Brüssel/Berlin - Europas Sonne am Internet-Himmel geht am Mittwoch auf. Für Internet-Adressen mit der Endung ".eu" beginnt dann die sogenannte Sunrise-Periode, in der sich öffentliche Einrichtungen und Inhaber von Markenrechten die begehrte neue Kennung registrieren lassen können. Firmen und bekannte Künstler sollen ab Februar zum Zuge kommen, wenn sie ein Anrecht auf ihre Wunschadresse nachweisen können. Web-Adressen wie www.jedermann.eu werden erst ab dem 7. April 2006 zugeteilt. Experten rechnen mit starkem Interesse aus Deutschland, wo es bereits fast neun Millionen .de-Adressen gibt.
Die EU-Sonne geht auf: Wer früh aufsteht, kann sich zur .de- oder .com-Adresse auch noch die "kontinentale" Form sichern
Zuständig für die Vergabe ist die gemeinnützige Organisation EURid in Brüssel, die zusammen mit Regionalbüros in Stockholm, Pisa und Prag .eu verwaltet. Bei ihr sind europaweit rund 400 Registrierungsstellen akkreditiert, bei denen sich Firmen und Bürger melden können. Mehr als 70 dieser Zentren gibt es in Deutschland, darunter zahlreiche Internetfirmen und auch die Deutsche Telekom.
Doch wer als Privatmann oder -frau seine .eu-Wunschadresse sichern möchte, muss aufpassen: "Man sollte vorsichtig sein mit Adressen, die Namensrechte berühren. Dabei kann man sich leicht Ärger mit Firmen einhandeln." Wer Müller oder Schneider heißt und sich als www.mueller.eu oder www.schneider.eu registrieren möchte, muss sich auf einen Rechtsstreit mit einer großen deutschen Molkerei oder dem französischen Großkonzern Schneider Electric einstellen. Finger weg heißt es auch bei Namen und Ämtern von Politikern: So setzte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) durch, dass die Webseite www.bundeskanzlerin.de an sie übergeben wurde.
Typisch: Europa ist teurer
Für solche Fälle hat EURid bereits ein Streitbeilegungsverfahren für 20 Amtssprachen ausgearbeitet. Damit soll der Domänen-Markt auch vor "Cybersquattern" geschützt werden. So nennt die Branche Spekulanten, die sich begehrte Domänen-Namen nur deshalb registrieren lassen, um sie anschließend teuer zu verkaufen. Kossel warnt auch vor schwarzen Schafen, die "garantiert" zur Wunschadresse verhelfen wollen. Zahlen per Vorkasse oder horrende Bearbeitungsgebühren im Kleingedruckten sind Tabu. "Man sollte erst bezahlen, wenn registriert ist. Alles andere ist unseriös", sagt Kossel.
Die Europa-Adressen kosten dabei mehr als die nationalen: Während ein Verbraucher für seine .de-Adresse rund zwölf Euro Verwaltungsgebühren im Jahr berappen muss, dürfte sich der Preis für .eu-Domains bei 25 bis 30 Euro einpendeln. Die Registrierung selbst ist für Privatleute grundsätzlich kostenlos. Firmen müssen da schon tiefer in die Tasche greifen: Maximilian Hoyer von der Berliner Premium EU-Domains, die Adressen für DAX-Konzerne verwaltet, berichtet, dass Firmen für die schnelle Registrierung ihres Namens bis zu 1800 Euro auf den Tisch gelegt hätten.
In Deutschland dürfte die Nachfrage nach der "europäischen" Adresse groß sein, schätzt Kossel. Schließlich steht Deutschland mit Großbritannien gemeinsam an der Spitze aller Domain-Nutzer, kurz hinter den USA. Dass es einmal mehrere Millionen "Europäer" im Internet geben wird, ist nicht ausgeschlossen. Die Branche erwartet, dass zumindest ein Teil der europäischen Firmen, die wie 40 Millionen Unternehmen weltweit bisher nur über die Endung .com erreichbar waren, ebenfalls auf .eu umsteigen wird.
Matthias Lauber und Stephanie Lob, AFP
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