"Hiermit", rief Xbox-Marketingchef und Microsoft-Vize Peter Moore am Samstag den rund 200 Gästen der Launch-Party in Tokio zu, "signalisieren wir den Beginn von - wie wir glauben - der Marktführerschaft der Xbox auch in Japan."
Ein stolzer, wenn auch sehr geschraubter und ganz besonders optimistischer Satz: Yoshihiro Maruyama, als Japans oberster Xbox-Vermarkter bisher eher nicht vom Erfolg verwöhnt, setzte auf Bescheidenheit statt inbrünstigem Glauben. "Wir spüren eine sehr positive Reaktion. Wir wollen, dass diese Maschine von einer weit größeren Zahl japanischer Kunden gekauft wird als das letzte Modell."
Ein Wunsch, der schon Samstagnacht ansatzweise in Erfüllung ging: An Stelle des weitgehenden Desinteresses beim Verkaufsstart der letzten Xbox in Japan gab es verhaltenes Interesse zu beobachten. Zwar bemühten sich die Fotografen vergeblich, irgendwo die Schlangen kaufhungriger Kunden zu entdecken, die frierend der Öffnung der Ladentüren entgegenzitterten. Zumindest hier und da, berichtete die Nachrichtenagentur AFP, hätten sich vor Läden in Tokio aber schon mal bis zu zehn Spiele-Fans getroffen.
"Lauwarm" nannte CNet dieses Echo und zitierte Kentaro Okamoto, den die Nachrichtenagenturen als einen der ersten japanischen Xbox-Käufer ausgemacht hatten. Auch bei ihm stießen sie eher auf Pragmatismus statt auf Konsum-Orgasmus: "Das Ding wird in Japan kein großer Hit." Er kaufe "aus Prinzip" jede neue Konsole. Der normale japanische Kunde aber, so Muster-Kunde Okamoto, kaufe "Konsolen von Sony oder Nintendo".
Das konnten nach dem ersten Verkaufstag auch größere Einzelhändler bestätigen. "Nicht mehr als 50 Konsolen" seien in den ersten zwei Stunden in seinem Markt verkauft worden, sagte ein leitender Angestellter einer "Bic Camera"-Filiale in Tokio der AFP.
Die Microsoft-Vertreter auf der Launchparty ließen sich von skeptischen Prognosen und solchen Unkenrufen die gute Laune nicht vermiesen. Ihr Fest produzierte genügend Bilder, den Xbox-Launch in Japan visuell positiv zu stützen. Microsoft-Vize Peter Moore ließ es sich nehmen, als euphorischer Verkäufer-Darsteller einige Boxen persönlich an Kunden zu übergeben. Den Rest muss nun die "Box" selbst besorgen: Immerhin geht sie als erste "3G"-Konsole mit einigen Monaten Vorsprung vor den asiatischen Konkurrenzprodukten an den Start.
Marktführer Sony demonstriert derweil Gelassenheit. Die Playstation 3, bestätigte der Konzern gerade noch einmal, werde im nächsten Jahr plangerecht auf den Markt kommen - angeblich mit weit mehr Rechen- und Grafikpower als das Microsoft-Produkt. Und im Übrigen sei gerade eben erst die 100-millionste PS2 verkauft worden.
Die läuft auch in ihrem fünften Verkaufsjahr noch respektabel und schlägt sowieso alle Verkaufsrekorde. In Asien konnte Sony in nicht ganz fünf Jahren über 22 Millionen seiner PS2-Boxen absetzen. Microsoft brachte es dort in knapp vier Jahren auf 1,8 Millionen. Fernost gilt für Microsofts Game-Produkte als härtester Markt weltweit.
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