• Drucken
  • Senden
  • Feedback
14.12.2005
 

Verbindungsdaten

EU-Parlament billigt Speicherung

Jetzt ist es amtlich: Das EU-Parlament hat heute gebilligt, dass sämtliche Verbindungsdaten im E-Mail- und Telefonverkehr mindestens sechs Monate lang gespeichert werden dürfen. Datenschützer kritisieren dies als Eingriff in die Privatsphäre.

Die von den EU-Justizministern zur Terrorabwehr beschlossene Neuregelung wurde von 378 Abgeordneten gebilligt, 197 waren dagegen und 30 enthielten sich. Damit kann die Umsetzung der Richtlinie schon im kommenden Jahr beginnen. Sie ermöglicht die Vorratsspeicherung von Telefon- und Internetdaten für eine Dauer von mindestens sechs und höchstens 24 Monaten. Aufgezeichnet werden dürfen jedoch nur die Verbindungsdaten, also etwa die Telefonnummern von Handys und Festnetzgeräten, nicht aber die Inhalte der Gespräche.

Gespeichert werden kann ferner nur der Ort, an dem der Anruf beginnt. Damit würden keine "Bewegungsprofile" von Handy-Nutzern erstellt, erläuterte der SPD-Abgeordnete Wolfgang Kreissl-Dörfler. Auch schreibe die Richtlinie vor, dass die Daten nur von Ermittlungsbehörden bei der Verfolgung schwerer Straftaten angezapft werden dürfen. Dabei gelte die Liste der Straftaten für den Europäischen Haftbefehl. Wer die Kosten für die Speicherung tragen soll, legt die Richtlinie nicht fest. Das muss nun jedes EU-Land tun.

Trotz Kritik von Datenschützern und Internet-Aktivisten hatten die beiden stärksten Fraktionen - die Europäische Volkspartei und die Sozialdemokraten - in der vergangenen Woche vereinbart, die Vorlage zu unterstützen. Datenschützer kritisieren diese Vorratsdatenhaltung als Eingriff in die Privatsphäre. Der deutsche Europa-Abgeordnete Alexander Nuno Alvaro von der FDP teilte mit, dass er 58.000 Unterschriften gegen die Vorratsdatenhaltung gesammelt habe.

Kritik übten vor allem die Grünen sowie Vertreter der Liberalen und Linken. Die Regelung bewege sich dicht "am Rande des Rechtsstaats", sagte der deutsche Grüne Cem Özdemir. Durch die geplante massive Datenspeicherung würden die mehr als 450 Millionen EU-Bürger zu "potenziellen Straftätern" abgestempelt. Auch die PDS-Abgeordnete Sylvia-Yvonne Kaufmann warnte vor einem "Dammbruch des Datenschutzes".

Der britische EU-Vorsitz hatte ursprünglich eine Speicherdauer von drei Jahren vorgeschlagen. Außerdem sollten auch erfolglose Anrufversuche gespeichert werden. Dies hatte nicht zuletzt Spanien gefordert, weil dort die Drahtzieher der Terroranschläge von Madrid anhand solcher Daten gefasst wurden. Das Parlament lehnte diese Forderung jedoch ab - nicht zuletzt wegen der hohen Kosten. Das Speichern aller Anrufversuche hätte die Telekommunikationsbranche zu einer erheblichen Aufstockung ihrer Speicherkapazitäten verpflichtet.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 166 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
19.06.2006 von Rainer Helmbrecht:

Leider wird mich da keiner befragen;o). Wenn Sie sich mal mit dem Thema Diktatur beschäftigen würden, könnten Sie wissen, wenn sie installiert ist wird das, was Sie gerne hätten, abgeschafft. Entweder werden [...] mehr...

19.06.2006 von aloa5: Schlicht Falsch

Tolle Ausführungen zu Freenet. Nur: komplett verkehrt und schlichtweg falsch (sorry !). Bin ja ein Freund von Anon-Netzwerken bzw. anonymisierern. Ich empfehle Ihnen zur Erklärung folgende Seite (da ist das TDK und andere [...] mehr...

18.06.2006 von Sephiroth:

Nächste Generation: Freenet. Die Krone der medialen/digitalen Evolution; was einst ein Programm war, um urheberrechtsverletzende Dateien illegal zu tauschen, ist heute eine neutrale, von Idealen durchdrungene Plattform, die [...] mehr...

18.06.2006 von Sephiroth:

Der bisherige Lauf der Dinge hat gezeigt, dass Urheberrechtsbesitzer sich bei ihren gerichtlichen Vorgehensweisen nicht auf individuelle Nutzer, sondern auf Firmen, die die Technologie zur Verfügung gestellt haben, konzentrieren. [...] mehr...

18.06.2006 von Sephiroth:

Bevor ein derartiges Szenario eintritt, müssen zuerst einmal belastense Sachverhalte Uxer X nachgewiesen werden und da fängt das Problem von Ermittlungsbehörden bereits an: Freenets enkryptisierte Speicherung und Kommunikation, [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
alles aus der Rubrik Web

© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP