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Interview mit Spieledesigner Sid Meier "Wenn Gandhi Ihnen mit Krieg droht"

2. Teil: Lesen Sie im 2. Teil: Egozentrische Gamedesigner, wie Videospiele die Welt besser machen sollen - und mangelnde Schuldgefühle beim Zeitvernichter ...

SPIEGEL ONLINE: Es gibt in dieser Branche noch nicht viele Stars, aber Sie sind definitiv einer von Ihnen. Haben Sie Kontakt zu anderen Stardesignern wie Will Wright ("Sim City", "The Sims") und Peter Molyneux ("Black & White", "The Movies")?

Meier: Ich kenne Will, ich habe Peter ein paar mal getroffen. Will und ich haben sogar mal darüber gesprochen zusammen ein Spiel zu machen, aber … Spieledesigner sind einfach zu … haben zu sehr ihre eigenen Vorstellungen.

SPIEGEL ONLINE: … sind zu egozentrisch?

Meier: Ja, ja (lacht). Eins von den Dingen, die die Computerspielindustrie interessant machen, sind die verschiedenen Leute, die völlig unterschiedlich an Spiele herangehen.

SPIEGEL ONLINE: Braucht die Spieleindustrie Autoren im klassischen Sinne, Regisseure?

Meier: Es muss immer jemanden geben, der das große Ganze im Auge behält. Wo wollen wir hin, welche Erfahrungen wollen wir den Spielern ermöglichen? Welche Ideen passen dazu? Es muss einen geben, der die anderen auf dem Weg zu diesem Ziel anleitet. Es gibt definitiv keine einfache Formel. Ein Computer könnte kein Spiel schreiben. Es gehört eine Menge Kreativität dazu. Die Gefahr ist, wenn Sie zum Beispiel ein Sequel zu einem erfolgreichen Spiel machen, oder sie arbeiten mit einer Filmlizenz und sie glauben, alles, was ich tun muss, ist etwas herstellen, das aussieht wie der Film oder was sich so spielt wie das letzte Spiel vor zwei Jahren, nur mit mehr Farben oder so. Unsere Philosophie ist, dass Design das Wichtigste an einem Spiel ist, und alles andere muss das Design unterstützen.

SPIEGEL ONLINE: Viele Leute sagen, die "Civilization"-Serie habe bei den Spielern mehr Zeit verschlungen als jades andere Spiel. Fühlen Sie sich schuldig?

Meier: Wir glauben, das ist so, weil die Leute einfach Spaß an dem Spiel haben. So sollten Spiele sein! Sie bezahlen das gleiche für ein Spiel, dass sie nur für zwei Stunden spielen wie für eines, dass sie 200 Stunden lang spielen. Bei 200-Stunden-Spiel ist das Preis-Leitungs-Verhältnis besser. Ich glaube es ist gut, wenn Leute viel Zeit mit Videospielen verbringen. Ich fühle mich nicht schuldig.

SPIEGEL ONLINE: Im Moment ist eine Diskussion über Computerspielsucht im Gang. Menschen in Südostasien sind gestorben, nachdem sie tagelang Onlinegames gespielt hatten. Ist das nicht ein grundlegendes Dilemma: Die Leute sollen ihre Spiele lieben, aber wenn sie sie zu sehr lieben, ist das gefährlich?

Meier: Ich glaube nicht, dass schon mal jemand beim "Civilization"-Spielen gestorben ist. Was ich aber fragen würde ist: Was würden diese Leute machen, wenn sie nicht spielen würden? Vielleicht würden Sie fernsehen oder so. Ich glaube, Spiele zu spielen ist eine ziemlich gute Art, seine Zeit zu verbringen. Sie denken dabei, trainieren ihren Geist, sie erforschen unterschiedliche, interessante Welten. Aber natürlich sollten Sie auch essen, schlafen, zur Arbeit gehen und ihrer Frau Aufmerksamkeit schenken und so weiter. Jeder, den ich kenne, spielt Spiele, und ich glaube, unser aller Leben wäre ohne Spiele wesentlich weniger interessant. Spiele machen die Welt zu einem besseren Ort.

SPIEGEL ONLINE: Sind Videospiele die Filme des 21. Jahrhunderts?

Meier: Ich glaube schon. Aber wir sind noch nicht wirklich ein Massenprodukt bis jetzt. Es gibt ein paar große Probleme, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen. Jeder kann ins Kino gehen, kein Mensch fühlt sich nicht qualifiziert, einen Film anzusehen. Aber viele Leute glauben, dass Spiele zu kompliziert sind, oder sie glauben, sie würden keinen Spaß daran haben. Ich halte es für möglich, - durch Dinge wie das Internet und Handheld-Spiele - dass wir wirklich ein Massen-Unterhaltungsmedium werden können. Aber wenn wir das tun, besteht die Gefahr, dass wir das verlieren, was uns für die Leute bis jetzt interessant gemacht hat. Insofern - ich weiß nicht, ob wir die universelle Unterhaltung fürs 21. Jahrhundert werden können. Es ist möglich, aber nicht zwangsläufig.

Die Fragen stellte Christian Stöcker

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