollte unbedingt im WM-Jahr den Titel holen und vielleicht wird auch der eSport von der Weltmeisterschaft im eigenen Lande profitieren können!"

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